Ausstellung in Gesundbrunnen

Neues aus "Germania"

Neues aus
Das neue Flakturm-Modell in der Ausstellung "Mythos Germania". Zur Foto-Galerie
Gesundbrunnen - Zwischen 1935 und 1943 entstanden in Berlin Pläne für einen Total-Umbau der Reichshauptstadt. Adolf Hitler wollte "Germania" erschaffen, Monumentalstadt und Zentrum des von ihm angestrebten großdeutschen Imperiums. Die Ausstellung "Mythos Germania" analysiert Architektur und Städtebau in der Nazizeit - und ist nun um ein spektakuläres Flakturm-Modell reicher.

Die Ausstellung Mythos Germania – Vision und Verbrechen, befindet sich in einem Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Gesundbrunnen informiert auf mehreren hundert Quadratmetern über die bautechnischen, sozialen und ideologischen Hintergründe von Germania. Und setzt sie in den Kontext der zahllosen Nazi-Verbrechen: Vertreibung, Deportation und Zwangsarbeit. Vor allem der Architekt Albert Speer spielte dabei eine zentrale Rolle.

Das Ziel der Ausstellung – einem Gemeinschaftsprojekt des Vereins „Berliner Unterwelten“ und des „Center for Metropolitan Studies“ der TU Berlin – besteht weniger darin, baugeschichtliche Einzelheiten des monumentalen Architekturprojekts zu erläutern oder einen Überblick über die Planung unterschiedlicher Gebäude und Straßenzüge zu liefern. Stattdessen soll aufgezeigt werden, wie die Planungs- und einige bereits in Angriff genommene Bauarbeiten mit einer menschenverachtenden Umsiedlungs- und Zwangsarbeitspolitik einhergingen.

Radikal und skrupellos plante Speer sein Projekt, ganze Stadtviertel sollten abgerissen und die dort lebenden Menschen in neue Wohnquartiere umgesiedelt werden. Da ein Großteil des im Dritten Reich vorhandenen Baumaterials ab 1938 jedoch in die Rüstung floss, forcierte der Architekt systematisch die Vertreibung der in Berlin lebenden Juden aus ihren Häusern, um Wohnraum für die von der “Neugestaltung“ betroffenen “Arier“ zu schaffen. Es folgte die Ghettoisierung der “rechtlosen“ Juden und schlussendlich die Deportation in Konzentrations- und Arbeitslager. Die Ausstellung dokumentiert dies unter anderem anhand eines Bauplans, auf dem “judenfreie“ Bezirke eingezeichnet sind.

Der neue Flakturm

Darüber hinaus beleuchtet das Projekt die Kooperation Speers mit der SS, die zum einen für die Vertreibung der Juden aus ihren Häusern sorgte und zum anderen die Arbeitslager leitete, aus denen ein Großteil des Rohmaterials für Germania stammen sollte. Unter unmenschlichen Bedingungen förderten Häftlinge Steine und brannten Ziegel, die für Monumentalbauten wie die Große Halle oder den Triumphbogen benötigt wurden. Speer unterstütze die SS außerdem bei der Gründung eines eigenen Konzerns, der neue Konzentrationslager in der Nähe von Steinbrüchen errichtete.

Blick in die Schau "Mythos Germania". (c) Frieder Salm

Die Schau Mythos Germania – Vision und Verbrechen liefert wird ergänzt von der Sonderausstellung Kriegsbunker als Stadtdekoration – NS-Planungen für die Friedenszeit. Dort ist ab dem 24. März ein neues Großmodell des Flakturms Humboldthain zu sehen. Das2,16 Meter lange und 1,14 Meter hohe Exponat aus Holz entstand anhand originaler Fotoaufnahmen sowie mithilfe von Abmessungen am Originalturm. Um es transportabel zu machen, wurde es in zwölf einzelnen Segmenten konstruiert. Die Bauzeitfür das Modell im Maßstab 1:35 betrug von der ersten Zeichnung bis zur Fertigstellung sechs Monate – also genaudie gleiche Zeit, die damals der Bau des echtenFlakturms Humboldthain benötigte.

Die Ausstellung Mythos Germania ist ab sofort ganzjährig geöffnet. Mehr Infos erhältst du unter www.mythos-germania.de.

 

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