Scherzartikel und Kostüme in Schöneberg

Der spaßige Dauerbrenner

Welchen Affen nehme ich bloß?
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Das wünschen wir uns doch manchmal: für einen Moment wieder Kind zu sein und uns, umgeben von einer märchenhaft bunten und lustigen Welt, einfach nur scheckig zu lachen. Der Ort, an dem das geht, heißt Deko-Behrendt. Seit fast 100 Jahren bietet der Laden in Schöneberg allerlei Buntes und Scherzhaftes – nicht nur zur Karnevalszeit.

Wenige Schritte in den Laden hinein, wenn man die Regale mit den schnöden Plastiktellern und Papierservietten hinter sich gelassen hat, verblasst das Tageslicht und der lang gestreckte, schmale Raum führt in eine zauberhafte Fantasiewelt, die man schon längst verloren glaubte: Knallfrösche und Juckpulver, falsche Bärte und Brusthaartoupets, rote Pappnasen, Indianermesser, Piraten-Augenklappen, Plastikspinnen, Gruselmasken, Pupskissen, Lachsäcke, Perücken in Gelb, Grün oder Rosa, Scherzkekse mit darunter versteckten Kakerlaken. In schlichten Pappkartons, aufgereiht in uralten Holzregalen und mit handgeschriebenen Preisschildern versehen, sind die fantastischen Verkleidungsgegenstände und die die skurrilen Scherzartikel zum Greifen nah. Alles möchte man anfassen, anziehen, aufsetzen, ausprobieren. Von der Decke hängen Mond-Lampions und altmodische Papiergirlanden. Willkommen in der Kindheit.

Manchmal ist der Andrang so groß, dass der Laden einen Türsteher braucht

Ihre Fantasie können die Kunden beispielsweise zur Faschingszeit so richtig ausleben. Da sucht eine Dame Flügel zu ihrem Kostüm, ein Paar möchte Gesichtsmasken im Dalmatinerlook und eine Mutter braucht ein Pferdekostüm für ihren Sohn, in der Größe 104. Und genau das bekommen sie auch prompt, es ist, als seien diese Wünsche das Selbstverständlichste der Welt. Die Faschingszeit sind für das zehnköpfige Team von Deko-Behrendt die anstrengendsten Wochen im Jahr: „100 Kunden haben 100 Wünsche in 200 verschiedene Größen“, erläutert Jörg Reisemann, der seit 12 Jahren den Traditionsladen leitet, selbst aber überraschend nüchtern, eben geschäftsmäßig wirkt. Die Flut von Anfragen wachse sich dann zu einer „Herausforderung“ aus. Wieder und wieder wird dann Nachschub aus dem Kellerlager und einem kleinen Raum im Hinterhof geholt.

Deutlich übersichtlicher geht es zu Halloween zu: Umso gruseliger, desto besser, fasst Reisemann die Wünsche zusammen. Gewählt wird aus sieben unterschiedlichen abgeschnittenen Plastikhänden, diversen Narben, die auf die Haut aufzutragen sind und selbstverständlich Umhängen und Hexenhüten. Für diesen „Horror“ nehmen die Kunden auch Wartezeiten gern in Kauf. Wer an einem 31. Oktober an der Hauptstraße 18 vorbeikommt, sieht die langen Schlangen auf dem Gehweg, Menschen, die geduldig warten, bis sie eingelassen werden. „Wenn wir die Kontrolle über den Laden verlieren, machen wir zu“, sagt Reisemann. Ein Türsteher gewährt dann nur Eintritt, wenn drinnen wieder ein wenig Luft ist, und ohne zusätzliches Personal geht sowieso nichts.

Jede Generation kauft dieselben Scherzartikel

Zu diesem Erfolg führen Deko-Behrendt nicht etwa fesche Marketingexperten. Der Laden wirkt im Gegenteil wie aus der Zeit gefallen. DieSchaufensterdekoration ist schlicht, besteht oft aus nur unwesentlich mehr als zwei Kostümen, Werbung wird nicht gemacht. Der Laden, den 1914 Georg Behrendt als Geschäft für Schaufensterdekoration und Festartikel gründete, muss wohl Generationen von Familien als Stammkunden haben. Über die Jahre und Jahrzehnte haben die Betreiber die Räumlichkeiten ausgebaut. Die dunklen Holzregale stammen mindestens aus den fünfziger Jahren, so genau weiß das niemand mehr, denn irgendwie waren sie schon immer da. Der Rechnungsblock auf dem Tresen hat das originale Design von 1952, mit einer Zeichnung des Ladens in Hellblau. Der Name Deko-Behrendt blieb, wenn auch die Eigentümer wechselten: Nach dem Krieg fehlte es an Geld für ein neues Geschäftsschild – und als das Geld schließlich da war, wollte keiner mehr auf den eingeführten Markennamen verzichten.

Die Zeit scheint stillzustehen, jedenfalls bei den Scherzartikeln. Juckpulver hat es offenbar nicht nötig, dass jemand der kleinen Papiertüte mit braunem Aufdruck einen neuen „Look“ verpasst. „Hundekot mit seitlichem Klebestreifen zum Unterkleben unter den Schuh“ verkauft sich in dieser Stadt, in der man täglich der Gefahr ausgesetzt ist, in wirkliche Hundehaufen zu treten, überraschenderweise immer noch. Gerade wegen dieser Zeitlosigkeit ist der Laden Kult. Er führt Generationen zusammen: Da empfiehlt eine Mutter ihrem Sohn das womöglich Beste aus einer Auswahl von Pupskissen. „Die haben wir damals auch mal dem Onkel unter den Po geschoben.“ Selten arbeiten zwei Generationen in solcher Eintracht an derselben Sache.

Viele Firmen sind Kunden

Zu den wichtigsten Kunden zählen das Hotel-und Gastronomiegewerbe sowie Cateringfirmen, die Lackfolien, Girlanden und Stoffe für Dekorationszwecke einkaufen. Die Fanmeile der Fußball-WM belieferte Deko-Behrendt genauso wie die Fernsehproduktion von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die durchaus im September eine Delegation in den Laden schickt, um Weihnachtsdeko zu erstehen. Selbst in der Werbebranche ist Deko-Behrendt eine bekannte Vokabel, etwa wenn eine besonders originelle Idee für eine neue Internetseite her muss.

Dennoch, die wahren Dauerbrenner im Sortiment sind ganz einfache Dinge. Der nüchterne Geschäftsführer Reisemann wirkt beinahe selbst amüsiert, wenn er auf das „Papphutphänomen“ zu sprechen kommt: „An Silvester kaufen die Leute für 50 Cent einen Papphut, setzen ihn auf und freuen sich“, sagt der Ausstatter des Frohsinns und ein verwundertes Lächeln huscht über sein Gesicht.

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Quelle: Der Tagesspiegel

Georg Behrendt Dekorations- und Festartikel GmbH - GESCHLOSSEN, Hauptstraße 18, 10827 Berlin

Telefon 030 7814906
Fax 030 7820586

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Montag bis Freitag von 10:00 bis 19:00 Uhr
Samstag von 10:00 bis 16:00 Uhr
Verlängerte Öffnungszeiten Samstags siehe auf der Website

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