Gene Simmons zu Gast im Berliner Hard Rock Cafe

Die Action-Zunge am Ku'damm

Die Action-Zunge am Ku'damm
Gene Simmons gibt ein Interview vor KISS-Fans im Berliner Hard Rock Cafe. Zur Foto-Galerie

Kurfürstendamm – Am 12. Juni um genau 14:15 Uhr gab Gene Simmons von der legendären Band KISS im vor Fans beinahe berstenden Hard Rock Cafe Berlin ein Stelldichein. Am Abend findet ein Konzert der kompletten Band in der Waldbühne statt. Der Tag steht also ganz im Zeichen des Glamrock.

Das Handwerk eines Geschäftsmannes versteht die Gallionsfigur des KISS-Imperiums wirklich gut. Ohne Frage. Seit nunmehr 40 Jahren rollt die Vermarktungsmaschine der wohl berühmtesten Phantasie-Outfit-Rocker des Planeten Erde und Eugene Klein alias Gene Simmons scheint dabei die treibende Kraft zu sein. Zugegeben, mit der einen oder anderen Unterbrechung, Krise, Bandmitgliedsrausschmissen und vielleicht einer „Hand voll“ Skandalen. Doch welche Musikkapelle, die so lange im Rock’n’Roll-Zirkus mitmischt, kann das nicht von sich behaupten? Und außerdem gehört das ganze Spektakel doch auch dazu oder? Fatal wäre es nur, wenn Simmons‘ Alter Ego „The Demon“ eines Tages die eigene, überlange Zunge statt an seinem 4-Saiter an einer zugefrorenen Litfaßsäule entlanggleiten lassen würde.

KISS live on stage

Aber für so eine PR-Aktion scheint der Musiker, Schauspieler, Autor und Unternehmer wohl zu smart zu sein. Der Multilinguist im wahrsten Sinne des Wortes hat es wieder geschafft: Im Oktober vergangenen Jahres kam das letzte KISS Studioalbum „Monster“ in die Plattenläden und am Abend des 12. Juni beehrt die Band höchstpersönlich und selbstverständlich mit zentimeterdicker Make-Up-Schicht das verzückte Berliner Publikum in der Waldbühne. Die skandalumwitterte New Yorker Band existiert bereits seit den frühen 1970er Jahren, als Hard Rock für die ungeübten Rockerohren noch wirklich hart klang und Bands mit Pyroeffekten, Plateauschuhen und Schulter-Polstern im Gepäck, mit Bombast und Dekadenz die noch unschuldige Dekade einleiteten.

Nach über 100 Millionen verkauften Scheiben, Tonnen von Schminke, zahllosen zerbrochenen Fanherzen, endlosen Wechseln der Bandmitglieder und Dutzenden jungen Frauen, die mit Vaterschaftsklagen drohten, stehen KISS immer noch auf den Bühnen dieser Welt.

Voll bis in die letzte Ecke, stickig und dominiert von diversen Körpergerüchen – so gestaltete sich die Atmosphäre am 12. Juni im Hard Rock Cafe. Vor das Restaurant mit dem berühmten Namen fuhr kurz vor 14 Uhr ein schwarzer VW-Van mit abgedunkelten Scheiben. Vom Blitzlichtgewitter begleitet stieg Gene Simmons aus dem Gefährt und bewegte sich gemächlichen Schrittes gen Hintereingang der Location. Indes stimmten sich die KISS-Verrückten in der zweiten Etage des Restaurants mit Bemalungsaktionen und Fotografieren diverser KISS-Look-alikes auf das Event ein. Ausgefranste, bestickte Denim-Jacken und Schwarz-Weiss dominierten das Gesamtbild. Akustisch vernahm man viele deutsche Dialekte und kaum englischsprachige Konversationen.

Kurzes Interview mit Zunge

Kurz nach 14 Uhr betrat Moderatorin Miri von Star FM die Bühne und heizte in Begleitung etlicher Mikrofon-Feedbacks dem ungeduldigen Publikum ein. Um 14:15 Uhr betrat schließlich der Meister die Bühne. Lässig, in Jeans und Boots mit dunkler Sonnenbrille. Miri führte mit Mr. Simmons ein mehr oder weniger sinnfreies Interview, ohne ernsthaft auf die kommende Show oder das Album einzugehen. Nach dem Verhältnis zur Stadt Berlin und der früheren Teilung in Ost- und Westberlin gefragt, antwortete Simmons mit sonorer Stimme: „No more separation. F*** communism and be whatever you wanna be.“ 

Ferner stellte der KISS-Bassist sein neues Instrument vor: Ein verchromter, wie eine Axt aussehender Bass der Firma GSX. Das Instrument wurde auch fleißig signiert und dem Hard Rock Cafe gespendet. Nach nur fünfzehn Minuten war der Zauber schon vorbei. Zurück blieben etliche enttäuschte Fans, welche Simmons ein paar Fragen stellen oder wenigstens ein Autogramm ergattern wollten.

Zu guter Letzt bat Miri von Star FM den Meister, nur einmal ganz kurz seine berühmte Zunge herauszustrecken. Brav ging Simmons – doch noch nicht ganz Knigge-reif – auf die Bitte ein.

 

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