Berlin-Charlottenburg

"Runder Tisch" gegen Verwahrlosung der Wilmersdorfer Straße

Anwohner werden gegen Drogengeschäfte auf der Wilmersdorfer Straße aktiv.
Anrainer der Charlottenburger Fußgängerzone beklagen eine Verschlechterung der Aufenthaltsqualität. Jetzt wollen Geschäftsleute, Bezirkspolitiker und andere Beteiligte nach Lösungen suchen.

Die Drogenszene vom Stuttgarter Platz habe sich in die ganze Fußgängerzone ausgebreitet, sagt Thomas Bong, Apotheker und Vorsitzender der dortigen Arbeitsgemeinschaft der Geschäftsleute. Mitten auf der Straße werde gedealt, und Ladenbesitzer entdeckten immer wieder benutzte Spritzen in ihren Wühltischen.

Der Obst- und Gemüsehändler Özcan Sahinbaş berichtet, die „City Toilette“ nahe seinem Verkaufsstand an der Ecke Pestalozzistraße werde „fast nur“ von Drogensüchtigen frequentiert, während des vorigen Weihnachtsmarkts in der Fußgängerzone sei ein Junkie darin an einer Überdosis gestorben.

Durch Beschaffungskriminalität gebe es außerdem mehr Diebstähle, sagt Thomas Bong. Ihn und andere Geschäftsleute stören auch die teils „aggressiven“ Bettler sowie Punks, die ihre Hunde oft frei herumlaufen lassen. Das bezirkliche Ordnungsamt und die Polizei seien zu selten im Einsatz.

Nun soll ein „Runder Tisch“ nach Lösungen suchen. Das beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf in ihrer jüngsten Sitzung auf Antrag der CDU-Fraktion, die „Kunden und Passanten vor Bedrohungen schützen“ will. Dem Gremium sollen Politiker, Geschäftsleute sowie Vertreter der Polizei und anderer Institutionen angehören.

Der Drogenhilfeverein „Fixpunkt“ ist am Stuttgarter Platz bereits mit Streetworkern sowie einem Beratungs- und einem Drogenkonsummobil aktiv, außerdem betreibt der Träger unter der Bahnbrücke einen Spritzenautomaten. Das Abgeordnetenhaus und der Senat haben die Mittel vor kurzer Zeit aufgestockt, damit „Fixpunkt“ seine Präsenz verstärken kann. Charlottenburg-Wilmersdorf sei als Innenstadtbezirk „in besonderer Weise“ mit Drogenproblemen konfrontiert, heißt es bei dem Drogenhilfeverein. Ein Schwerpunkt des illegalen Handels seien die U-Bahnlinien 7 und 9.

Speziell zur Drogenproblematik hatte es bereits 2012 einen „Runden Tisch“ gegeben. In diesem Jahr sprach sich die bezirkliche Piratenfraktion für einen „Coffeeshop“ zur kontrollierten Cannabis-Abgabe am Stuttgarter Platz aus, doch in der BVV gibt es keine Mehrheit für diese Forderung. Als Hauptproblem in der Gegend gilt auch nicht Cannabiskonsum, es geht vor allem um harte Drogen wie Heroin.


Quelle: Der Tagesspiegel

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