Väterzentrum in Prenzlauer Berg

Für das Kind im Manne

Ein Ort zum Wohlfühlen! Das Väterzentrum Berlin unterstützt den Trend zur engagierten Vaterschaft.
Ein Ort zum Wohlfühlen! Das Väterzentrum Berlin unterstützt den Trend zur engagierten Vaterschaft. Zur Foto-Galerie
Im Väterzentrum in Prenzlauer Berg können frischgebackene Papas ihresgleichen kennenlernen. Während die Kleinen auf dem Spielplatz toben, plaudern die Herren im Papa-Café oder leben ihren Spieltrieb an der Carrera-Bahn oder beim Tischfußball aus.

Es musste zuerst hier geschehen, wo es nur so wimmelt von Frauen, die entweder Kinderwagen oder dicke Bäuche vor sich herschieben und ihre Sprösslinge vor Schaukeln und Rutschen Schlange stehen. Hier in Prenzlauer Berg hat sich der „Papaladen“ etabliert. Genau genommen heißt der „Väterzentrum“, aber das klingt den Betreibern zu sehr nach Problembär und Treberhilfe. Sie betreuen zwar das ganze Spektrum, von Kind im Bauch bis Kind im Brunnen, aber Letzteres eher am Rande und im Hintergrund.

Vordergründig richtet sich der Laden an den engagierten Vater, der sich aktiv zu seinem Nachwuchs bekennt, statt nur stundenweise im häuslichen Mutter-Kind-Biotop zu gastieren. Im Idealfall handelt es sich um den Elternzeitling, der mit seinem Baby zum donnerstäglichen Brunch kommt. Vor der Erfindung des Elterngeldes 2007 nahmen gut 3 Prozent der Väter eine bezahlte Auszeit, mittlerweile ist es annährend jeder dritte Vater. Ärzte, Lehrer, Anwälte. „Sehr gehobene Mittelschicht“, wie Marc Schulte sagt. Als gelernter Sozialarbeiter weiß er, dass man die Leute „mit niedrigschwelligen Angeboten“ locken muss.

Auf dem Programm standen schon Auto-Renntage wir der „Große Preis vom Prenzlauer Berg“ oder die Besichtigung des Flughafens Schönefeld. Niedrigschwellige Angebote richten sich demzufolge vor allem an das Kind im Manne. Gibt’s auch was für Mädchen? Schulte sagt, seine Tochter achte darauf, dass der Laden nicht zu jungslastig würde. Wobei die Tochter dabei nicht allzu streng zu sein scheint, da sie bereits eine Dartscheibe genehmigt hat. Am Indianerwochenende in der Märkischen Schweiz nahmen wiederum mehr Töchter teil.

Babybrunch, Coaching, Sorgentelefon

Aber wer in den Papaladen kommt, passt ohnehin kaum ins alte Rollenschema. Beim Babybrunch am Donnerstag wird eher über Kinderwagen als über Autos gefachsimpelt. Und die neuen Prenzlauer- Berg-Väter kümmern sich nicht um ihre Kinder, um ihre Partnerin für ein paar Stunden zu entlasten, sondern weil es ihre Kinder sind. Noch erreichten 90 Prozent der Familienbildung die Mütter, „aber da ist ganz viel in Bewegung“, sagt Schulte.

Je populärer die seit 2007 mögliche Aufteilung der Elterngeldzeit wird, desto mehr Vollblutväter gedeihen. Eine noch ungewohnte Konsequenz ist die Frage, wie sich Job und Vaterschaft vereinbaren lassen – weil die Karriere für Männer nicht mehr automatisch vorgeht. Der Papaladen veranstaltet sowohl Coachings nach dem Motto „Wie sage ich’s meinem Chef?“ sowie Schulungen für Personalverantwortliche und Familienhelfer.

Jenseits von Bionadekränzchen und Rennwochenende gibt es die Abteilung „Kind im Brunnen“: Beratung für Problemfälle in der Familie. Die erfolgt telefonisch – auch, weil die Interessenten in diesem Bereich nur zum Teil aus dem Kiez kommt. Dann melden sich Väter, die ihren Unterhalt nicht zahlen wollen oder können und solche, die ihre Kinder nicht sehen dürfen. Und Schulte merkt, dass die Papa-Revolution gerade erst angefangen hat.

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

Väterzentrum Berlin, Marienburger Str. 28, 10405 Berlin

Der Papaladen im Väterzentrum bietet Eventveranstaltungen, Ausflüge, Reisen und andere Aktivitäten für Väter und ihren Nachwuchs an.

Der Papaladen im Väterzentrum bietet Eventveranstaltungen, Ausflüge, Reisen und andere Aktivitäten für Väter und ihren Nachwuchs an.

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