Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Einfach zum Fürchten!

Einfach zum Fürchten!
Unsere Gerlinde ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Der Zirkus des Horrors hat's geschafft.
Rheingauviertel - Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal: ... würde sich der Osterhase wahrscheinlich die langen Löffel über die Augen klappen und fest zuhalten!

Es gibt so viele Dinge in dieser Stadt, die man gesehen haben kann, weil sie gut sind. Und es gibt viel Mist. Und es gibt, ganz hin und wieder, Dinge, die man gesehen haben muss! Dazu gehört definitiv der Zirkus des Horrors auf dem zentralen Festplatz am Kurt-Schuhmacher-Damm. Ich mache das hier mal offiziell und schriftlich: Ich habe in dieser Stadt noch nie eine bessere Show gesehen.

Dabei geht alles schon mal gar nicht so wahnsinnig toll los. Am Eingang des unfassbar großen Zeltes stehen Erschrecker, verkleidet als Zombies, die schon ein bisschen auf den Putz hauen. Die Mädels kreischen, mich nervt das ein ganz kleines bisschen. Ich bin hartgesotten und mit Horrorfilmen quasi aufgewachsen. Es wird schwer sein, mir Angst einzujagen. Auch der dunkle Gang, durch den wir zunächst laufen müssen, ist ungefähr so beeindruckend wie eine alte Geisterbahn, ein paar Fetzen hängen von der Decke und ein Plastikgerippe steht unmotiviert und sehr ungruselig in der Ecke.

Kaum stehe ich an der Manege, geht es allerdings los mit der Sprachlosigkeit. Das ist das größte Zelt, in dem ich je gewesen bin. Menschenmassen verteilen sich, Familien (mit größeren Kindern!) suchen ihre Plätze, manche Gruppen sind gruselig geschminkt, der Duft des Zirkus ist berauschend.

Extreme Artistik

In den nächsten Stunden sitze ich wie gebannt auf meinem Platz und staune mit offenem Mund. Klar habe ich schon eine Schlangentänzerin in meinem Leben gesehen. Aber was die hier kann, ist einfach nicht mehr erklärbar. Offenbar hat sie keinen Knochen im Leib. Wie kann man eine Brücke machen und einmal mit den Beinen um seinen eigenen Körper laufen? Wie eine Spinne?

Alle Artisten sind gut geschminkt, eine Mischung aus Monstern, Zombies und Dämonen. Dazu läuft Musik, die wirklich perfekt passt und mitreißt. Düster und endzeitlich wie Marilyn Manson und Sisters Of Mercy. Zwischendurch tanzen Mädels wie kaputte Spieluhrballettpüppchen über die Bühne. Das Todesrad ist meine Lieblingsnummer. In schwindelerregender Höhe rennen die Jungs ohne Sicherung in und über zwei riesige, schwebende Laufräder.

Selbst der Clown ist toll, und eigentlich mag doch niemand Clowns. Dieser ist schwarz gekleidet und wird in einem Leichensack und Zettel am Zeh in die Manege gerollt. Er ist frech und pöbelt, im Grunde sagt er viel: „Scheiße“ und „Arschloch“. Das Publikum gröhlt, solchen Enthusiasmus bei einer Vorstellung habe ich in dieser Stadt so noch nicht erlebt. Der gute Geschmack geht schon hin und wieder flöten in dieser Show. Aber der passt auch in eine Gruselshow nicht unbedingt. Alles ist schmutzig und laut und dreckig – sexy.

Hier bleibt einem die Luft weg

Einmal musste sogar ich wegschauen. Da ziehe ich heute noch den Hut. Mich zu erschrecken ist nicht leicht. Es gibt eine Nummer, in der ein breiter, halbnackter Kerl, Typ Kirmesringer, sich an Haken, die durch seinen Rücken in die Haut gestochen werden, in die Luft ziehen lässt. Und so über dem Publikum schwebt. Selbst beim Schreiben wird mir anders. Was die Künstler hier abliefern, ist wirklich Weltklasse. Die Anstrengung ist allen ins Gesicht geschrieben. Vom schnellsten Jongleur, den ich je sah, bis zur Hula-Hoop-Artistin, deren Reifen brennen, auf dem Boden und auch in der Luft.

Empfohlen ist die Show ab 14 Jahren, ich kann es als Kind des Horrors nicht wirklich einschätzen. Nerven sollte man haben. Trotz des Hauchs des Todes, der hier mit Gruselgestalten durchs Zelt ziehen soll, habe ich mich lange nicht so lebendig gefühlt. Großer Applaus!

Übrigens: der Zirkus des Horrors gastiert noch bis zum 24. April in Berlin.


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Zentraler Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm, Kurt-Schumacher-Damm 207, 13405 Berlin
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