Charlottenburg
Gartenarbeitsschule in Charlottenburg

Grüner Lernort

Grüner Lernort
In der Charlottenburger Gartenarbeitsschule Ilse Demme lernen kleine Großstädter von der Kita bis zur Oberstufe, wie man Brot bäckt, Beete bepflanzt und dass Schnecken auf der Hand kitzeln - kurzum, wie man ein Gespür für die Natur bekommt.

Die Schnecke auf der Hand fühlt sich kühl an, ein bisschen glitschig, und wenn sie die Mehlpampe futtert, die den Besuchern der Gartenarbeitsschule auf die Hand geträufelt wurde, kitzelt es ganz leicht. Unter den Erst-, Zweit- und Drittklässlern der Joan-Miro-Grundschule Charlottenburg ruft die Begegnung mit den kleinen Tierchen gemischte Reaktionen hervor. Nicht alle trauen sich, eine Schnecke auf die Hand zu nehmen. Tamta ist die Mutigste, sie will ihre Schnecke gar nicht mehr hergeben. Jacob will seine am liebsten mit nach Hause nehmen, so putzig findet er sie.

Die Joan-Miro-Schüler sind zu Besuch in der Charlottenburger Gartenarbeitsschule Ilse Demme, auf dem Programm steht das Schneckenprojekt. Claudia Meil-Lachmann lacht, als sie die Kinder mit den schleimigen Tierchen beobachtet. Die Grundschullehrerin ist pädagogische Leiterin der Gartenarbeitsschule. Mit ihrer Kollegin Ulrike Wosing will Claudia Meil-Lachmann Stadtkindern ein Gespür für die Natur vermitteln.

Auch Kinder, die ohne eigenen Garten in der Großstadt aufwachsen, sollen das Gefühl kennenlernen, eine Schnecke auf der Hand zu halten, ein Beet umzugraben und Obst zu ernten: Das ist das Ziel der Berliner Gartenarbeitsschulen, die in den 1920er-Jahren entstanden sind. Die Idee dahinter: Schule soll nicht nur den Kopf unterrichten, sondern auch das handwerkliche Geschick schulen und den Bezug zur Natur stärken.

Keine Angst vor Bienen

Zwölf Gartenarbeitsschulen gibt es in Berlin, in jedem Bezirk eine. Die größte ist die August-Heyn-Gartenarbeitsschule Neukölln, gegründet 1920. Die Charlottenburger Schule Ilse Demme ist die zweitgrößte und zweitälteste. Das Angebot reicht vom Brotbacken über die Käferbestimmung bis hin zu Experimenten zu regenerativen Energien. Etwa 60 Schulklassen und Kita-Gruppen haben sich auf dem Gelände ein eigenes Beet angelegt – was sie anpflanzen, bestimmen die Kinder gemeinsam mit ihren Lehrern.

Die meisten Kinder, die in die Gartenarbeitsschule Ilse Demme kommen, „sind reine Großstadtkinder“, sagt Ulrike Wosing. „Sie wollen wir vor allem zur Nachhaltigkeit erziehen.“ Das übernimmt etwa Hans-Diethelm Woköck, promovierter Physiker im Ruhestand und Imker. Von ihm lernen die Kinder, wie wichtig Bienen für die Ernährung des Menschen sind: Bienen besorgen 90 Prozent aller Befruchtungen an Obstbäumen und -sträuchern. Ohne Bienen keine Kirschen, keine Pflaumen und keine Äpfel.

Am Bienenstock steht Hans-Diethelm Woköck, eine Gruppe Kinder von der Ludwig-Cauer-Grundschule drängt sich um ihn. Woköck trägt weder Schutzanzug noch Schutzbrille, ganz ruhig greift er in den Bienenstock und nimmt Waben heraus. Die Schüler wirken angstfrei, manche nehmen sogar eine Biene auf die Hand. Woköck zeigt die einzelnen kleinen Waben und erklärt, warum diese verschlossen sind: „Aus jeder Zelle kommt bald eine Babybiene raus“, sagt er und setzt die Wabe zurück in den Stock. „Deshalb wollen wir gar nicht weiter stören.“

Unkraut gibt es nicht!

Hans Woköck ist einer der etwa 35 Ehrenamtlichen, die die Gartenarbeitsschule unterstützen. Ohne sie könnten die Gartenarbeitsschulen überleben. Pro Jahr kommen etwa 25.000 Kinder in die Gartenarbeitsschule Ilse Demme – mehr könne das Personal bislang nicht leisten, sagt Ulrike Wosing. Sie und Claudia Meil-Lachmann sind jeweils nur 15 Stunden pro Woche an den grünen Lernort abgeordnet, den Rest der Zeit unterrichten sie an ihren Grundschulen. Bei der pädagogischen Arbeit werden sie von zwei Mitarbeitern unterstützt, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren. Um die Pflege des 30.000 Quadratmeter großen Geländes kümmern sich zwei Gärtner und zwei Helfer. Einen Großteil der Projekte organisieren Ehrenamtliche, viele von ihnen helfen beim Gießen und Wildkrautzupfen.

Dass sich Wildkräuter nicht zu weit verbreiten, darüber wacht Gerald Piekarski. Seit zehn Jahren ist der Spandauer Chefgärtner in der Gartenarbeitsschule Ilse Demme. Wer unter seiner Regie sät und buddelt, lernt als erstes: Unkräuter gibt es nicht, es gibt nur Wildkräuter. Bei der Pflege der Beete, die Schulen und Kitas in Obhut genommen haben, hält sich Piekarski zurück. Doch mit Rat hilft er den Nachwuchsgärtnern gerne.

Gartenarbeitsschule Ilse Demme, Dillenburger Straße 57, 14199 Berlin

Telefon 030-51654755
Fax 030-51654857

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Montag bis Donnerstag von 7 Uhr bis 16 Uhr | Freitag von 7 Uhr bis 14 Uhr

Gartenarbeitsschule Ilse Demme

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