• Montag, 15. Februar 2016

Alternative zum Flughafen Tempelhof

Öko-Racer in Berlin: Wird die Karl-Marx-Allee zur Rennstrecke?

  • Karl-Marx-Allee wird zur Rennstrecke
    Die Karl-Marx-Allee: Frühlingshafte Idylle und  im Mai auch noch Rennstrecke? Foto: dpa - ©picture alliance / dpa

Friedrichshain West - "Mein Maserati fährt 210 schwupp die Polizei hat's nicht geseh'n". Von Wegen. Im Mai wird die Karl-Marx-Allee vorraussichtlich ganz offiziell zur Rennstrecke der Formel E.

Nach dem Einzug von Flüchtlingen in den Flughafen Tempelhof sind rund 30 Veranstaltungen in den Hangars und auf dem Vorfeld abgesagt worden; zugleich begann eine intensive Suche nach Ersatzstandorten, um die Veranstalter in Berlin zu halten. Für die wichtigsten Events gibt es jetzt eine Lösung.

Vielleicht finden sich ja noch irgendwo die alten Tribünen. Die Karl-Marx-Allee war schließlich Paradestrecke am Republikgeburtstag, mit Erich Honecker und dem versammelten Politbüro. Jetzt könnte die Allee an ihre großen Zeiten anknüpfen. Der Senat möchte das Grandprix-Rennen der Elektroautos auf die breite Magistrale am Alexanderplatz verlegen. Auch der Strausberger Platz sowie Bereiche der Lichtenberger Straße sollen in den Rundkurs integriert werden.

Der ADAC Berlin-Brandenburg ist in die Planung involviert. Motorsportchef Horst Seidel hält das Konzept für eine gute Alternative zu Tempelhof und erhofft sich mehr Akzeptanz für den Rennsport. "Berlin ist ja nicht die motorsportfreundlichste Stadt." Dass sich die Allee zur zweiten Avus mausern könnte, ist eher nicht anzunehmen. Eine Rennstrecke mitten in der Stadt sei nur mit geräuscharmen und abgasfreien E-Autos denkbar, die je nach Streckenführung 170 bis 200 kmh erreichen. Für Auf- und Abbau der Rennstrecke samt Tribünen für 14.000 Zuschauer und Schutzvorrichtungen müsste die Karl-Marx-Allee für mehrere Tage komplett gesperrt werden – ein Novum für die Verkehrsplaner. Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) ist eher skeptisch. Autorennen in der Innenstadt könnten dazu ermuntern, auch mit dem privaten Auto Rennen zu veranstalten. Spallek hält das Tempelhofer Feld für besser geeignet.

 

Avus und Straße des 17. Juni kamen nicht in Betracht

Die Idee hört sich abenteuerlich an, aber offenbar sind die Behörden – unter dem Druck der hohen Flüchtlingszahlen – derzeit zu gewagten Entscheidungen bereit. Das E-Mobility-Rennen war 2015 erstmals auf dem Vorfeld in Tempelhof ausgetragen worden, in diesem Jahr sollte die zweite Ausgabe erfolgen. Die Organisatoren von der Federation Internationale de l’Automobile FIA hielten an Berlin als Veranstaltungsort fest.

Die naheliegenden Optionen für das am 21. Mai geplante Rennen – Avus und 17. Juni – wurden geprüft, doch die Avus ist wegen des parallel stattfindenden DFB-Pokalendspiels unverzichtbar, der 17. Juni ist schon mit dem Avon-Frauenlauf belegt. Schließlich kam die Karl-Marx-Allee in den Fokus. "Die Entscheidung trifft letztlich der Veranstalter", sagte Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Verkehr. Die FIA bestätigte am Montag die Planung. Jetzt muss sie ein genaues Konzept mit Sicherheitsvorkehrungen einreichen, anschließend wird geprüft. Dass eine Genehmigung erteilt wird, ist wahrscheinlich.

Tribünen für 14.000 Zuschauer

Auch für das große Musik-Festival Lollapalooza am 10. und 11. September gibt es einen überraschenden Ausweichstandort. Das zweitägige Festival mit rund 50 000 Besuchern soll in den Treptower Park umziehen. Dorthin, wo noch im Sommer die Raver vom "Zug der Liebe" keinen Einlass erhielten. Die Leiterin des Grünflächenamts Treptow-Köpenick erklärte damals, der Park sei nicht für solche Menschenmassen ausgelegt.

Ihr wollt schon jetzt umweltfreundliche Flitzer sehen? Dann gibt es hier die Highlights des Formel E-Rennens aus Argentinien.

Adresse

Strausberger Platz
10243 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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