• Mittwoch, 12. Juni 2013

Mediaspree und East Side Gallery

Investoren wollen Lärm von Clubs tolerieren

  • Mediaspree Oberbaumbrücke Spree
    Gefragte Wohn- und Geschäftslage: Ein Blick von Osten auf die Oberbaumbrücke. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich

Friedrichshainer Spreeufer - Nördlich des umstrittenen Mediaspree-Quartiers haben sich Investoren, Politiker und Aktivisten auf ein Leitbild zur künftigen Bebauung geeinigt. Das soll Konflikte entschärfen. An der East Side Gallery ist die Schließung der Mauerlücke aber immer noch unsicher.

Der Wohnturm "Living Levels" an der East Side Gallery wächst inzwischen in die Höhe. "Der Rohbau hat begonnen", bestätigte ein Sprecher des Investors Maik Uwe Hinkel. Gleichzeitig werde weiter an einer Lösung gearbeitet, um die Lücke im Mauerdenkmal bis 2015 zu schließen. "Wir haben drei Gutachten in Auftrag gegeben, zu den Themen Brandschutz, Statik und Verkehrswegesystem." Das Brandschutzgutachten sei fertig und werde von den Behörden geprüft.

Damit ist weiter offen, ob der vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) moderierte Kompromiss zur Lückenschließung tragfähig ist. Wowereit hatte nach den heftigen Protesten gegen die Baupläne am Mauerdenkmal verkündet, die Investoren wollten eine gemeinsame Zufahrt einrichten. Dazu sind aber erhebliche Umplanungen nötig. Der Investor auf dem Nachbargrundstück hat für seinen Hotelriegel zwei zusätzliche Geschosse beantragt, das wurde vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg abgelehnt. Nun liegt der Bauantrag nach Tagesspiegel-Informationen zur Prüfung beim Senat. Die Senatsbauverwaltung kann den Antrag auch gegen das Votum des Bezirks genehmigen.

Attraktive Aufenthaltsflächen am Wasser

Die Planungen an der East Side Gallery waren auch Thema auf dem dritten und letzten "Forum Stadtspree", das sich um den Bereich nördlich des umstrittenen Mediaspree-Areals kümmert. Die beteiligten Politiker, Investoren, Mieter und Aktivisten einigten sich auf ein Leitbild für die Spreegrundstücke zwischen Schillingbrücke und Jannowitzbrücke. Danach sollen alle Grundstückseigentümer die Uferzonen öffentlich zugänglich machen und "attraktive Aufenthaltsflächen am Wasser schaffen". Die Erdgeschosse der künftigen Gebäude sind für Cafés, Geschäfte oder Ausstellungen vorgesehen.

Wichtig ist der Leitsatz zur Lärmminderung: "Eigentümerinnen tragen durch geeignete Maßnahmen zur Toleranz gegenüber Geräusche emittierender kultureller Nutzungen im Umfeld bei." Damit haben Clubbetreiber zumindest ein Papier in der Hand, das bei Lärmstreitigkeiten zu Verhandlungen mahnt. "Nicht jeder soll seine Rechtsposition vor sich her tragen", sagte Stadtspree-Moderator Urs Kohlbrenner.

Unverbindliche Empfehlungen

Das Leitbild hat nur empfehlenden Charakter, aber Kohlbrenner verteidigt diese unverbindliche Form. "Eine Abstimmung über das Leitbild wäre das falsche Signal." Das Forum habe alle Akteure an einen Tisch gebracht, um "auf Augenhöhe" zu diskutieren. Entscheidungen würden weiterhin in den zuständigen politischen Gremien getroffen. Selbst die Mediaspree-Aktivisten und Bebauungskritiker sind mit dem Leitbild als Ergebnis des Forums zufrieden. "Es gab kaum Kritik, auch nicht von den Investoren", sagt Lutz Leichsenring von der Clubcommission. "Jetzt kann sich keiner mehr auf seinem Grundstück einmauern" - und so tun, als hätte er von nichts gewusst.

Ein Leitbild von unten zu erarbeiten sei besser als ein von der Politik verordnetes. Dennoch gibt es Areale mit erheblichem Konflikpotenzial, etwa an der ehemaligen Eisfabrik an der Köpenicker Straße. Dort ist eine kulturelle Nutzung vorgesehen, in direkter Nachbarschaft sollen hochwertige Wohnungen gebaut werden. Kohlbrenner hofft, auch solche schwierigen Zonen mit Gesprächen der beteiligten Investoren entschärfen zu können.

Adresse

Holzmarktstraße 32
10243 Berlin

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: Der Tagesspiegel
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Wohnen & Leben"

Wohnen & Leben

Beschissene Beete: gegen die Neu-Berliner-Spießigkeit

Beschissene Beete: gegen die Neu-Berliner-Spießigkeit

Berlin ist eine Großstadt mit allem, was dazu gehört: Dreck, Lärm und … mehr Berlin

Familie

Endlich geht es in Berlin rund: Karls Achterbahn

Endlich geht es in Berlin rund: Karls Achterbahn

Für die meisten ist es immer noch der Erdbeerhof vor den Toren der Stadt, … mehr Berlin

TOP-LISTEN

Top 5: Ungehypte Lieblingsorte in Treptow

Top 5: Ungehypte Lieblingsorte in Treptow

Treptow feiert gerade 450. Geburtstag. Grund genug, über unsere … mehr Treptow

Wohnen & Leben

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Dein Urlaubsplaner für die Brückentage

Die erste gute Nachricht ist, dass jeder Feiertag 2018 auf einen Werktag … mehr Berlin

Wohnen & Leben

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Darum ist der Teutekiez am schönsten

Oderberger Straße, Kastanienallee und Weinbergspark kennt doch eigentlich … mehr Mitte, Prenzlauer Berg

Grünes Berlin

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Diese Insel ist noch lange nicht out!

Die Pfaueninsel hat Besucher verloren. Viele Besucher. Wir konnten uns … mehr Zehlendorf

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen