Im Bendlerblock in Berlin

Gedenkstätte Deutscher Widerstand öffnet wieder

Gedenkstätte Deutscher Widerstand öffnet wieder
Die Dauerausstellung in der Gedenkstätte wurde neu konzeptioniert - inklusive der Farbgebung.
Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand hat renoviert, mit Touchscreens und frischen Farben. Inhaltlich bleibt man beim alten Konzept und setzt den Fokus auf Porträts.

Schon im Treppenhaus schauen sie den Besucher an: teils nachdenklich, teils kokett, manchmal fast grimmig blicken die Menschen, die vor 70 Jahren Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten, aus den körnigen Schwarzweiß-Fotografien, die im Flur der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im Bendlerblock hängen. Einige Namen sind bekannt, sie benennen Bibliotheken und Schulen, andere tauchen in keinem Geschichtsbuch auf. Ihre Namen stehen auf helltürkisen, saftiggrünen und tiefblauen Hintergründen unter den Fotos. Sie alle waren Teil der Bewegung, die seit 1968 in der Stauffenbergstraße als „Deutscher Widerstand“ dokumentiert wird.

Nun sollen ihre Geschichten neu erzählt werden. Denn die Hauptausstellung der Gedenkstätte, die seit der Gründung des Museums nur einmal – im Jahr 1989 – neu konzipiert wurde, eröffnet am 1. Juli nach einer einjährigen Umbauphase mit einem Festakt, ab dem 2. Juli ist die Ausstellung dann für die Öffentlichkeit geöffnet. Insgesamt 3,8 Millionen Euro haben Bund und Land für den Umbau ausgegeben, davon wurden 1,7 Millionen für die Überarbeitung der Ausstellung verwendet.

Biographien im Mittelpunkt

Dort wird der Fokus jetzt verstärkt auf individuelle Schicksale gelenkt: Im abgedunkelten, grau gestrichenen Flur führen mit Spotlights angestrahlte Fotografien und Zitate der Widerstandskämpfer den Besucher in die Ausstellung. Das Konzept erinnert an die Achsen im Libeskind-Bau des Jüdischen Museums mit ihren eindringlichen Porträts. Was man hier aber nach wie vor nirgendwo findet, sind Artefakte des Widerstands. „Wir haben kein originalgetreu eingerichtetes Stauffenberg-Arbeitszimmer“, stellt Gedenkstättenleiter Johannes Tuchel klar. Damit führt er seine Gesamtlinie fort, die einen deutlich dokumentarischen Anspruch stellt – manchmal etwas zum Leidwesen der Gestalter. „Wir sind an Fotos und Dokumente gebunden“, sagt Architektin Ursula Wilms. Die Ausnahme: Als einziges dreidimensionales Objekt hat sie eine Stauffenberg-Büste untergebracht, die den Oberst als kunstinteressierten Privatmann zeigt.

Einen Spagat zwischen traditionellen und modernen historischen Erzählformen geht die neue bauliche Konzeption ein. Eigentlich als Bürogebäude der Wehrmacht konzipiert und unter Denkmalschutz gestellt, war der Bendlerblock eine Herausforderung für die Architektin und den Ausstellungsgrafiker Georg Engels. Die neugestalteten Räume sind nicht nur deutlich entrümpelt, sie nehmen dem Thema auch einiges von der Schwere des Stoffs: Nach dem dunkelgrau und blau gehaltenen Einführungsbereich ziehen zwei große Raumfluchten den Besucher mit versetzten Stellwänden in wechselnden Grüntönen durch die insgesamt 18 Bereiche der Ausstellung. Grafiker Georg Engels spricht von einem „Farbrhythmus“ und von „fröhlichen Farben“. In der Tat stellt etwa das quietschige Hellgrün die Fotos der Mitverschwörer des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 effektiv heraus. Gleichzeitig wirkt die quirlige Farbgebung im Kontrast mit den hölzernen Mäanderfußböden und den ernsten Gesichtern der größtenteils todgeweihten Widerstandskämpfer etwas schräg.

Ähnliche Struktur, jetzt mit Touchscreens

Eine Neuerung findet sich auch auf der medialen Ebene, trotz der insgesamt eher nüchternen Konzeption aus Fotografien und Texten auf stehenden und hängenden Tafeln und Brief-Dokumenten in den Vitrinen: Touchscreens lockern jetzt den Rundgang auf. Geblieben sind die das Zeitkolorit gut wiedergebenden, zum Mitnehmen ausliegenden Reprints von Originalflugblättern. Die inhaltliche Struktur der neuen Ausstellung ähnelt weitestgehend der vorherigen: Neben bekannten Widerstandsgruppen wie der „Weißen Rose“ und der „Roten Kapelle“ finden jetzt aber auch Einzelkämpfer Berücksichtigung. Etwa der Boxer Johann Wilhelm Trollmann, der als Sinto seinen Sport nicht mehr ausüben durfte. Die Tafel mit seiner Geschichte und den Lebensläufen anderer Sinti und Roma erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der seinen Kampfgeist nicht aufgab und im Juli 1933 mit blondgefärbten Haaren und weißgepudertem Gesicht zu einem Kampf erschien, um die Herrenrassenideologie der Nazis zu demontieren.

Besonderen Wert wird auch auf die internationale Perspektive des Widerstands – das Leben in der Emigration – gelegt. Ein Leben im Exil war längst nicht immer so bequem wie im Fall Thomas Mann, stellt Historiker Peter Steinbach klar: „Der durchschnittliche Emigrant war Mitte zwanzig, hatte keine abgeschlossene Ausbildung und musste im Ausland wieder ganz von vorne beginnen.“ Ohne offizielle Arbeitserlaubnis endeten die meisten von ihnen als Krawatten- oder Kaffeeverkäufer, Geschichten, die an aktuelle Diskussionen um politische Flüchtlinge erinnern. Außerdem erweitert die Ausstellung den Widerstandsbegriff, indem sie klar macht, dass bereits das Hören ausländischer Nachrichten unter dem Naziregime als subversiver Akt aufgefasst und mit Zuchthaus bestraft wurde. So vielfältig wie die Schicksale der Menschen im Widerstand waren auch die Wege, ihn zu leisten.


Quelle: Der Tagesspiegel

Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Stauffenbergstraße 13-14, 10785 Berlin
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