Am Pankower Wahlkreisbüro von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) haben am Mittwoch rund 30 Eltern und Kinder demonstriert. Sie fordern eine zusätzliche Hochbegabtenklasse ab Klasse 5 am Rosa-Luxemburg- Gymnasium. Die Schule hat Bewerbungen von mehr als 90 hoch begabten Kindern, darf aber nur rund 60 aufnehmen: Die Bildungsverwaltung besteht darauf, dass nur zwei Klassen aufgemacht werden dürfen, damit genug Platz für reguläre siebte Klassen bleibt. Die Eltern der abgelehnten Kinder haben Widerspruch eingelegt. Sobald die Widersprüche abgelehnt sind, wollen die Eltern Sammelklage einreichen, kündigte Maria Benning, eine der betroffenen Mütter, am Mittwoch an. Die Senatsverwaltung betreibe „Ideologie am Bedarf vorbei“.
Der Streit ist nicht neu. Schon 2012 kämpften Eltern um eine weitere Hochbegabtenklasse und waren letztlich erfolgreich, weil die damalige Schulrätin ihnen entgegen kam, was in der Verwaltung allerdings zu erheblichen Auseinandersetzungen führte. Damals verschickte Schulleiter Ralf Treptow Zusagen an die Kinder der zusätzlichen Hochbegabtenklasse, wofür er anschließend disziplinarisch belangt wurde. Er ging dagegen vor Gericht.
Scheeres‘ Vorgänger Jürgen Zöllner (SPD) war in der Frage der Anzahl der Hochbegabtenklassen flexibler und stärker an der Nachfrage orientiert. Allerdings kam er aus einem Bundesland, in dem die Schüler generell nach Klasse 4 die Grundschulen verlassen.
Der SPD geht es um die Verteidigung der sechsjährigen Grundschule
Im Kern geht es um die Sorge der SPD, dass der Berlin-Brandenburgische Sonderweg der sechsjährigen Grundschule ausgehöhlt wird, wenn zu viele talentierte Kinder vorzeitig ab Klasse 4 die Grundschule verlassen. In Bezirken wie Steglitz-Zehlendorf müssen häufig sogar Klassen aufgelöst und zusammengelegt werden, weil so viele Schüler an ein grundständiges Gymnasium ab Klasse 5 wechseln. Im speziellen Fall des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums wird befürchtet, dass die Schule sich zu einseitig zur Hochbegabtenschule entwickelt und damit die „normalen“ Gymnasien überstrahlt.
Die Senatorin hatte einen Termin im Wahlkreisbüro kurzfristig abgesagt
Die Demonstration am Mittwoch sollte eigentlich im Beisein der Senatorin stattfinden, denn die Eltern hatten mit ihr einen Termin im Bürgerbüro ausgemacht. Allerdings wurde dieser Termin am Dienstag abgesagt. Der Büromitarbeiter von Scheeres bestritt allerdings, dass die Absage etwas mit dem Ansinnen der Eltern zu tun gehabt habe.