Hertha-Abwehr

Die Mutter des Erfolgs

Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh bejubeln Hertha-Sieg in Braunschweig.
Marcel Ndjeng und Johannes van den Bergh bejubeln Hertha-Sieg in Braunschweig.
Heute möchte ich mich einmal mit der Defensive, der Mutter des derzeitigen Erfolgs auseinandersetzen. Wie alle wissen muss man, um Spiele zu gewinnen, Tore schießen. Nicht umsonst stand in den letzten Tagen und Wochen vor allem die Durchschlagskraft vor dem gegnerischen Kasten im Mittelpunkt diverser Diskussionen. Dabei wird jedoch ein entscheidender Faktor häufig außer Acht gelassen. Eigene Tore führen nur dann zum Erfolg, wenn die Abwehr stabil steht. Und hier zeichnet sich die Hertha in dieser Saison ein ums andere Mal aus.

Gerade für einen Aufsteiger ist es immer eine ganz besondere Aufgabe, sich nach der zweiten Liga auf die robusteren, schnelleren und vor allem spielstärkeren Offensivreihen der gestandenen Erstliga-Teams einzustellen. Hier ist der Hertha bisher etwas gelungen, was für Aufsehen sorgt. Nach 15 Spieltagen hat man erst 17 Gegentore hinnehmen müssen und stellt somit, zusammen mit Gladbach, die fünftstärkste Defensivreihe der ganzen Liga – man kann es nicht häufig genug betonen, das Ganze als Aufsteiger.

Die Erfolgsgaranten

Die wichtigsten Faktoren in dem zerbrechlichen Konstrukt einer stabilen Abwehr bilden hier mit Sicherheit Fabian Lustenberger und Thomas Kraft. Dabei ist vor allem der Kapitän vor der Saison noch im defensiven Mittelfeld eingeplant gewesen und nur Verletzungen sorgten dafür, dass er am Ende doch wieder in der Innenverteidigung ran musste und das richtig gut macht. Er ist nicht der größte Spieler und verfügt auch nicht über das beste Kopfballspiel – eigentlich zwei Eigenschaften, die bei Innenverteidigern sehr geschätzt werden – doch durch sein gutes Auge und sein hervorragendes Stellungsspiel macht er einen Großteil dieser Mankos wieder wett. Dazu verfügt er über ein grandioses Spielverständnis und einen Sinn für die Situation, der ihn von vielen Verteidigern abhebt.

Thomas Kraft hingegen war und ist, trotz durchaus berechtigter Kritik an seiner Strafraumbeherrschung, einer der Schlüsselfaktoren im Abwehrverhalten bei der Hertha. Er schafft es, seine Vordermänner durch klare Ansagen zu leiten und zu lenken. Wie Lustenberger hat er ein starkes Gespür für die Situation vor seinem Strafraum und organisiert so die Abwehr wie ein Puppenspieler seine Marionetten. Dazu verfügt er als einer der Leader auf dem Platz über die entsprechende Autorität, seinen Vordermännern bei Fehlern auch einmal gewaltig die Leviten lesen zu können.

Viele Puzzleteile vorvollständigen das Gesamtbild

Doch mit nur zwei Spielern lassen sich die guten Leistungen nicht erklären. Es ist jeder einzelne bisher eingesetzte Defensivspieler, der zum gemeinsamen Erfolg beiträgt. Ein Sebastian Langkamp kommt aus Augsburg und hatte quasi eine Saison nur auf der Bank oder der Tribüne gesessen, reiht sich jedoch ins Team ein, als würde er schon seit Jahren bei uns im Kader stehen. Johannes van den Bergh kommt aus Düsseldorf vom Absteiger in die Hauptstadt und hat aus dem Stand mit die besten Zweikampfwerte aller Linksverteidiger der Liga. John Anthony Brooks hat den Sprung vom talentierten Jugendspieler über einen soliden Zweitligaspieler zum sicheren Erstligaverteidiger geschafft. Heute kann man den jungen Deutsch-Amerikaner in jedem Spiel ohne Bauchschmerzen von der Bank, aber auch von Beginn an ins Team nehmen und er bringt seine Leistung. Ergänzt wird die Stammabwehr dann noch von einem Peter Pekarik, der selten durch grandiose Einzelleistungen aufzufallen weiß, jedoch auch in Sachen Fehlerquote einen Wert gegen Null hat. Sicher, solide, zuverlässig.

