Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Im Dunkeln ist gut Schunkeln

Im Dunkeln ist gut Schunkeln
Was macht die Harfe im Hausflur? Beim Treppenkonzert stellt sich niemand die Frage.
Charlottenburg - Gerlinde Jänicke ist QIEZ-Kolumnistin und Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. Für uns schreibt sie jede Woche über ihre liebsten Orte, besondere Events und vieles mehr. Diesmal saß sie auf der Treppe und lauschte Klassikern, die zum Weinen waren.

Ich schließe die Augen und sitze irgendwo auf einer saftigen, grünen Wiese. Ich habe einen Kranz aus Gänseblümchen im Haar und trage ein Kleid, wie es Sissi als junges Mädchen trug. Ich öffne die Augen und sitze in einem dunklen Treppenhaus. Wie passt das zusammen? Und warum ist dieser Abend auf einer unbequemen Stufe so besonders?

Ich bin Gast eines „Treppenkonzertes“ in der Marburger Straße 2 in Charlottenburg. Ein ganz normales Haus in einer ganz normalen Straße, mitten in Berlin. Allerdings, doch nicht ganz so normal. Das Treppenhaus ist wunderschön. Prunkvoll, prachtvoll, stuckverziert. In den 20iger Jahren gab es hier im Haus einen bekannten Künstlertreff, das Restaurant „Mutzbauer“. Gäste wie Billy Wilder und Carl Zuckmayer haben hier gesessen. Der Flair der goldenen Zeit sitzt dem Haus noch tief in den Knochen, das ist deutlich zu spüren.

Klassisches Treppenkonzert

Die Gäste des Konzerts sitzen verteilt auf den Treppenstufen und lauschen den Tönen der Hauptstadtharfe. Simonetta Ginelli schaut konzentriert auf ihre Saiten und sieht dabei aus wie ein leuchtender Engel. Sie spielt Schumann, Offenbach, die Doors, die Stones, Abba und das wunderschöne „Moon River“. Tränchen kommen mir beim Thema von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Für meine Freundin Bridge aus Irland spielt sie spontan „Greensleeves“. Wieder kleine Tränchen.

Veranstaltet wird diese Konzertreihe vom „private office berlin“ – einem virtuellen Büro, in dem man sich fest einmieten kann, grundsätzlich werden die Räumlichkeiten aber gerne für Konferenzen genutzt, es gibt einen Telefonservice, Schreibservice, Terminmanagement, und wer möchte, kann für 50 Euro im Monat eine Clubmitgliedschaft beantragen, um die wirklich sehr schöne Lounge zu nutzen. Zudem finden hier Events statt, wie eben die Treppenkonzerte oder Ausstellungen. Am 25. September werden die abstrakten Bilder von Andrea Amelung vorgestellt.

Ein Bürogolf-Abend ist geplant

Auch einen philosophischen Zirkel gibt es. Der nächste findet am 24. September statt, jeder kann dabei sein, für 25 Euro gibt es spannende Gespräche, Getränke und (unglaublich leckeres) Fingerfood. Die Gesamtfläche des „private office“ ist so groß, dass ein „Bürogolf – Abend“ geplant ist. Gegolft wird durch die Flure. Witzig! Bettina Mützel hat all diese kreativen Ideen, sie ist die Gründerin der Firma und so sympathisch, dass ich keine Sekunde denke, dass ich mich in einem Geschäftsbereich befinde, sondern in der (äußerst stilvollen) Wohnung einer guten Bekannten.

Dass Berlin mehr als eine gute Bekannte für mich ist – nämlich eine meiner besten Freundinnen, wird mir jeden Tag aufs Neue klar. Die Möglichkeiten, die Kreativität – das „einfach machen und gucken, was passiert“ fühlt sich immer wieder an wie ein abenteuerlicher Galoppritt durchs wilde und gleichzeitig so vertraute Gelände. In das ich mich jetzt wieder träume. Auf einem weißen Pferd in einem zauberhaften Kleid. Mit Harfenmusik der Hauptstadtharfe.

XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Kultur + Events

Freizeit + Wellness | Kultur + Events | Liebe

Top 10: Events für Singles in Berlin

So groß die Zahl der einsamen Herzen ist, so vielfältig sind in Berlin die Möglichkeiten […]