Griechische Residenz in Tiergarten

Der Botschaft neue Kleider

Lange stand die einstige griechische Botschaft vor dem Verfall. Jetzt wurde sie abgerissen und ist im Wiederaufbau.
Lange stand die einstige griechische Botschaft vor dem Verfall. Jetzt wurde sie abgerissen und ist im Wiederaufbau. Zur Foto-Galerie
Wer zur griechischen Botschaft in Berlin will, muss zurzeit zwischen sieben Standorten hin- und herpendeln. Mit der Restaurierung einer alten Ruine und ehemaligen Botschaft soll sich das bis Anfang 2013 ändern.

Diese Botschaft will uns etwas sagen: Schaut, wir können etwas, wir sitzen nicht nur rum. Aus der Ruine erstehen wir in neuem Glanz. Noch wird die griechische Botschaft zwischen Hiroshimastraße 11 und Hildebrandstraße 4 von Baugerüsten verdeckt. Neben den anderen Botschaften klaffte lange eine unansehnliche Ruine im sonst so erhabenen alten Diplomatenviertel in Tiergarten. Nun will Dimitris Rallis, Griechenlands Botschafter in Berlin, dass sich bis Ende dieses Jahres das Gebäude wieder sehen lassen kann.

Bau und Verfall

1912 bezog der Fabrikant Sigmund Bergmann seine frisch von Robert Leibnitz errichtete neoklassizistische Villa. Nur acht Jahre später, 1920, wurde sie Sitz der griechischen Botschaft und fungierte als selbige bis die deutschen Truppen in Griechenland einfielen.

In den Nachkriegsjahren kümmerte sich die britische Militärverwaltung um den Erhalt des Gebäudes. Erst in den 1980ern wurden neue Gerüchte um den Bau laut, nach denen er für eine griechische Kulturstätte oder ein internationales Finanzdienstleistungsinstitut herhalten sollte. 1988 wurde er kurz von der Kulturministerin Melina Mercouri inspiziert, dann machte ihm ein Feuer den Garaus. Obdachlose fanden dort eine Bleibe. In der alten italienischen Botschaft hatte man die Akademie der Wissenschaften geplant. 1989 wurde die Idee laut, auch die Ruine in den Komplex einzubinden.

Mit dem Fall der Mauer wurden auch diese Pläne umgemäht.“Es gab schon gleich nach dem Krieg Ideen, das Haus als Generalkonsulat zu nutzen“, erinnert sich Botschafter Dimitris Rallis, „aber das Gebäude war zu groß für eine zu kleine Behörde. Ich war von 1977 bis 1981 in Ost-Berlin an der Botschaft und habe das Gelände immer wieder besucht, es war ein trauriger Anblick.“

Botschafter Dimitris Rallis in der griechischen Botschaft

Mit Respekt vor der Geschichte

Schließlich war die Verfassung des Hauses so schlecht, dass man zu dem Schluss kam, die leere Gebäudehülle dem Erdboden gleichzumachen und möglichst penibel im ursprünglichen Still wieder aufzurichten. Ein Neubau soll an Stelle des alten Gartens hinzukommen. „Wir wollen es so restaurieren, wie es war, aus Respekt vor der Geschichte der Stadt“, unterstreicht Rallis. Das Projekt werde höhere Kosten fordern als ein normaler Neubau. Jedoch habe man kalkuliert, dass die Ausgaben von 15 Millionen Euro von den Miet- und Personalkosten an den sieben über Berlin verteilten Zweigstellen um einiges überragt werden.

Das Büro Obermeyer und Doxiadis Associates plante die Verbindung von Neubau und Rekonstruktion. Der Neubau im Garten soll leichtfüßig und mit vier Etagen daherkommen. Solarpaneele und Glasfassaden unterstreichen das moderne Design. Im Inneren der Botschaft wird ein Atrium mit recycelten Backsteinen und bodenlangen Fenstern klassischen Charme verströmen. Zählt man die Residenz mit, so erstreckt sich die Fläche auf 6500 Quadratmeter Fußboden. Dieser wird in der ehemaligen Ruine mit Parkett bedeckt. Das neue Gebäude wird durch edlen Marmor geschmückt, der aus einem Berg stammt, der bereits für die Akropolis Steine ließ.

„Wir haben leider keine Fotos von innen, wir forschen nach ihnen in Stadtarchiven. Für Hinweise sind wir sehr dankbar“, erläutert Botschafter Rallis. „Wir würden die Räume dann nach diesen Fotos auch nachträglich noch restaurieren.“ Bauleiter Antonis Anyfantis geht davon aus, dass der Einweihungstermin eingehalten werden kann: „Wir werden wohl Ende des Jahres, Anfang nächsten Jahres fertig, auf jeden Fall vor dem Berliner Flughafen.“ Er möge es hier und könne auch erwägen, seinen Besuch zu verlängern. „Jetzt geht es mit Griechenland besser“, sagt er, doch bei der Partie zwischen Deutschland und Griechenland heute Abend sieht er eher schwarz.. Botschafter Rallis macht was er am besten kann. Seine diplomatische Antwort lautet: „Möge der Bessere gewinnen.“

Modell der griechischen Botschaft

Foto Galerie


Quelle: Der Tagesspiegel

Der Botschaft neue Kleider, Hiroshimastraße 11, 10785 Berlin

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