Berliner Untergrund

Geothermie in der Hauptstadt

Im Sommer sorgen unter der Erde gespeicherte Kältevorräte für eine angenehme Klimatisierung des Reichstags.
Im Sommer sorgen unter der Erde gespeicherte Kältevorräte für eine angenehme Klimatisierung des Reichstags.
Während Berlin sich zunehmend um eine geothermischen Nutzung des Erdbodens bemüht, erzählen Gesteinsschichten in mehreren Kilometern Tiefe von einer Zeit, in der an kalte Winter noch gar nicht zu denken war.

Sonnenwärme gibt es umsonst – Erdwärme auch. Zahlreiche Haushalte nutzen deshalb die Wärme aus dem Erdboden zum Heizen ihrer Wohnräume. Wärmepumpen sorgen dafür, dass bereits einige Grad Temperaturunterschied zwischen der Luft und dem 100 Meter tiefen Untergrund ausreichen, um ein Haus zu wärmen. Wo die Technik lohnt, ist in einer Untersuchung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt zum geothermischen Potenzial in Berlin online einsehbar.

Auch die Kühlung gewinne in Zeiten der Erderwärumung an Bedeutung, so Geologe Limberg. „Vor allem in der Innenstadt gibt es Eigentümer großer Häuser, die im Sommer Abwärme in die Tiefe bringen wollen, um die Räume zu klimatisieren.“ Dabei wolle man allerdings „ein künstliches Aufheizen des Untergrunds verhindern“. Genehmigt werden solche Klimaanlagen deshalb nur, wenn im Winter die Erdwärme zum Heizen genutzt und die Bilanz damit ausgeglichen wird.

Thermisches Potenzial

Der Reichstag nutzt bereits heute die thermischen Kräfte. Überschüssige Wärme wird von zwei Blockheizkraftwerken in eine salzhaltige, 300 Meter tiefe Schicht eingeleitet. Dort wird die Wärme gespeichert und kann im Winter an der Oberfläche zum Heizen dienen. Nach demselben Prinzip kann auch Kälte für die heißen Monate „zwischengelagert“ werden. Dazu wird Grundwasser im Winter an der Oberfläche auf fünf Grad abgekühlt und wieder hinuntergepumpt. Im Sommer versorgt es dann die Klimaanlage mit Kälte.

Sind die oberen Schichten des Berliner Bodens vor allem von der Eiszeit geprägt, so verweisen tiefere Gesteine auf eine heiße Zeit vor 260 Millionen Jahren. In der sogenannten Rotliegendes-Periode sorgten zahlreiche kräftige Vulkanausbrüche für Ascheregen, Lavabrocken und brennende Steine. Rekonstruiert werden kann dieser Zustand nur durch mehrere Kilometer tiefe Bohrungen. Ganze Waldgebiete wurden damals von extrem heißer Asche konserviert.

Dass solche Zustände dem Tiergarten drohen könnten, ist mehr als unwahrscheinlich. Erdbeben können dagegen nicht ausgeschlossen werden. Zwar sind im Norden Deutschlands noch keine Erschütterungen beobachtet worden, doch auch in geologisch ruhigen Gebieten kann es zu Erdbeben kommen. Denn auch weitab der Plattengrenzen bauen sich Spannungen in tieferen Gesteinslagen auf. Entladen sich diese, könnte es auch in Berlin wackeln. Zum Glück fällt die Wahrscheinlichkeit für solche Ereignisse nur auf alle paar zehn- oder hundertttausend Jahre.


Quelle: Der Tagesspiegel

Geothermie in der Hauptstadt, Friedrich-Ebert-Platz, 10117 Berlin

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