Kunstaktion Story for Food

So wertvoll sind deine Geschichten

So wertvoll sind deine Geschichten
Christina wünscht sich eine alternative Wirtschaft, die auf einem Tausch von Wertecoupons gegen Geschichten basiert.
Im Story Van im Garten des Acud gibt es derzeit ein spezielles Projekt namens Story for Food: Für eine Geschichte, die du erzählst, bekommst du einen Gutschein für Essen oder Trinken in einem von elf Berliner Cafés.

Christina Kyriazidis Projekt Story for Food lebt nicht von Geld, sondern vor allem von einer großen Leidenschaft: dem Geschichtenerzählen. Die 38-jährige Künstlerin ist überzeugt davon, dass man durch das Anhören fremder Erzählungen selbst etwas für sich und sein Leben mitnehmen kann. Bei einem Artist Incubator Treffen 2016 in Wien kam sie auf die Idee, ein soziales Projekt mit einer Leidenschaft zu verbinden dem Storytelling. Zwei Jahre, über 200 Geschichten und unzählige kreative Stunden später, steht da nun dieser schrullige, umgebaute Van Idling Mobile der Künstlerin Ann Schomburg, den Christina für ihr Projekt nutzen darf. Auf einer gemütlichen Sitzbank, gegenüber eines elektronischen Kamins mit einer Bücherregal-Fototapete hängen bunte Kopfhörer an MP3 Playern. In diesen kleinen, technischen Geräten schlummern die Worte und Erfahrungen ganz unterschiedlicher Menschen: „There is no-one you couldn’t learn to love, if you heard their stories“, klebt als Poster neben mir an der Wand.

In dieser gemütlichen, von der Außenwelt abgekapselten Atmosphäre kann man sich 29 Geschichten in verschiedenen Sprachen anhören: über Liebe, Verlust, Ängste, Begegnungen und das Leben. „Es sind lustigerweise viele Geschichten über Großmütter dabei“, sagt Christina. Es gäbe aber auch dramatische Erzählungen über Missbrauch, Krieg, Flucht und #metoo. Ihre Lieblingsstory handelt von einem alten Mann in Griechenland, der nach drei Jahrzehnten ein Versprechen einlöst und erkennt: Liebesgeschichten hat man nicht nur mit Menschen, mit denen man intim ist. Auch ich traue mich und erzähle eine Geschichte aus meinem Leben – seltsam, dass ich dabei so nervös bin. Überhaupt: Erst mal ein Thema zu finden ist schon unglaublich schwierig. Würde mich jemand spontan nach einer Geschichte fragen, würde mir erstmal gar nichts einfallen. Ab wann ist ein Erlebnis eigentlich eine Geschichte und ab wann ist sie es wert, erzählt zu werden?

Das Innere des Vans mit dem Plakaten und einer Kuscheldecke im oberen Teil.

So kuschelig sieht der Van innen aus.

Die eigenen Geschichten wertschätzen

Christina sagt, dass viele jungen Menschen dasselbe Problem haben und sie die Frage „Was ist eine Geschichte?“ überraschend oft hört. Viele sind der Meinung, dass sie nichts so Bedeutendes erlebt hätten, das aufgezeichnet und aufgehoben werden sollte. Dabei darf man im Story Van sogar fiktive Geschichten erzählen, wie ich von der ehemaligen Schauspielerin erfahre. Die einzige Regel der Story Economy ist, dass die Story noch nirgends aufgezeichnet wurde – schließlich geht es darum, unerzählte Geschichten vor dem Vergessen zu retten. Also am besten, nicht zu viel darüber nachdenken, sondern einfach loserzählen. Ich sitze im Van, konzentriere mich auf das Mikrofon und versuche, spannend zu erzählen. Gar nicht so einfach. Als Belohnung bekomme ich danach, so wie jeder Geschichtenerzähler, einen Gutschein für eines von derzeit elf Cafés in Berlin. Mit dabei sind unter anderem das Frollein Langer, das Myxa, The Circus, Unser Café und Das KAPiTAL. Es sollen aber im Laufe der Zeit immer mehr werden.

In einigen dieser Cafés gab es auch schon früher Veranstaltungen von Christina, die auch Workshops zum Thema Storytelling oder sogar Story Cinemas veranstaltet, bei dem man als Gruppe mit Kopfhörern im Dunklen sitzt und sich Stories anhört. Eine weitere, spannende Veranstaltungsreihe der Story Economy sind Events, bei denen ausgewählte Geschichten künstlerisch übersetzt werden, zum Beispiel in Speisen (FOODBACK), Musik (MUSICBACK), Kunstobjekte (ARTBACK) und Lieder (SONGBACK). Die unglaublich lebensfrohe Griechin, die schon seit elf Jahren in Berlin lebt, will aber noch mehr: Ihr Traum ist es, eines Tages ein ganzes Story Café zu haben, in dem man nur mit Geschichten zahlt. Außerdem plant die Künstlerin ein Live-Broadcasting der gesammelten Erzählungen im Radio. Damit dieses einzigartige, so besondere Projekt überleben kann, gibt es noch den ganzen Juni ein Crowdfunding. Denn, wie es so schön auf einem der Plakate steht: „After nourishment, shelter and companionship, stories are the thing we need most in the world.“

 

Bis zum 30. Juni kannst du jeden Tag zwischen 18 und 23 Uhr zum Story Van im Acud kommen und deine Geschichte gegen einen Wertcoupon eintauschen. Die Kunstaktion „Save your Story“ wird noch bis 18. Juli verlängert, unklar ist aber noch, wo es dann weitergeht. Mehr Infos zu Story for Food.

ACUD-Theater, Veteranenstr. 21, 10119 Berlin

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