Mitte
Restaurant "3 Minutes sur Mer" in Mitte

Entensalat mit Krokant aus Walnüssen

Entensalat mit Krokant aus Walnüssen
Der Blick durch die Fenster des Restaurants "3 Minutes sur Mer".
Gastrokritikerin Elisabeth Binder hat das "3 Minutes sur Mer" in der Torstraße getestet. Die französische Küche lobt sie, nur das Barpersonal hätte sie sich schneller gewünscht.

Drei Minuten entfernt vom Meer, so könnte der Name dieser Gaststätte übersetzt werden: „3 Minutes sur Mer“. Eventuell eine leicht übertriebene Ortsangabe, doch auch das benachbarte „Bandol sur mer“ befindet sich demzufolge direkt am (Pflaster-)Strand. Von Eingangstür zu Eingangstür benötigt man maximal 30 Sekunden.

Wir traten in einen rechtwinkligen Raum mit großformatigen Schaufenstern, äußerst einfach eingerichtet mit Papiertischdecken auf eng beieinander stehenden Tischchen. Auf unserer Tischdecke war die Zeit, für die wir reserviert hatten, mit Kugelschreiber notiert, mit der nüchternen Ergänzung „2 Pax“. Bin ich tatsächlich ein „Pax“? Eigentlich betrachte ich mich in Gaststätten lieber als Gast, auch wenn ich genaugenommen lediglich für eine Dienstleistung zahle, doch ein wenig Herzlichkeit und persönliche Wertschätzung kann diese Leistung schon beinhalten.

Gemischtes Publikum

Zum Glück gibt es beinahe alle Mahlzeiten in kleinen und großen Portionen, was unsere Tischnachbarn dazu veranlasste, sofort vier unterschiedliche Gerichte zugleich auftragen zu lassen, und das, obwohl sie auch nur zwei Paxe waren. Die Speisekarte spricht Englisch und Deutsch. Hier sitzt jedoch nicht nur das gewohnte junge, hippe Mitte-Publikum an den Tischen, sondern es sind in der Tat sämtliche Altersklassen vertreten.

Der Salade de Canard hatte dem ersten Eindruck nach eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Caesar’s Salad, weil die Blätter in weißem Dressing gewälzt waren, überzeugte dann jedoch durch raffinierte Kleinigkeiten wie Mangowürfel, dünn gehobelte Käsescheiben, Walnusskrokant und marinierte, bissfeste Karotten – ein Auftakt mit Inspiration und selbst in der kleinen Ausführung bestimmt nicht zu knapp bemessen. Das Beste war in der Tat die zarte Ente, die tiefdunkel geräuchert schmeckte (10,50 Euro).

Apfelknödel in Marzipankartoffeloptik

Eine aufregende Variation des Klassikers „Surf & Turf“ lernten wir bei der zweiten Vorspeise kennen. Da schwamm ein kleiner Kuchen Kalbstatar pikant angemacht in einem Pfützchen Hummerbisque, die wegen ihrer beige-braunen Färbung durchaus auch als Bratensauce glaubwürdig gewesen wäre und geschmacklich erstaunlich gut zum Tatar passte. Gekrönt war das Ganze von einer kleinen sattgelben Zitroneneiskugel und strahlend roten, sehr fachmännisch eingelegten Tomaten, die eine Delikatesse des Hauses zu sein scheinen, denn sie kamen bereits im Entensalat vor (klein 11 Euro).

Der gebratene Seeteufel wäre womöglich gern noch ein wenig länger in der Pfanne geblieben, lagerte aber äußerst malerisch auf einer Julienne aus Roter Bete, umrahmt von Zuckerschoten. Zum Auftunken der Soße vom Tellerboden gab es ein saftiges Rosmarinbrioche (klein 13,50 Euro).

Die Apfelknödel zum zweiten Hauptgang ähnelten optisch und von der Größe her Marzipankartoffeln, der Geschmack war ganz in Ordnung, obgleich nicht gerade offenkundig fruchtig. Kleine, raffinierte Variationen von Klassikern der französischen Küche dominieren hier offenbar die erfolgreichen Rezepte. Dazu bekamen wir köstliche Scheiben hausgemachter Blutwurst auf Selleriepüree, weiß wie Schnee, und ein kräftiges Schalottenconfit (klein 14,50 Euro). Wunderbar!

Rieslingbirne mit Whiskeysabayon

Zum Dessert versuchten wir eine kalte und recht harte halbe Rieslingbirne mit köstlichem Beiwerk aus frühlingsgrünem Eis von Sauerampfer und leckerer Whiskeysabayon (7 Euro). Die Rechnung sah dann so aus, wie sie sonst in dieser Klasse Restaurant bei normal großen Portionen ausgesehen hätte, auffällig gering war der Wareneinsatz natürlich auch nicht. Nur das gut aussehende Entrecote der Tischnachbarn dehnte sich im Schatten von verführerischen Streichholz-Pommes selbstbewusst bis zum Rand des Tellers aus.

Das Barpersonal könnte eventuell ein wenig aufgestockt werden, denn die Küchenmannschaft ist schneller als die Getränke kommen. Zwar hatten wir, wie es dem Geist des Hauses entspricht, das Mahl mit einem sehr guten, eiskalten Crémant angefangen. Doch dass der ebenso frische Sauvignon Blanc erst kam, als die Vorspeise schon auf dem Tisch stand, war allerdings ein wenig störend, obgleich die feenartige Kellnerin uns insgesamt gar nicht wie Paxe behandelte, sondern wie tatsächliche Gäste. Was uns sehr erfreute.

3 Minutes sur Mer, Torstraße 167, 10115 Berlin

Telefon 030 67302052

Webseite öffnen


Montag bis Freitag von 11:30 bis 24:00 Uhr | Samstag und Sonntag von 10:00 bis 24:00 Uhr

Weitere Artikel zum Thema Restaurants

Essen + Trinken | Restaurants

Top 5: Club-Restaurants in Berlin

Gastro plus Party ergibt im Idealfall einen wirklich gelungenen Großstadtabend. Wir empfehlen dir fünf Club-Restaurants […]
Essen + Trinken | Neueröffnungen | Restaurants

Neu in Neukölln: W Pizza

Ein bisschen ab vom Schuss liegt sie ja, die neue Pizzeria in der Fuldastraße. Für […]