Dazu kommen noch die Ergänzungsspieler wie Ndjeng oder Schulz, die beide bereits auf den Außenbahnen aushalfen oder ein Christoph Janker, der wenn er gebraucht wird, auch da ist und einfach das tut, was man von ihm erwartet, seinen Job. Nur Iron Maik Franz und der junge Fabian Holland scheinen von den Abwehrspielern in den Reihen von Hertha BSC zurzeit keine reelle Chance auf Einsatzzeiten zu haben. Dafür half der kleine Japaner Hajime Hosogai, seines Zeichens eher für die Organisation im defensiven Mittelfeld zuständig, im Spiel gegen Augsburg – nach der Verletzung von Sebastian Langkamp – in der Innenverteidigung aus und sorgte gemeinsam mit Fabian Lustenberger dafür, dass der Gegner in diesem Spiel nicht einmal gefährlich auf den eigenen Kasten schießen konnte. Sie bildeten sicherlich eines der kleinsten Innenverteidigerpaare in der Geschichte der Bundesliga.

Nicht nur Menschen, auch Fakten überzeugen.

Es sind nicht nur die subjektiven Eindrücke, die man von den einzelnen Spielern hat, auch die nackten Zahlen belegen die Eindrücke, die man Woche für Woche bekommt. Vier Spiele ohne Gegentor, sechs weitere mit nur einem. Diese Zahlen machen das ein oder andere etablierte Team hoch neidisch. Die fünf bisher regelmäßig eingesetzten Verteidiger Lustenberger, Langkamp, Brooks, v.d.Bergh und Pekarik bringen es zusammen bisher auf ganze neun gelbe Karten und keinen Platzverweis. Das ist ein Beweis für das gute Stellungsspiel und durch diese Fairness brachte man sich in dieser Saison noch nicht einmal in die unglückliche Lage, in Unterzahl spielen zu müssen.

Weitere Zahlen belegen den Trend: Hertha führt die viertmeisten Zweikämpfe in der gesamten Liga und begeht die drittmeisten Fouls. Die trotzdem geringe Anzahl der gelben Karten belegt die aggressive, jedoch nicht überharte Grundeinstellung. Keinem Gegner wird es leicht gemacht, in unseren Strafraum zu kommen. Alle fünf Säulen der Verteidigung haben Werte von über 55% gewonnener Zweikämpfe, Lustenberger und Langkamp kratzen sogar knapp an der 65%-Marke, alles überdurchschnittliche Werte.

Was hinten endet, beginnt vorn

Doch es ist nicht nur die Verteidigung, die für die bisher so wenigen Gegentoren verantwortlich ist. Das gesamte Team, angefangen bei Adrian Ramos im Sturm über die Offensivreihe bis zu den 6ern, arbeitet in diesem Jahr ganz stark gegen Ball und Gegner und sorgt somit dafür, dass an den vergangenen 15 Spieltagen generell erst 63 Bälle direkt auf den Kasten von Thomas Kraft geflogen sind, ein absoluter Topwert in der Liga.

Natürlich ist auch in der Abwehr noch nicht alles Gold was glänzt, immer wieder zeigen sich kleinere Unsicherheiten oder man agiert unkonzentriert. Bisher konnten die Gegner zum Glück wenig Kapital daraus schlagen und es gibt immer einen Grund, weiter an sich zu arbeiten. Die Grundtendenz ist jedoch grandios, denn gerade eine stabile Verteidigung wird uns am Ende das verschaffen, worauf es uns allen in erster Linie ankommt, einen rechtzeitigen und sicheren Klassenerhalt. Denn wenn man hinten nicht viel kassiert, muss man vorn nicht viel treffen um zu gewinnen, eine Win-Win-Situation.

In diesem Sinne, macht die Schotten dicht!
René ‚Mueggi‘ Jünemann
2. Vorsitzender Berliner Jungs OFC


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Die Mutter des Erfolgs, Olympischer Platz 3, 14053 Berlin

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