Champions ohne Grenzen

Raus aus dem Abseits

Raus aus dem Abseits
Die Champions ohne Grenzen beim Trainig in der Wrangelritze. Die Flüchtlings-Mannschaft gibt es seit 2012. Zur Foto-Galerie
Schlesisches Tor – Beim lockeren Trainings-Kick spielt das Abseits keine Rolle, in ihrem Alltag finden sich die Spieler oft in selbigem wieder: abseits der Heimat, abseits der Gesellschaft und häufig auch abseits der Hoffnung. Der Verein "Champions ohne Grenzen" will das ändern. Jeden Mittwoch trifft sich die Flüchtlingsmannschaft auf dem Sportplatz Wrangelritze zum Fußballspielen. Wir waren als Zaungäste dabei.

Es ist spät am Nachmittag. Als wir eintrudeln ist das Training schon im vollen Gange. Die 13 Spieler, die heute gekommen sind, nutzen die ganze Breite des Platzes. Schnelle Konter werden gefahren, das Geschehen findet hauptsächlich in den Strafräumen statt. Wo denn die Trainer seien, wollen wir von einem Zuschauer wissen. Er lächelt schüchtern, hat Schwierigkeiten, uns zu verstehen. Auf Englisch klappt es besser, er ruft seinen Kumpel vom Feld. Ali kommt angesprintet, er streckt uns seine Hand hin und erklärt auf Deutsch, dass die Trainer diese Woche im Urlaub seien. Das Team hat sich trotzdem getroffen. Jetzt muss er aber erstmal wieder rauf auf den Platz, gerade läuft ein Angriff über seine Seite.

Seit über zwei Jahren trainiert die Mannschaft einmal wöchentlich auf den Sportanlagen von FSV Hansa 07. Gemeinsam mit der Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen (KuB) wurde die Initiative ins Leben gerufen – mittlerweile ist aus dem Projekt ein eingetragener Verein geworden.Trainerin Caro, die wir später am Telefon erreichen, erzählt, dass es gegenwärtig mehrere Fußballprojekte, zum Beispiel auch eine Damenmannschaft, gibt. Der Verein sei vor allem ein „Vernetzungs-Pool“. Für die Flüchtlinge untereinander, aber auch, um weitere Kontakte zu knüpfen. Rund 30 bis 40 Spieler kommen regelmäßig zum Trainig, einige sind mittlerweile in der 3. Herrenmannschaft von Hansa gelandet. Man arbeitet eng zusammen.

Für 90 Minuten vergessen

Für die Spieler, das bestätigen sie nach dem Training, ist der Fußball vor allem Abwechslung zum tristen Alltag: Komplizierte Asylverfahren und unzureichende Lebensumstände in den Flüchtlingsheimen treten in den Hintergrund – wenigstens für 90 Minuten. Nach dem Training sitzt man noch zusammen, Herve, Piush und Oumar erzählen mehr über sich.

Herve aus Kamerun. (c) S. Prautsch
Herve, das sagt er uns in sehr gutem Deutsch, kommt aus Kamerun. Bevor er mit der Regierung in Konflikt geriet und fliehen musste, studierte er Rechtswissenschaften. Beim Reden korrigiert er sich ständig selbst, in einer Woche steht die B2-Prüfung der Sprachschule an. So wie Herve ist auch Oumar alleine nach Deutschland gekommen. Auch mit ihm sprechen wir Deutsch, der 21-Jährige aus Guinea besucht einen Sprachkurs in der Mildred-Harnack-Schule. Sein Traum, das verrät er uns, ist es, Fußballprofi zu werden. Mittlerweils sind wir vom Platz neben das Tor gegangen, zwei, drei Spieler feilen noch an ihrer Schusstechnik und pöhlen aufs Tor. Puish ist mit 16 Jahren einer der jüngsten im Team. Der Inder wurde von einem Schlepper nach Deutschland gebracht, Berlin war die Endstation der Flucht. Von den „Care-Takern“, so nennt er die Ehrenamtlichen vom KuB, hat er von den Champions ohne Grenzen erfahren.

Am vergangenen Wochenende waren einige Spieler auf Rügen, bei einem Freundschafts-Cup. Um das zu realisieren, braucht es Vereinsgelder und Urlaubsscheine von der Ausländerbehörde: Die Residenzpflicht ist nur eines von vielen Hindernissen, mit denen sich die Flüchtlinge auseinandersetzen müssen.

Auch deshalb gibt es den Verein: Um ins Gespräch zu kommen, um von Problemen, Hürden und Hindernissen eines Flüchtlingsalltags zu erfahren. So offen und niedrigschwellig der Verein, so offen und zugänglich sind auch seine Mitglieder. Neben Flanken werden hier eben auch Brücken geschlagen.

Weitere Infos findet ihr auf www.championsohnegrenzen.de.

Foto Galerie

FSV Hansa 07 Berlin e.V., Wrangelstraße 98, 10997 Berlin
XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Sport

Freizeit + Wellness | Sport

Top 10: Eisbahnen in Berlin

Ob leidenschaftlicher Pirouettendreher oder Gelegenheitseisläufer: Es wird Zeit, die Schlittschuhe aus dem Keller zu holen. […]
Sport

Kriegt Union das Stadion groß?

Während bei Hertha BSC trotz vielversprechendem Start in die Saison gerade Ärger in der Luft […]