Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Berlin-Mitte hat Schwein

Berlin-Mitte hat Schwein
Im Schwein soll nach Aussage des Betreibers der Wein im Vordergrund stehen - aber wer ohne Essen geht, verpasst etwas. Zur Foto-Galerie
Rosenthaler Vorstadt - Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal schwärmt sie vom Schwein.

Alles am „Schwein“ ist gut. Ein neuer Laden in der Elisabethkirchstraße in Mitte, den ich wirklich jedem empfehlen möchte, der einen guten Wein, guten Service und sensationelles Essen schätzt. Und – das ist für uns Mädels immer wichtig – es ist schön dunkel! Ich finde, es kann nie dunkel genug sein. Gut, ich möchte mir nicht mit der Gabel ins Auge stechen, weil ich den Weg zum Mund nicht finde. Aber das Kerzenlicht hier am Tisch reicht vollkommen und ist äußerst teintfreundlich. Nur mein Essen, das ich fotografiere, weil es so hübsch aussieht, braucht etwas Extrabeleuchtung von der Handytaschenlampe meiner Freundin, mit der ich heute einen klassischen Mädelsabend verbringen möchte.

Los geht’s mit einem Glas James Bond-Champagner (Bollinger trinkt der wohl, das habe ich heute erst gelernt) und einem Blick in die Karte. Sie ist äußerst übersichtlich, aber sie gefällt mir sehr. Ich entscheide mich für Ceviche vom Saibling, dazu gibt es Algentoast. Der Fisch schmeckt frisch mit einer leichten Säure, das Brot passt hervorragend. David Monnie, der Geschäftsführer, betont, dass im Grunde das Essen den Wein begleiten soll und nicht umgekehrt. Ein „Goodie“ seien die Speisen, das Hauptaugenmerk läge auf den Weinen.

Mehr als nur Beiwerk zum Wein

Im Schwein gibt's nicht nur Wein. (c) Jänicke
Als Beiwerk kann man die Kreationen des jungen Küchenchefs Christopher Kümper kaum bezeichnen. Ich bestelle als Zwischengang eine Käseplatte mit selbstgemachten Chutneys, Feigensenf und Karamellcrumble. Ich muss beim Kauen die Augen schließen, das passiert einfach automatisch. Langsam essen, genießen. Der Hauptgang haut mich wirklich von den Socken. Ochsenbacken mit Karotten und kleinen Kartoffeln. Ich will gar keine Ochsenbacken essen, weil ich diese seltsame Schleimschicht um das Fleisch nicht leiden kann. David sagt, ich solle trotzdem. Vielleicht könne er mich ja überzeugen und überraschen. Tatsächlich brauche ich für das herrliche Fleisch in einer dicken, braunen Sauce mein Messer nicht. Zart wie Butter gleitet die Gabel durch das Bäckchen. Wieder ein „Augenschließ-Moment“.

Ich mag den Bollinger so gerne, dass ich dabei bleibe. Ich hätte ansonsten die Wahl zwischen fünfzig Weißweinen und fünfzig Rotweinen. Monnies Liebling ist ein Château Bas von einem Weingut in Frankreich, das einer Familie gehört, die direkt im Haus wohnt. Ich lerne Monnies Partner kennen, Peter Glückstein. Vierundsechzig Jahre alt, DJ-Ikone und Gastronom. Er hat sich den Namen des Ladens ausgedacht, aber auch nur den durchgesetzt. Eigentlich wollte er einen weiß gefliesten Laden eröffnen, in dem es nur Schwein gibt. Dann würde ich diese Zeilen sicher nicht schreiben, Schwein esse ich gar nicht gerne. Das, was letztendlich aus dem „Schwein“ geworden ist, finde ich wirklich sehr gelungen.

Gemütlich trotz lauter Musik und Tuchfühlung

Auch Peters Musikauswahl finde ich toll, da lässt er sich wohl auch nicht reinreden. Eine Mischung aus Piaf, alter amerikanischer Musik, kubanischem Rhythmus und Elektro. Die Musik ist deshalb erwähnenswert, weil sie recht laut ist. Komischerweise stört mich das gar nicht. Mich stört auch nicht, dass man recht nah beieinander sitzt. Meine Nachbarin, eine sehr sympathische Frau Mitte vierzig, könnte ich mit dem Arm berühren, ohne mich zu strecken. Es gibt auch ein paar lange Tafeln, an denen größere Gruppen Platz haben. Wenn diese nicht reserviert sind, werden hier auch gerne mal völlig Fremde zusammengesetzt. Da ich das aus dem Restaurant „Hostaria del Monte Croce“ in Kreuzberg schon kenne und sehr charmant finde, würde mich das wahrscheinlich auch nicht stören. Das Publikum wirkt so interessant und spannend, dass ich gegen Kommunikation nichts einzuwenden hätte. Unkompliziertheit und Zusammenkommen stehen im „Schwein“ im Mittelpunkt.

Eine Weinbar, eine Longdrinkbar, beide sehr schick und dennoch einladend gemütlich, dazu die Plätze im Restaurant für alle, die Lust auf mehr haben, als „nur“ auf Drinks und gute Gespräche. Dafür, dass der Laden nicht mal drei Wochen alt ist, läuft er gut. Fast jeder Platz ist besetzt. Erstaunlicherweise ist es trotz der Nähe zu den Sitznachbarn und der etwas lauteren Musik überhaupt nicht schwer, sein Gegenüber zu verstehen. Ich habe das Gefühl, die Stimmen im Raum sind ähnlich gedimmt wie das Licht, und ich habe damit auch recht. Die Akustikdecke war wohl eine teure Investition, hat sich aber unbedingt gelohnt. Ich freue mich, dass ich Schwein gehabt habe, dieses Restaurant zu finden. Es passt wirklich gut zu Berlin und ich werde sicher wieder hier essen und mich ein bisschen wie ein Bond-Girl fühlen mit einem schönen Glas Bollinger. Und einer guten Freundin unterm Arm. 

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Schwein, Mommsenstraße 63, 10629 Berlin

Telefon 030 24356282

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Montag bis Samstag ab 18:00 Uhr

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