Wenn alle gleichzeitig sprechen, endet das normalerweise im Chaos. Die KW lassen es trotzdem darauf ankommen und bieten ab dem 20. Januar 2017 mehreren Künstlern gleichzeitig den (Diskussions)Raum, mit uns und gegenseitig in den Dialog zu treten. Klingt abgehoben, ist aber der mit Spannung erwartete Auftakt einer neuen KW-Epoche: Hier wird nicht nur das 25-jährige Jubiläum des Institute of Contemporary Art in der Auguststraße gefeiert, sondern ab sofort der neue Direktor Krist Gruijthuijsen an seinen Taten gemessen. Der Niederländer wird nämlich schon seit letztem Sommer als der lang ersehnte Reformator bejubelt, der die Kunst-Werke Berlin (wieder) zu einem der interessantesten Kunstorte der Welt machen soll. Jetzt wollen wir sehen, wie er das schafft…
Als Klaus Biesenbach Anfang der 1990er die ehemalige Margarine-Fabrik gemeinsam mit ein paar Kommilitonen zu der angesagten Ausstellungslocation in Berlin machte, staunte die internationale Kunstszene nicht schlecht. Biesenbach war schließlich viel zu jung und unerfahren, um auf dem hochintellektuellen Parkett mitzutanzen. Doch der ehemalige Medizinstudent belehrte alle eines Besseren, wurde eine Art Superkurator und die KW zu einer Institution. Biesenbach ist uns Berlinern leider längst abhandengekommen, der Ruf aus New York war zu verlockend: Dort ist er seit 2004 Chefkurator des legendären MoMA und Direktor des MoMA PS1.
Jetzt geht es um Diskussionskunst
Zurück in unsere Hauptstadt: Krist Gruijthuijsen hat nicht nur Biesenbachs Segen, er ist dem Gründer sehr ähnlich. Mit Mitte 30 ist der Niederländer jung genug, um nach seinen eigenen Regeln zu spielen, und erfahren genug, um den Betrieb nicht gegen die Wand zu fahren. In den Mittelpunkt der Wiedereröffnung stellt er den „Diskussionskünstler“ Ian Wilson, dessen Werke man nur vor Ort bestaunen kann. Sie existieren lediglich für die Dauer eines Dialogs und sind Ergebnisse aus Wilsons Forschungen zum ästhetischen Potenzial der Sprache. Man kann sie mit Worten kaum beschreiben und (fotografische) Dokumentationen verbietet Wilson. Was er uns zu sagen hat, wird in den nächsten Monaten auch von anderen Künstlern reflektiert und interpretiert, den Auftakt hierzu macht die Ausstellung von Hanne Lippard, während Guy de Cointet, die Trisha Brown Dance Company und Miet Warlop dazu ungewöhnliche Performances bieten.
Am Eröffnungswochenende vom 20. bis zum 22. Januar 2017 könnt ihr euch die Ausstellungen kostenfrei ansehen, die Performances kosten allerdings 10 Euro Eintritt. Wer für Kunst keinen Cent übrig hat, aber dennoch nichts verpassen will, kann von nun an donnerstags zwischen 18 und 21 Uhr den Eintritt sparen wie an jedem ersten Sonntag im Monat auch. Die legendäre Pogo Bar in den Kellerräumen des Instituts, einst Party-Treffpunkt für Berlins Underground, wird schon am 19. Januar 2017 von der klangvollen und stimmkräftigen Nora Turato zu neuem Leben erweckt. Wir sind sicher, von den KW wird man in Zukunft noch öfter hören.