Gedenktafel enthüllt

"Auf diesem Balkon bekam er seinen ersten Kuss"

"Auf diesem Balkon bekam er seinen ersten Kuss"
Enkeltocher Carla Ranicki, Sohn Andrew Ranicki, Klaus Wowereit und Reich-Ranickis Weggefährte Hellmuth Karasek (v.l.n.r.) vor der neuen Gedenktafel. Zur Foto-Galerie
Güntzelkiez - Unser Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hat in der Güntzelstraße in Wilmersdorf eine Gedenktafel für Marcel Reich-Ranicki enthüllt - dort wo der Literaturpabst einst mit seinen Eltern lebte.

Mit der Güntzelstraße 53 verband der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki viele Erinnerungen. Sie waren so intensiv, dass er die Wohnung, in der er von 1934 bis 1938 mit seinen Eltern gelebt hat, 1999 noch einmal besuchte. Vor dem Haus mit der Nummer 53 sind bereits zwei Stolpersteine für seine Eltern Helene und David Reich, die 1942 in Treblinka ermordet wurden, angebracht. Nun wurde heute an dem Haus in dem Wilmersdorfer Kiez um 10:30 Uhr eine Gedenktafel für den Literaturkritiker enthüllt.

Die Stimmung während der Enthüllung war andächtig, es sprachen Klaus Wowereit und der Schriftsteller und Journalist Hellmuth Karasek, Reich-Ranickis langjähriger Freund und Partner im „Literarischen Quartett“ sowie sein Sohn Andrew Ranicki. An der Zeremonie nahmen auch seine Enkelin Carla Ranicki und ihre Mutter Ida Thompson teil.

Reich-Ranickis erster Kuss

Trotz des traurigen Anlasses – Marcel Reich Ranicki ist erst vor einem Jahr verstorben – gab es an diesem Tag auch fröhliche Momente. Zur Erheiterung aller Anwesenden erzählte sein Sohn beispielsweise, dass der Literaturkritiker hier auf dem Balkon seinen ersten Kuss bekommen hat. Später soll Marcel Reich-Ranicki dazu gesagt haben: „Er war gut gewesen, so als wollte er ihn im Nachhinein rezensieren.“

Unser Regierender Bürgermeister und Karasek sprachen anlässlich der Ehrung Reich-Ranickis aber auch mahnende Worte. Die Demokratie, so Wowereit, müsse wehrhaft sein, und Karasek sagte in seiner Rede, es sei erschreckend, dass in einer Stadt wie Berlin, die trotz NS-Vergangenheit, immer eine liberale Stadt gewesen sei, eine solche antisemitische Demonstration wie sie die Stadt erst kürzlich erlebt hat, möglich ist. Beide riefen dazu auf, am Sonntag um 15 Uhr zur Kundgebung gegen Antisemitismus am Brandenburger Tor zu kommen.

„Meine Heimat ist die Literatur“ – steht auf der Erinnerungstafel für den 1938 aus Berlin vertriebenen Marcel Reich-Ranicki. In Charlottenburg und Wilmersdorf lebten vor dem Zweiten Weltkrieg sehr viele Juden, allein 13.200 wurden von hier aus deportiert und ermordet.

Foto Galerie

"Auf diesem Balkon bekam er seinen ersten Kuss", Güntzelstraße 53, 10717 Berlin

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