FU-Studie über Vorurteile in Berlin

Du kommst aus Marzahn? Dir glaub ich nicht

Du kommst aus Marzahn? Dir glaub ich nicht
Hollywood-Flair mitten in Marzahn: Das könnte es bald schon in den Ahrensfelder Bergen geben und sich dann möglicherweise zu einer kleinen Touristenattraktion entwickeln.
Wer aus Kreuzberg kommt, ist vertrauenswürdig - bei Marzahnern dagegen sollte man vorsichtig sein. Diese Klischees wurden jetzt wissenschaftlich nachgewiesen.

„Ach, Sie kommen aus Marzahn? Und da soll ich Ihnen glauben?“ Eine fiktive Äußerung, aber durchaus nicht völlig unrealistisch, vielmehr im Kern wahr wie die folgenden, ebenfalls fiktiven Worte: „Warum haben Sie nicht gleich gesagt, dass Sie Kreuzberger sind? Dann glaube ich Ihnen selbstverständlich.“ Der wahre Kern liegt nun nicht darin, dass Kreuzberger grundsätzlich vertrauenswürdiger seien als Marzahner, der Anteil an Schlitzohren und Ehrenmännern dürfte in etwa gleich sein. Ihr Image aber weicht erheblich voneinander ab: Das Vorurteil ist mal wieder mächtiger als die Realität.

Das ist verknappt und unwissenschaftlich formuliert das Ergebnis einer Studie über Stadtteil-Stereotype, die Christian von Scheve, Soziologieprofessor an der Freie Universität, mit den Wissenschaftlern Lidia A. Gorbunova und Jens Ambrasat erstellt hat. Stereotype über Stadtteile beeinflussen demnach systematisch das Verhalten gegenüber deren Bewohnern.

Marzahn – Stereotyp des Plattenbau-Ghettos

Untersucht wurden Charlottenburg, Kreuzberg, Wedding, Prenzlauer Berg und Marzahn – Kieze aus West und Ost also, deren Bewohnern in Filmen, Dokumentationen, Reiseführern oder auch im Kabarett häufig bestimmte Eigenschaften zugeschrieben wurden, „sodass von einer großen Verbreitung von stereotypen Bildern ausgegangen werden kann“, teilte die FU mit. Die Wissenschaftler ließen Testpersonen an einem Vertrauensspiel teilnehmen, bei dem über die Mitspieler lediglich deren Wohnbezirk bekannt war.

Stereotype spiegelten nicht unbedingt die Lebensverhältnisse wider, seien aber dennoch ein wichtiger Bezugspunkt des Verhaltens, bilanziert Christian von Scheve. So wurde Marzahnern entsprechend des negativen Stereotyps eines „Plattenbau-Ghettos“ vergleichsweise wenig Vertrauen entgegengebracht, Kreuzberger hingegen wurden als vertrauenswürdig eingeschätzt.


Quelle: Der Tagesspiegel

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