• Montag, 03. Dezember 2012

Städtebau

Planungen für ein neues Stück Berlin

  • Bauprojekt Freudenberg-Areal Boxhagener Straße
    Zwischen Boxhagener, Holtei- und Weserstraße wird bald gebaut - entstehen sollen auch bezahlbare Mietwohnungen. Doch reichen die aus? Foto: Der Tagesspiegel - ©Kai-Uwe Heinrich

An der Boxhagener Straße in Friedrichshain soll ein Block mit 550 Wohnungen entstehen - ein Riesenprojekt mit einer neuen Form der Bürgerbeteiligung

Ein Zwölftonner donnert über die Boxhagener Straße und steuert so schwungvoll über den Bürgersteig auf das Grundstück, dass eine Passantin zusammenzuckt. Hinter dem Zaun, der die früheren Produktionsflächen des Automobilzulieferers Freudenberg von dem gründerzeitlichem Quartier abgrenzt, sind die Reste der zerschlagenen Betonplatten zu Hügeln aufgetürmt, bereit zum Abtransport. Der Boden wird geebnet für die Entwicklung eines rund 26.000 Quadratmeter großen Stückes Friedrichshain. Ein Areal, das nicht weit von den hart umkämpften Gebieten Media-Spree und Liebigstraße liegt. Und deshalb will der Bezirk mit seiner Planung hier ganz neue Wege gehen.

Rolf Tramp hat so manches im Kiez erlebt. Er war einer der "Betroffenenvertreter" des Sanierungsgebietes Traveplatz/Ostkreuz, die mit Anwohnern, Eigentümern und Bezirksmitarbeitern über den Umfang von Modernisierungen und darauf folgende Mieterhöhungen verhandelten. Vor 20 Jahren begann die Aufhübschung des Arbeiterviertels. Inzwischen wird vor allem neu gebaut. "Oft sind wir dann überrascht, dass schon wieder Kräne in einer anderen Baulücke stehen" – ohne dass irgendjemand wüsste, was dort entsteht. Deshalb gründeten Tramp und andere den Bürger-Verein Traveplatz/Ostkreuz. Deren Mitglieder haben die Pläne für das Freudenberg-Areal frühzeitig diskutiert. Mit dem Investor, dem Architekten, dem Bezirksbürgermeister. Und mit anderen Anwohnern. "So gesehen, ist das hier schon ein Fortschritt."

Neue Form der Bürgerbeteiligung

Ein Fortschritt, den Bürgermeister Franz Schulz am Mittwoch bei einer Pressekonferenz als Durchbruch für eine neue Form der Bürgerbeteiligung feiern will. Bis zu 550 Wohnungen könnten an der Boxhagener Straße entstehen, ein Stadtplatz zwischen Häuserzeilen mit Vorgärten, die von einer verkehrsberuhigten Straße durchzogen sind. Bauland für eine Kita überlässt der Investor dem Bezirk kostenlos. Und hier sollen nicht nur zahlungskräftige Berliner kaufen oder mieten. Ein Teil des Wohnraums soll für Haushalte mit geringem Einkommen reserviert sein. Sozialwohnungen ohne Förderungen gleichsam. Das gab es in Berlin noch nicht. "Dafür musste ich den Investor ein Jahr lang bearbeiten", sagt Schulz.

Der Investor ist die Berliner Bauwert. Die Firma besteht seit Jahrzehnten, errichtet seit der Wende Gewerbeimmobilien und nun Wohnungen, weil der Markt es eben so will. "Wir bauen immer in funktionierenden Kiezen", sagt Bauwert-Chef Jürgen Leibfried, der in der Gierckestraße in Charlottenburg oder in der Vorbergstraße in Schöneberg baut. Auch die luxuriösen Kronprinzengärten in Mitte sind ein Bauwert-Projekt. Die Helenenhöfe mit ihren schönen Innenhöfen nennt Leibfried als Vorbild für das Friedrichshainer Projekt. Auch er lobt das "kooperative Vorgehen" im Bezirk – auch wenn er sagt: "Das, was Schulz hier rausgeholt hat, ist nicht normal."

Adresse

Boxhagener Straße 79-82
10245 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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