• Mittwoch, 01. Mai 2013

1. Mai-Party auf dem Holzmarktgelände

Alle mal buddeln im Mörchenpark

  • Der Mörchenpark am Spreeufer
    Am Spreeufer durfte gestern jedermann einpflanzen, was er mitbrachte. Entstehen soll hier auch ein blühendes Gemeinwesen, von dem der Mörchenpark ein Teil ist. Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Auf dem Gelände der ehemaligen Bar 25 wurde am Mittwoch gegraben, gepflanzt, gegrillt und getanzt - viele kamen zur Eröffnung des Mörchenparks am Spreeufer. Neben dem Gemeinschaftsgarten soll hier bald ein ganzes Kreativdorf entstehen.

An die Mörchen, fertig, los: Am ersten Mai war Spatenstich im Mörchenpark. Unter dem Motto "Ein Mörchen wird wahr..." wurde gegraben, gepflanzt und vor allem: gefeiert. Um 14 Uhr ging es los; schon kurz vorher stürmten die ersten das Gelände - viele junge Leute mit kleinen Kindern, auch neugierige ältere Herrschaften und natürlich die typische, hippe Kundschaft von Bar 25 und Kater Holzig.

Viele brachten Pflanzen mit, auch wenn sie deren Namen nicht kannten ("War das jetzt eine Hortensie oder eine Hyazinthe?"), und buddelten sie eigenhändig ein. Ein junges Paar aus Mitte, das früher in der Gegend des Mörchenparks gewohnt hatte, brachte gleich ein Maibäumchen mit, um es einzupflanzen. Genau so war es auch gedacht. Auf dem Areal der ehemaligen legendären Bar 25 an der Holzmarktstraße entsteht auf 6.000 Quadratmetern direkt an der Spree ein Park - und alle sollen mitmachen. Später soll auch noch eine Ansiedlung entstehen, in der alternative Lebensformen erprobt werden.

Eine Möhre wächst nicht im Supermarktregal

Zur Eröffnung jedenfalls fuhren Kinder Karussell und hopsten auf der großen Hüpfburg herum, es wurde gegrillt, Musik gemacht und sogar dazu getanzt - ein rundum fröhliches Fest an einem bis dahin auch komplett friedlichen ersten Mai. In Zukunft sollen hier Schul- und Nutzgärten entstehen, wo man in Workshops und bei weiteren Pflanzaktionen auch etwas lernen kann, Stichworte: Nachhaltigkeit, ökologischer Gemüseanbau und Naturschutz. Kinder sollen hier gemäß dem Gedanken "Eine Möhre wächst nicht im Supermarktregal" lernen, wo Obst und Gemüse eigentlich herkommen.

Der Gemeinschaftsgarten Mörchenpark ist nur eins von vielen Projekten, die für das insgesamt 12.000 Quadratmeter große Areal zwischen Michaelkirch- und Schillingbrücke geplant sind: Die Holzmarkt-Genossenschaft, gegründet von Christoph Klenzendorf und Juval Dieziger, den Betreibern der Bar 25 und dem Nachfolger Kater Holzig auf der gegenüberliegenden Spreeseite, will ein ganzes Städtchen entstehen lassen, mit Marktplatz, Wohnungen, Ateliers und Läden. Auf dem Südgelände soll ein Künstler- und Gewerbedorf mit üppigen Grünflächen, urbanen Gärten und dem naturnahen Flachufer verknüpft werden, auf dem Nordgelände ein Wohn- und Bürogebäude entstehen, in dem Studenten, Gründer und Unternehmer zukünftiges Stadtleben entwickeln, erforschen und ausprobieren.

Ein Park von Bürgern für Bürger

Gemäß der Forderung "Spreeufer für alle!", die 2008 in einem Bürgerbegehren von 87 Prozent der Friedrichshain-Kreuzberger erhoben wurde, bietet der Mörchenpark genau das: Direkt am Spreeufer sollen die Bürger selbst mitmachen, anpacken und entscheiden. Zu diesem Zweck wurde im April 2012 der gemeinnützige Verein "Mörchenpark e. V." gegründet, der als stimmberechtigtes Mitglied in der Holzmarkt-Genossenschaft die Interessen der Berliner vertritt. Die Vorstandsvorsitzenden des Mörchenparks Ania Pilipenko und Andy Edelblut waren selbst einigermaßen überrascht ob des großen Andrangs: "Dass so viele kommen, hätten wir nicht gedacht. Aber das zeigt, dass die Leute es toll finden, wenn sie selber ganz aktiv am Stadtbild mitwirken können", sagt Andy Edelblut, der mit orangefarbenem Hut und kleiner Tochter im Möhrchenkostüm ständig Bekannte zu begrüßen hatte.

Dass nach dem langen Streit um das Spreeufer wenigstens hier der Zugang zur Spree für die Allgemeinheit gesichert is, darüber freuten sich die Besucher bei der Eröffnung am Mittwoch. Ermöglicht wird nicht nur der Mörchenpark, sondern das ganze Holzmarkt-Projekt von der Schweizer "Stiftung Abendrot", die das Areal im Oktober 2012 in einem Bieterverfahren erwarb und es der Holzmarkt-Genossenschaft für 99 Jahre in Erbpacht überlässt.

 

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Quelle: Der Tagesspiegel
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