Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Berliner, die sich um Ziegen kümmern

Berliner, die sich um Ziegen kümmern
Der Ziegenhof in der Danckelmannstraße ... Zur Foto-Galerie
Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal: Ein Besuch bei Charlottenburger Ziegen.

Ein vorerst letzter Gruß aus der wunderschönen Toskana. Klar freue ich mich wie Bolle auf Zuhause, wenn im Moment auch etwas zerknirscht. Italien hat mich seit diversen Rom-Besuchen so fest in seinen olivenölbefleckten Klauen, dass ich mir manchmal nicht sicher bin, ob ich wirklich nicht wenigstens einen Tropfen dieses feurigen Blutes in mir trage. Zumindest schlage ich hier immer schnell Wurzeln, und die zu entfernen, ziept manchmal ein bisschen. Im Scherz überlegte ich schon, Ziegenbäuerin zu werden, wie unsere Nachbarn hier im zauberhaften Montaione. Zudem liebe ich das Blöken der Tiere, es hat etwas Meditatives und Beruhigendes.

Wenn nun die Sehnsucht nach den Ziegen zu groß werden sollte zu Hause, muss ich zumindest nicht aufs Land fahren, um welche zu erleben. Vor meiner Abreise ging es mit meiner Abenteuerfreundin Anika zum Charlottenburger Ziegenhof in der Danckelmannstraße.

Charlottenburg mag ich. Wenn ich noch mal mitten in die Stadt ziehen würde, dann wäre das meine erste Wahl. Den Kiez um den Klausenerplatz kannte ich bis jetzt noch nicht. Was für ein pralles Leben! Alle paar Meter ein günstiges, kleines Restaurant, als sei Urlaub. Mütter mit dicken Bäuchen, zwei Kindern an der Hand und einem Kinderwagen halten Pläuschchen, ich höre viel türkisch, russisch, sehe lachende Gesichter, und das in einer wirklich malerischen Kulisse, einer Mischung aus Friedrichshain, Paris und ein bisschen London. Altbau, Kinderläden, Batikateliers.

Ein Berliner Original

Oase in der Danckelmannstraße (c) Jänicke
Und wo bitte soll hier eine Ziegenfarm sein? Das ist wie Spielstraßen am Kudamm. Geht doch gar nicht. Durch einen Hinterhof geht es – oftmals, zu einem zweiten Hinterhof. In der Danckelmannstraße 16 ist das anders. Hier gehen wir durch einen Hof und sehen…Wiesen! Kleine Hügel! Einen Kinderspielplatz, Kräutergärten und einen Stall. Hier blöken Ziegen. Eine ältere Dame mit zauseligem Minipli und Waschkittel streichelt und bürstet einen genauso zauseligen und lädiert wirkenden Ziegenbock.

„Det is Samson“, sagt sie. „Der hat Schuppen. Deswehn siehta so zeruppt aus.“ Die Frau mag ich. „Auch Urberlinerin, wa?“ frage ich sie. „Naja mit sechse herjezohn. Jildet ja ooch, denke ma“. Ich frage sie, ob sie zum Hof gehört. „Nee. Anwohnerin. Ick komme jehn Tach und tu schaun, wie et den Viechern jeht. Plastiktüten ham se ja alle jefressen, weil de Leute immer Plastiktüten mitbringen mit Futter drinne. Und denn ziehn de Ziehjen de Tüten den ausse Hände und fressn dit mit.“ Das finde ich grausam. „Schrecklich.“ sage ich. Frau Waschkittel nickt. „Aber schön isset hier. So hasste det selten, mitten inne Stadt.“

Ein kleiner Junge johlt, er hat seinem Kumpel gerade einen Ball gegen den Kopf geschossen und findet das offenbar ziemlich komisch. Wäre das hier eine Filmkulisse, es wäre fast ein Klischee. Ich schaue mir die Ziegen an und will eine durch den Zaun streicheln. Sie mag das so lange, bis sie merkt, dass ich nichts zu fressen dabei habe. Dann versucht sie mich mit ihren kleinen Hörnern zu stupsen oder umzubringen – so genau merkt man das nicht, wenn ein Zaun dazwischen ist.

Charmanter Ort mit Kräuterduft

Meine fast ur-Berliner Freundin sagt stolz: „Det hier sollte allet in die achzia bebaut werden mit Häuser. Da jabs n Protest von die Hausbesetzer, die ham allet hier jrün jemacht und n Verein jegründet. Det sind heute allet schon Kinder von die Leute, die det jemacht haben und jetzt hier wohnen. Die kümmern sich um de Tiere und den Jarten und det wird durch die und Spenden finanziert.“

Ich danke meiner neuen Freundin, und Anika und ich begehen das Gelände noch mal. Sehr gepflegt ist anders. Aber charmant und besonders ist es hier. Es duftet nach Kräutern, Revolution und Kinderkeksen. Anika und ich haben genug gesehen, zumal der Kinderspielplatz schon voll ist und die Ziegen uns nur fürs Essen lieben würden. Wir gehen ein bisschen im Kiez spazieren und suchen ein Restaurant, das auch Karte akzeptiert. Ist schwer. Irgendwann sitzen wir draußen bei einem kleinen Italiener gegenüber vom Biomarkt und bestellen Lasagne und Spaghetti mit Öl und Knoblauch. „Das ist Vorfreude auf Italien“ sage ich, genieße meine paar Brocken, die ich spreche, und verspreche mir, die Sprache dauerhaft besser zu lernen.

Und hier, in der Toskana, brauche ich die Sprache kaum, denn ich verständige mich mit Händen und Füßen und Lauten. Vielleicht werde ich ja in Berlin Ziegenbäuerin. Soweit ich weiß, heißt das italienische „Bäh“ genau das, was deutsche Ziegen auch sagen wollen. „Bäh.“

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Ziegenhof, Danckelmannstraße 16, 14059 Berlin
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