• Montag, 19. März 2018
  • von Julia Stürzl

DDR-Kult-Café

Muss das Café Sibylle schließen?

  • Die Karl-Marx-Allee bei Dämmerung mit der Leuchtreklame des Café Sibylle.
    Hereinspaziert! Das Café Sibylle bietet Kaffee, Kuchen und Kultur. Foto: picture-alliance/ dpa - ©Britta Pedersen

Früher Milchshakes, heute kulturelles Kaffeehaus: Das Café in der Karl-Marx-Allee war zu DDR-Zeiten ein angesagter Treffpunkt. Am 31. März läuft der Untermietvertrag des Café Sibylle aus, die Zukunft des Lokals ist ungewiss.

Das Café Sibylle beherbergt nicht nur hungrige und wissensdurstige Menschen, sondern auch Geschichte : Gegründet 1953, musste das Café nach der Wende schließen und wurde nach der Jahrtausendwende unter dem gleichen Namen wiedereröffnet mit einer, vom Bezirk mitfinanzierten, Ausstellung zur Karl-Marx-Allee (früher Stalinallee). Das Café ist heute ein Ort für Gastronomie und Kultur, an dem oft Jubiläen älterer, ehemaliger DDR-Bürger gefeiert werden, die das Café noch von früher kennen. Doch jetzt steht das Fortbestehen des Café Sibylle auf der Kippe.

Zwar hatte das Berufsförderungswerk Bekleidung Berlin (BUF) als Hauptmieter dem Café Sibylle bereits im November 2017 eine Vertragsverlängerung über fünf Jahre angeboten – jedoch nur unter gewissen Bedingungen. So wurde neben einer moderaten Mieterhöhung auch eine Spende um die 50.000 Euro an das BUF verlangt. Eine erzwungene Spende ist natürlich keine Spende mehr, sondern eher Erpressung, wie auch Pächter und Bezirksverordneten öffentlich andeuteten. Das Motiv für die eingeforderte "Spende" ist inzwischen geklärt – das BUF stellte später einen Insolvenzantrag – doch das Café Sibylle ist damit noch nicht gerettet.

So wurde am 27. Februar in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) über die Anfragen von Linkspartei, SPD und CDU diskutiert, ob und wie man das Café Sibylle mitsamt Ausstellung erhalten könne. Die Situation ist kompliziert: Das BUF als Hauptmieter vermietete das Café Sibylle an den Betreiber Uwe Radack unter. Das Haus gehört aber eigentlich der Predac Hausverwaltung, die einen Vertrag mit dem BUF hat. Letzteres hatte wegen des schlechten Verhältnisses zu Radack wohl schon länger vor, einen neuen Mieter zu finden – doch das erübrigt sich nun mit der Insolvenz des Bildungsnetzwerks. Jetzt muss geklärt werden, wer die Ausstellung in Zukunft betreibt und ob die Hausverwaltung einen neuen Vertrag abschließen wird. Neben dem Erhalt des Cafés insgesamt steht dabei wohl der Fortbestand der Ausstellung zur Geschichte der Stalinallee in den Räumen besonders im Fokus.


Kaffee-Geschichte(n) aus Ostberlin

Das Café Sibylle steht schon lange an dieser, einst prächtigen, Allee in Friedrichshain und hat über drei Jahrzehnte DDR -Geschichte erlebt. Laut dem Pächter Peter Schröder ist es außerdem auch das letzte erhaltene Geschäft aus der DDR-Zeit an der Karl-Marx-Allee. Früher hieß der Laden Milchtrinkhalle und war ein Eiscafé, in den 60ern wurde es auf Wunsch der Politik umbenannt in Sibylle, nach einer in der DDR sehr beliebten Frauenzeitschrift. Angeblich trafen sich deren Redakteure, Models und Fotografen gerne hier, was vermuten lässt, dass das Café sehr hip gewesen ist.

Jörg Haspel, der Landeskonservator bestätigt: "In der DDR war das Café eine zentrale Adresse", sagt er gegenüber der MAZ. Er beschreibt die Karl-Marx-Allee als so etwas wie das Schaufenster des Ostens in der DDR – nicht nur architektonisch, sondern auch wegen der angebotenen, exklusiven Waren. Heute hat das Café Sibylle vielleicht seinen Glanz verloren und auch seinen Kulturstatus, nicht aber seine Bedeutung für den Bezirk. Die Zeit drängt: Die bisherigen Mitarbeiter haben schon ihre Kündigung erhalten.

Café Sibylle

Karl-Marx-Allee 72
10243 Berlin

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Quelle: QIEZ
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