• Samstag, 13. Februar 2016

Kiez-Kino in Berlin

Im b-ware hängen sogar Rammstein ab

  • "Skalli" - Paulo Goncalves Da Senhora -betreibt das b-ware! Ladenkino in der Gärtnerstraße Fri...
    "Skalli" - Paulo Goncalves Da Senhora -betreibt das b-ware! Ladenkino in der Gärtnerstraße in Friedrichshain. Foto: Der Tagesspiegel - ©Mike Wolff

Boxhagener Kiez - Hier die Multiplexe, da das Internet - wer heute davon lebt, Menschen Filme zu zeigen, muss seinen Job schon sehr lieben. Zur Berlinale erzählen Berliner Kinomacher gefragt, woher ihre Liebe kommt. Heute: Skalli und sein Ladenkino B-ware!

Skalli und das Kino. Das ist eine Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen. Ein Film für sich. Und den muss man weit zurückspulen, denn die Liebe beginnt früh, noch bevor der Sohn portugiesischer, katholischer Einwanderer in die Schule geht. "Meine Eltern wollten nicht, dass ich draußen Mist baue, also setzten sie mich vor die Glotze." Einmal läuft "King Kong", der von 1933. Eigentlich kein Stoff für kleine Kinder. Für Skalli aber schon. "Auf Monster und Fantastisches stand ich, da habe ich sofort feuchte Hände bekommen."

Videotheken in Berlin kämpfen ums Überleben

Im falschen Film

Berlin
Und wie es so ist mit Dingen, die man liebt: Man will mehr davon. Als 16-Jähriger fährt Skalli aus seiner ostfriesischen Heimat Emden nach Berlin, direkt zum Kreuzberger Hotspot für Filmverrückte, dem Videodrom. "Da stand ich als Junge aus der Kleinstadt, vor mir all diese Filme, von denen ich nur gehört hatte." Er packt einen Berg Tapes ein und veranstaltet in Emden Filmnächte im Luftschutzbunker. Sci-Fi-Trash bis zum Umfallen, vor allem Jim Muros "Street Trash" von 1987. Darin geht es um einen Schrottplatz, auf dem sich bizarre Obdachlose eingenistet haben. Sie schütten alles in sich rein – auch "Viper", eine Flüssigkeit, die Menschen schmelzen und explodieren lässt. Das Ergebnis ist ein irres Farbfeuerwerk. Skalli schaut sich den Film mehr als 50-mal an. "Nichts hat mich so angefixt und geprägt."

"Ein ganz mieser Krieg"

Doch erst mal tingelt der junge Mann als Musiker durch Europa. Vor 15 Jahren landet er wieder in Berlin und geht endlich seiner wahren Leidenschaft nach. In der Friedrichshainer Corinthstraße eröffnet Skalli das Ladenkino B-ware!, um die Ecke betreibt ein Freund die Videothek Filmkunst. Nach jahrelangem Parallelbetrieb wollen sie gemeinsame Sache machen. Anfang 2009 kommt die Gelegenheit: 3000 Quadratmeter auf dem RAW-Gelände, wie gemacht für einen Kino-Wallfahrtsort. Mit der Hilfe vieler Unterstützer wird losgebaut, mehr als 250 000 Euro stecken irgendwann in dem Projekt. Doch früh gibt es Schwierigkeiten mit dem Eigentümer. "Ein ganz mieser Krieg – den wir 2013 verloren haben." Die Schäden sind immens: Schulden, verlorene Freundschaften, ein geplatzter Traum.

"Tribute von Panem: Spiele ich nicht"

Immerhin konnten die beiden schon 2010 auf Eckräume in der Gärtnerstraße nahe dem Boxhagener Platz ausweichen. "Dies ist kein Kino", steht draußen über den Fenstern. Wie ein Kino sieht die Cinethek mit der kleinen Bar auch nicht aus. In den Räumen: 16 000 DVDs zum Ausleihen, dazu Skallis Sammlung von gut sechs Dutzend 35-Millimeter- und Schmalspurprojektoren aus den vergangenen 120 Jahren sowie ein Großteil seiner 3000 Filmrollen. Seit dem Ende des 35-Millimeter-Films vor zwei Jahren kommt die alte Technik kaum noch zum Einsatz. Jetzt läuft alles per Knopfdruck. Gezeigt wird Arthouse und Avantgardistisches, auch Horror oder Splatterfilme. Blockbuster sind selten im Programm. "Die 'Tribute von Panem'? Egal, wie voll die Säle anderswo sind – spiele ich nicht", sagt Skalli knapp.

Dabei ist die Ausstattung wie gemacht für Hollywood-Schinken. "Unsere 3-D-Technik gehört zum Besten, was es in Berlin gibt", sagt Skalli und lacht. Das 10 000 Euro teure System hat er natürlich nicht selbst angeschafft. 2014 meldeten sich die Rocker von Rammstein bei ihm. Sie wollten den 3-D-Film "Wacken" sehen, eine Ode an das legendäre Heavy-Metal-Festival. Das plüschig-kitschige Ladenkino schien perfekt für den privaten Filmabend, allein die Technik war nicht da. Torsten Brandt, Betreiber des Clubs Lido, kümmerte sich um das Problem. "Ist doch egal, hat er gesagt, wir wollen hier ordentlich feiern. Und dann hat er bezahlt", erzählt Skalli, der nicht viel von 3-D hielt. Zu unscharf, zu viel Hype um nichts. Dann schaute er einen Trailer mit der neuen Anlage. "Das war voll auf die zwölf. Seitdem bin ich 3-D-Fan." Und die Liebe zum Kino ist wieder ein Stück gewachsen. 

 

Mehr Kiez-Kino in Berlin:

b-ware! Ladenkino

Gärtnerstraße 19
10243 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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