Neues Wohnheim am Frankfurter Tor

Wie viel ist dir ein Studium in Berlin wert?

Wie viel ist dir ein Studium in Berlin wert?
Was aussieht wie ein neues Einkaufszentrum ist das moderne Studentenwohnheim Neon Wood am Frankfurter Tor. Zur Foto-Galerie
Das schwierigste am Studieren in Berlin ist die Wohnungssuche. Direkt am Frankfurter Tor ist nun ein riesiges Wohnheim für Studenten entstanden. Im "Neon Wood" sollen sie bei ihrer Ankunft in der Hauptstadt unkompliziert und schnell eine Bleibe auf Zeit finden.

Noch immer erkennt man auf der bewusst unverputzten Betonwand Bleistiftnotizen oder Graffiti von früher. Gebaut wurde das viele Jahre leerstehende Gebäude bereits 1947 als kubanische Handelsvertretung. Insgesamt 560 Wohnungen mit modernster Technik und einem Mix aus Design- und Vintagemöbeln beherbergt das neue Studentenwohnheim Neon Wood in der Warschauer Straße. Neben dem Tannhaus – luxuriöse Wohnungen für Professionals und Langzeitbesucher – wurde der größte Teil des Bauprojekts zu hochpreisigen Studentenwohnungen umgebaut. Dahinter steht der Immobilienkonzern Cresco Capital.

Billig ist aber anders: Eine 18 Quadratmeter Wohnung kostet im Neon Wood 635 Euro, die Preise steigen bis zu 925 Euro für 35 Quadratmeter mit Doppelbett für zwei Bewohner. Die minimale Mietdauer beträgt sechs Monate. Der Quadratmeterpreis der Zimmer liegt damit umgerechnet zwischen 26,42 und 35,27 Euro warm.

Miet-Map Berlin

Wohnen in Berlin – Theorie und Realität

Im Vergleich: Für die Gegend am Frankfurter Tor wird eine 70 Quadratmeter Zweizimmerwohnung im Schnitt zwischen 665 und 693 Euro kalt vermietet (Stand 2016). Das wäre eine Bruttomiete zwischen 816 und 845 Euro, sowie ein Quadratmeterpreis zwischen 11,67 bis 12,07 Euro warm. Dies entspricht auch ungefähr den Angaben des offiziellen Berliner Mietspiegels von 2017. Die meisten Studenten leben aber ohnehin in einer Wohngemeinschaft und würden sich eine Zweizimmerwohnung wohl eher teilen, was die Kosten halbiert.

Die gängigen Mietpreise in der Gegend um das Frankfurter Tor sind also teuer, aber noch immer billliger als ein Zimmer im neuen Wohnheim Neon Wood. Bafög-Bezieher mit einem monatlichen Einkommen von 918 Euro geben laut Sozialerhebung des Studentenwerks von 2017 circa 323 Euro für eine Wohnung aus. Somit liegen die Zimmerpreise aber nicht nur bei Neon Wood, sondern fast überall in Berlin weit über über dem monatlichen Budget der meisten Studenten.

Das kleinere Übel

Wer sich die Wohnungen im Neon Wood also leisten kann, der bekommt dafür auch einiges geboten: Minimalismus, kombiniert mit Funktionalität und einem Hauch Luxus, so könnte das Wohnkonzept lauten: Sogar in das kleinste Zimmer passen neben einem Einzelbett eine Küchenzeile, Schreibtisch, ein relativ großes Bad und ein geräumiger Kleiderschrank. Auch eine wunderschöne Lobby, ein Fitnessstudio und diverse weitere Gimmicks gehören zur Anlage. Und da die Mietpreisbreme bekannterweise nicht wirklich funktioniert, müssen Studenten in Berlin trotzdem schon mal 500 Euro für ein unmöbliertes WG-Zimmer und noch weit mehr für eine Wohnung bezahlen – oder eben weiter an den Stadtrand ziehen.

So sieht ein Doppelzimmer im Studentenwohnheim Neon Wood aus. ©Cresco

Hier grätscht uns wieder das hässliche Wort Gentrifizierung dazwischen: Wenn nur wohlhabende Menschen sich eine Wohnung im Zentrum der Stadt leisten können. Es ist verständlich, sich darüber aufzuregen, dass die Neon Wood-Wohnungen nur für gut situierte Studenten erschwinglich sind. Man muss aber auch sehen, dass am Frankfurter Tor eine langjährige Ruine endlich sinnvoll genutzt wird. Und zwar immerhin nicht für Eigentumswohnungen, sondern zum Vermieten. Der wahre Skandal ist, dass es die Stadt Berlin so viele Jahre nicht schaffte, ihr Vorkaufsrecht zu nutzen, um dem Bund das leerstehende Haus abzukaufen und günstige Studentenwohnungen zu errichten.

Stattdessen verkaufte der Bund das Gebäude am Frankfurter Tor für ganze fünf Millionen Euro über dem geschätzten Marktwert an die Cresco Capital Group. Damalige Vorschläge des Vorsitzenden des Stadtentwicklungsausschusses im Bezirk Friedrichshain, John Dahl (SPD), das Studentenwerk miteinzubeziehen, um auch ärmeren Studenten das Wohnen im Bauprojekt zu ermöglichen, wurden nicht berücksichtigt. Anfang August diesen Jahres erhielt der Berliner Senat wieder eine Geldspritze von 138 Millionen Euro, die auch für Infrastruktur-Projekte vorgesehen ist. Aber wofür werden diese ganzen Zahlungen aus Fonds verwendet? Für den BER-Flughafen statt für günstige Mietwohnungen?

Fazit

Das Konzept von Neon Woods, Studenten ein unkompliziertes Ankommen und einen zwischenzeitlichen Wohnraum in einer gleichgesinnten Gemeinschaft zu ermöglichen, ist gut umgesetzt und das Angebot wird bestimmt auch genutzt werden. Klar ist aber auch: Dem Problem von zu wenig bezahlbarem Wohnraum in der Hauptstadt wird Neon Wood keine Abhilfe schaffen. Besser als sinnloser Leerstand ist das Projekt aber allemal.

Foto Galerie

Neon Wood, Warschauer Straße 6, 10243 Berlin
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