Hilfe für Frauen in Not

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt

Gemeinsam gegen häusliche Gewalt
Jede vierte Frau ist in Deutschland von häuslicher Gewalt betroffen.
Tiergarten-Süd - Jede vierte Frau in Deutschland erfährt körperliche und/oder sexuelle Gewalt. In Berlin lag die Zahl der Fälle von häuslicher Gewalt pro Jahr zuletzt bei fast 16.000, die Dunkelziffer fällt allerdings höher aus. Der Stadtteilverein Tiergarten baut deshalb eine interkulturelle Frauengruppe auf, die mit Tabus brechen und den Betroffenen helfen will.

„Wir wollen einen Raum etablieren, in dem sich Frauen austauschen können – in dem sie frei sind, auch über sensible Themen zu reden“, erklärt Marsilia Podlech, Koordinatorin des Projekts „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“. Zusammen mit der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e.V.) und unterstützt vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge arbeitet sie seit rund einem Jahr daran, Frauen aus unterschiedlichen Kulturen für die ehrenamtliche Beratung von Migrantinnen wie auch deutschen Frauen, die zu Hause Gewalt erleben, zu gewinnen. Ihr nächstes Etappenziel sei es, zum einen im Kiez bekannter zu werden und zum anderen die Anzahl von derzeit sieben ehrenamtlichen Helferinnen auf um die 15 zu steigern. Langfristig wünscht sich die Ethnologin, die lange Zeit ein interkulturelles Bildungs- und Beratungszentrum in Frankfurt/Main leitete, dass die Frauen im Haus an der Kluckstraße nicht nur beraten werden, sondern dort auch Bildungs- und Freizeitangebote wahrnehmen können.

„Alle ehrenamtlichen Teilnehmerinnen erhalten eine kostenfreie professionelle Qualifizierung“, so Podlech. Dazu gehöre eine erste Sensibilisierung für das Thema und die Beantwortung von Fragen wie „Was ist häusliche Gewalt?“, „Wie wird sie empfunden?“ und „Was unterscheidet Partnergewalt von Gewalt in der Familie?“. Zudem werden die Helferinnen über rechtliche Aspekte aufgeklärt, mit Beratungsstellen und Zufluchtsmöglichkeiten vertraut gemacht und für konkrete Beratungssituationen geschult. „Es ist uns wichtig, dass die Frauen wissen, wie sie reagieren können – was sie sagen und tun sollen und was nicht“, erzählt die 49-Jährige. Momentan sind Iranerinnen, Griechinnen, Serbo-Kroatinnen und Deutsche im Team vertreten. Besonders gesucht seien noch Frauen aus der Türkei, arabischen Kulturkreisen, Lateinamerika und Afrika, ergänzt die Projektkoordinatorin.

Problem aller Schichten

Häusliche Gewalt kommt in den „besten Familien“ vor und spielt sich meist hinter verschlossenen Türen ab. Sie ist unabhängig von kultureller oder religiöser Zugehörigkeit, Alter, Bildung, Geschlecht und Einkommen. Dennoch sind überwiegend Frauen und Kinder betroffen. Die Situation von Migrantinnen unterscheidet sich trotz zahlreicher Ähnlichkeiten noch einmal von der Situation betroffener deutscher Frauen, wie es im Berliner Wegweiser für von häuslicher Gewalt betroffene Migrantinnen geschildert wird. Grund dafür ist oft das mangelnde Wissen über deutsche Strukturen, Beratungsangebote und Gesetze sowie geringe Sprachkenntnisse und die aufenthaltsrechtliche Abhängigkeit vom Ehemann.

Wer sich ehrenamtlich für „Gemeinsam gegen häusliche Gewalt“ engagieren möchte, kann sich telefonisch (030/39 20 98 21) oder per E-Mail (gegengewalt@stadtteilverein.eu) an Marsilia Podlech wenden. Betroffene finden mittwochs von 10 bis 11.30 Uhr Rat und Unterstützung in der offenen Beratung im zweiten Stock in der Kluckstraße 11. In akuten Krisensituationen hilft die BIG-Hotline unter der Nummer 030/611 03 00 weiter.

Stadtteilverein Tiergarten e.V., Kluckstraße 11, 10785 Berlin
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