Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Gerlinde und das schamanische Ritual

Gerlinde und das schamanische Ritual
Eine Schwitzhütte diente bei indianischen Völkern der körperlichen und geistigen Reinigung sowie zu rituellen und religiösen Zwecken. Zur Foto-Galerie
Körzin - Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal besucht sie eine indianische Schwitzhütte bei Beelitz.

Als ich gefragt werde, ob ich gerne mal an einer schamanischen Schwitzhütte teilnehmen möchte, sage ich sofort „ja“! Alles, was neu ist, reizt mich. Ich lerne gerne neue Dinge kennen, erweitere meinen Horizont und versuche, nicht zu bewerten. Mein Freund zeigt mir einen Vogel. Er hält alles Esoterische für Quatsch. Ich finde, so lange mir niemand schadet, bin ich offen für alles. Was kann ich kleiner Mensch schon wissen über das, was zwischen Himmel und Erde alles möglich ist. Was ich an diesem regnerischen Samstag erleben werde, den ich mir aussuche, um meine erste Schwitzhütte „mitzumachen“, habe ich nicht ansatzweise erwartet. Es ist auf jeden Fall das Krasseste, was ich seit langer Zeit erfahren habe.

Ich soll ein Baumwollkleid mitbringen und zwei Handtücher. Mehr weiß ich nicht, als ich mit meinen Freundinnen vor dem unglaublich pittoresken Bauernhaus im kleinen, aber sehr beschaulichen Körzin bei Beelitz parke und beschließe, alles auf mich zukommen zu lassen. Das sind zuerst einmal, als wir den Hof betreten, ein sehr freundlicher Esel, ein Storch und ein paar Pferde. Ich fühle mich sofort wohl und klopfe den Esel wie einen alten, guten Freund.

Indianische Tradition

Ingo und Ingrid werden uns durch den Tag führen. Die beiden haben zehn Jahre bei Lakota-Indianern gelebt und gelernt. Zusammen mit etwa acht Menschen, die ich nicht kenne und die sich auch angemeldet haben, sitzen wir in der gemütlichen Bauernküche. Weißer Salbei wird verbrannt, um die Energien zu reinigen. Warum wir alle hier sind, sollen wir nacheinander erzählen. Manche haben Schmerzen, die sie loswerden möchten. Ein hübsches Mädchen um die zwanzig erzählt, sie hätte einen schwarzen Schleier über dem Herzen, und ich gebe zu, dass ich einfach Lust habe auf ein Abenteuer.

Die Steine heißen beim Ritual "Großväter"
Als erstes wird die Schwitzhütte gemeinsam gebaut. Über feste Zweige werden Decken geworfen, die wir mit langen Stöcken befestigen. Dann werden die „Großväter“ geweiht. Das sind die Feldsteine, die über einem Feuer später so erhitzt werden, dass sie glühen und zerspringen. Jetzt müssen wir sie in alle Himmelsrichtungen halten und uns bei ihnen bedanken. Meine Freundin rollt mit den Augen – ich merke schon, sie wird nicht lange mitmachen. Sie bricht auch tatsächlich kurze Zeit später unser „Experiment“ ab. Ich wundere mich auch sehr über dieses fremde Ritual, aber ich bin zu neugierig. Ich muss und werde durchhalten. Meine andere Freundin mit der ich hier bin, blüht völlig auf in dieser Umgebung. Sie wirkt, als hätte sie seit Jahren Erfahrung mit den Ritualen, scheint sich ganz einzufügen in die Gruppe, in die Natur, in die eigentlich auch für sie ungewöhnliche Situation.

Bevor es in die Schwitzhütte geht, ziehe ich mein Kleidchen an und stelle mich barfuß an den kleinen Eingang des Zeltes, ein Stück Decke, das jetzt noch hochgeklappt ist.

Ein großes Abenteuer

So ganz möchte ich gar nicht eingehen auf das, was in den nächsten Stunden in diesem Zelt passiert. Jeder erlebt hier seine eigene Geschichte und ich will gar nicht beeinflussen, mit welchem Gefühl ein Mensch dort reingeht. Ich kann sagen – es ist sehr intensiv. Es ist dunkel, sehr heiß, man ist gezwungen, sich seinen eigenen Gedanken, dem eigenen Ego, den eigenen Themen zu widmen – und zwar komplett. Es wird wenig gesprochen, und wenn, geht es um das, was wir uns wünschen, wofür wir dankbar sind und was wir in unserem Leben verbessern möchten. Natürlich alles begleitet von den Spirits und den Großvätern.

Einmal will ich raus, weil ich Panik bekomme. Aber ich überwinde mich und bleibe. Was mich sehr stolz macht und mir ein nachhaltiges Gefühl der Stärke und innerer Kraft vermitteln wird. Nach etwa vier Stunden krabbeln wir alle erschöpft und verschwitzt aus dem Zelt. Es gibt noch ein gemeinsames Abendessen zum Abschluss. Ich und meine Freundinnen fahren relativ wortkarg nach Hause, werden uns aber in den kommenden Tagen noch oft über die Erfahrung unterhalten. Die Freundin, die von Anfang an wirkte wie ein Schwitzhüttenprofi, möchte unbedingt wieder hin, ich habe erst mal genug.

Wem kann ich das nun empfehlen? Erst mal allen, die Selbsterfahrung mögen. Sich mit sich selbst auseinandersetzen können und wollen. Die Dinge zulassen, an die sie vielleicht nicht selber glauben. Und natürlich allen, die sowieso Zauberwesen sind und solche Erfahrungen schätzen und lieben. Für mich war es ein einmaliges, großes und bedeutungsvolles Abenteuer. Aber ehrlich gesagt ziehe ich ein intensives Gespräch in einer gemütlichen Küche bei einem Glas Wein vor. Missen möchte ich trotzdem nicht, was ich erlebt habe. Wegen der vielen Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen ich kleiner Mensch nicht den Hauch einer Ahnung haben kann….

Foto Galerie

Gerlinde und das schamanische Ritual, Körzin, 14547 Beelitz

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