Grillen mit Hindernissen

Den Parkwächtern stinkt's

Beim Parkfest auf dem Tempelhofer Feld wird gegrillt. Bei gutem Wetter kann es hier voll werden.
Beim Parkfest auf dem Tempelhofer Feld wird gegrillt. Bei gutem Wetter kann es hier voll werden.
Grillen im Sommer ist für viele das Highlight der Saison. Nicht so jedoch, wenn man sich mit anderen Wurstbrätern um wenige Quadratmeter und das letzte bisschen frische Luft streiten muss. Seitdem der Tiergarten das Grillen verbietet, wird es in anderen Parks eng.

Die Erinnerung daran, wie das Grillverbot im Tiergarten im Frühling durchgesetzt wurde, ist noch frisch. Jetzt ist das Problem mit Lärm und Rauch weg. Es ist so still, dass man die Vögel zwitschern hört und nicht vom Anblick der blühenden Rhododendronbüsche abgelenkt wird. Außer einem Paar beim Picknick und einer Ordnungsamtsstreife war am Pfingstsamstag niemand auf den Grünflächen in der Nähe der John-Foster-Dulles-Allee zu sehen.

Des einen Freud ist des anderen Leid

Die Grillmeisterfamilien, die noch vor einem Jahr zum Bild des Tiergartens gehörten, schnuppern inzwischen die Luft der Tempelhofer Freiheit. Dort gab es schon vor einem Jahr fröhliche Würstchenbräter. Nun wird es durch die ausweichenden Grillfreunde, die dazukommen, eng. Das gute Klima droht, verpestet zu werden. Dafür können aber nicht einfach nur die Exil-Tiergärtner verantwortlich gemacht werden. Das Barbecue im Park ist in. Da, wo das Schwenken der Grillzangen erlaubt ist, strömen die Massen hin und hinterlassen Müll sowie Brandlöcher im Rasen. Auch Sachbeschädigung und generelle Rücksichtslosigkeit sind verstärkt zu beobachten, wobei die Klientel, seien es Teenager, Großfamilien oder Hipster, keinen Unterschied bei den Problemen macht.

In Mitte freut sich der Ordnungsstadtrat Carsten Spallek von der CDU, wie wunderbar das Problem gelöst worden sei. Der Tiergarten wäre „wesentlich sauberer“, sagte er. „Dass nun die Leute mit Picknickkörben den Park entdecken“, ist auch für das Grünflächenamt wünschenswert. Während man in Mitte vom schönen neuen Grün träumt, stapeln sich in Tempelhof die Griller. Das gleiche Spiel ist in Treptow zu verfolgen. Im Treptower Park darf man nicht mehr auf der Spreewiese brutzeln. Dafür wird an der Puschkinallee der Schlesische Busch von den Spreewiesen-Familien bevölkert. Platznot und Müllberge sind da inklusive.

Am Tempelhofer Feld wird es brenzlig

Bis vor kurzem galt das Grillvergnügen auf dem Tempelhofer Feld als besonders gesittet und sauber. Die Müllcontainer sind in rauen Mengen vorhanden und werden sogar nach Parkschluss am Samstag von der Grün Berlin GmbH zur Wochenendshalbzeit  geleert. So wird verhindert, dass die Container bei hohem Andrang zu sehr überquellen und noch bis Dienstag die Luft mit ihrem Dunst erfüllen, wie es in den Parks der meisten Bezirke der Fall ist. Michael Krebs, Parkmanager vom Tempelhof, hält die Lage für „weiter entspannt“. Aber Beschwerden über „Schmuddelecken“, oder über „Leute, die ihren Abfall einfach fallen lassen und drauflosschmurgeln, egal, ob sie die Nachbarn dabei in Schwaden hüllen“, hört man vermehrt auf den Grillplätzen.

Am Columbiadamm sind die Wiesen eigentlich für Picknicks gedacht. Unbedachte Griller ziehen nun dort den Ärger von Familien auf sich, die nicht zur Räucherware gemacht werden wollen. Oft enden Aufforderungen der Parkwächter, das Grillen zu beenden in Streit oder werden hinterrücks ignoriert.

Dabei sieht Grillfreude teilweise anders aus als auf dem Tempelhofer Feld. Wer mit dem Auto anrückt, kann meist eine Weile nach dem geeigneten Parkplatz suchen. Ist dann der Wagen entleert, geht es über weite Strecken mit oft sehr stattlicher Ausrüstung zum überfüllten Grillplatz. Das Flugfeld ist noch nicht lange ein Freizeitort. Es fehlt an genügend Bäumen, die vor der gleißenden Sonne schützen. Erhitzte Gemüter haben hier kaum Möglichkeiten zur Abkühlung, es sei denn, der teilweise sehr starke Wind, der den Sonnenschirm mitreißt, spendet eine wohltuende Brise.

Eine Lösung muss her

Sowohl der Volkspark Friedrichshain als auch der Monbijoupark und die Grillflächen am Blücherplatz sind ähnlich schlecht mit Parkmöglichkeiten bestückt. Trotzdem stürzen sich Freunde der Frischluftspeisung auch dort auf die letzten freien Quadratmeter.

Illegale Grillerei findet meist dann statt, wenn der vorhandene Grillplatz droht, überzuquellen. Dann zeigen sich entlang der Danziger Straße am Montag vermehrt Pappteller und Plastetüten, obwohl sich das Grauen offiziell auf den Bunkerberg beschränken sollte. Räuber und Gendarm spielt man im Monbijoupark, wo der Platz unter den S-Bahnbögen zu knapp geworden ist. Nun wird da „kreuz und quer illegal gebruzzelt“, wie sich Mittes Parkchef Harald Büttner beschwert. Besonders die Alu-Einweggrills seien störend. „Die hinterlassen Brandflecken im Gras.“ Verstärkte Streifen, angezogenes Bußgeld und „unübersehbare Verbotsschilder“ sollen nun die Wurstwüstlinge zur Räson bringen.

Ein anderes Konzept soll im Mauerpark und im Görlitzer Park für „klar Schiff“ sorgen. Die Anwohner der Parks werden bei ihrer Selbsthilfe zur Sauberhaltung von den Parkwächtern unterstützt – eine nette Idee, wenn denn auch ein paar Grillbesitzer mit anpacken.


Quelle: Der Tagesspiegel

Tiergarten Park und Grünanlage, Straße des 17. Juni 100, 10557 Berlin

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