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Das richtige Gedenken an Julius Leber?

Das richtige Gedenken an Julius Leber?
Von hier aus organisierte Julius Leber seine Widerstandsarbeit - bald soll die alte Kohlenhandlung abgerissen werden. Zur Foto-Galerie
Im Rathaus Schöneberg findet eine Ausstellung zum Gedenken an den bedeutenden Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus statt – doch die Kunstentwürfe werden dem geschichtlichen Erbe nicht gerecht.

Sie ist nicht leicht zu finden, die kleine Ausstellung im Rathaus Schöneberg. Beinahe könnte man glauben, dass sich der Bezirk Tempelhof-Schöneberg etwas schämt und bewusst am Eingang keinen Hinweis angebracht hat. Nach dem Besuch hofft der Betrachter allerdings, dass sich der Bezirk wirklich und gründlich schämt.

Zum Hintergrund

Angesichts des Abrisses der alten Bebauung in der Torgauer Straße soll auch die ehemalige Kohlenhandlung dem Erdboden gleich gemacht werden, von der aus Julius Leber seine Widerstandsarbeit organisiert hat. Der sozialdemokratische Politiker wurde hier am 5. Juli 1944 verhaftet und im Januar 1945 hingerichtet. Seine Frau Annedore hatte noch bis in die 60er Jahre hinein auf dem Grundstück einen kleinen Verlag, mit dem sie das Andenken an ihren Mann und die Widerstandsbewegung aufrechterhielt. Einige An- und Umbauten sowie Kriegsschäden haben das ursprüngliche Gebäude im Laufe der Zeit verändert. Nun soll es auf Wunsch des Bezirks verschwinden. Der Grund: das liebe Geld. Möglichst wenig kosten soll die Erinnerung an den Widerstand und selbst die SPD sieht tatenlos zu, wie das Gedenken an einen ihrer größten Männer gehandhabt wird.

Wenige hundert Meter weiter wurde dagegen in den vergangenen Jahren 1 Million Euro bezahlt, um den Schwerbelastungskörper – einen gigantischen Betonklotz – von Albert Speer zu sanieren. Für den Geschichtsparcours und das SA-Gefängnis Papestraße wurde auch ausreichend Geld in die Hand genommen. Auf den Gedanken, den Ort des Widerstandes in der Torgauer Straße mit in das Konzept einzubeziehen – darauf ist im Bezirk niemand gekommen. Es ist ein erschreckendes Beispiel dafür, welchen Stellenwert das Gedenken an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Jahr 2012 besitzt.

Die Ausstellung im Rathaus Schöneberg

Anfang des Jahres hat der Bezirk einen Kunstwettbewerb in einem „nicht-offenen Auswahlverfahren“ ausgelobt. Von den fünf eingereichten Arbeiten sind vier ausgestellt. Die Jury – die nicht weiter vorgestellt wird – hat einen Entwurf von Katharina Karrenberg empfohlen. Und dieser macht wahrlich sprachlos: Es soll ein Betonpodest entstehen in der Größe des ehemaligen Windfangs des Häuschens. Damit der Besucher weiß, wo er ist, wird das Wort ‚Windfang‘ auf das Podest geschrieben. Die Beschreibung des Entwurfs muss hier zitiert werden:

„Gleichzeitig lässt das Wort Windfang die Leichtigkeit und die energiegeladenen Zukunftsvisionen beider Lebensentwürfe in der Schwebe und macht das Kommen und Gehen der vielen Menschen, die diesen Ort besucht haben, erahnbar. Windfang, Podest und die Relikte der Energieversorgung mögen so die Trauer um das kleine Haus in seiner metaphorischen Bedeutung und den Ort in seiner emotionalen, politischen und energetischen Weite erfahrbar machen.“ Das Haus wird also platt gemacht, damit anschließend darum auf eine irgendwie esoterische Art und Weise getrauert werden kann.

Eine Art Steckdose gibt Grund zur Verärgerung

Teil des Siegerentwurfs von K. Karrenberg
Aber das ist noch nicht alles: Da noch einige alte Kabel vorhanden sind, wird eine Art Steckdosenleiste montiert, denn: „Die Kohlenhandlung diente als Tarnung, als Verbindung zur Arbeiterschaft und zu den Zwangsarbeitern und sicher auch als Bindeglied zwischen den verschiedenen Energieträgern Gas, Kohle und Elektrizität. Hier konnten sich energiepolitisches Basiswissen und Kontakte in alle Richtungen für die Zeit nach dem Krieg ausbilden.“

Mein Lehrer hätte gesagt: „Thema verfehlt, sechs.“ Julius Leber als Vorreiter der Energiewende – dieses Stück Realsatire macht einfach nur fassungslos. Wie konnte die sogenannte Jury diesen Entwurf auswählen? Auch die Berliner Geschichtswerkstatt hat bereits Alarm geschlagen und fordert die Verantwortlichen auf, mit dem geschichtlichen Erbe verantwortungsvoll umzugehen. Dass der vorliegende Entwurf dem in keiner Weise gerecht wird, davon kann man sich noch bis zum 26. September im Rathaus Schöneberg überzeugen.

Dieser Text entstand in Kooperation mit dem Rote Insel-Blog: http://roteinsel.blogspot.de/

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Quelle: externe Quelle

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