Ein Abend in der Philharmonie

Großer Ohrenschmaus

Großer Ohrenschmaus
Die Berliner Philharmoniker machen unter der Leitung von Sir Simon Rattle nicht nur bei Auslandskonzerten eine gute Figur. Auch in Berlin begeistern sie das Publikum immer wieder aufs Neue.
Kulturforum - Ein Besuch in der Philharmonie lohnt sich eigentlich fast immer – allein die Architektur des Hauses ist ein Hingucker. Wenn dann noch Stardirigent Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker spielen, ist der Hörgenuss eigentlich vorprogrammiert. Ein Besuch beim Sibelius-Konzert am 7. Februar 2015.

Zugegeben, ich gehe nicht sehr regelmäßig in die Philharmonie. Vielleicht zu ein, zwei Konzerten im Jahr. Am vergangenen Samstag, den 7. Februar, hatte ich nun endlich mal wieder die Gelegenheit dazu und wurde prompt mit einem Ohrenschmaus der ganz besonderen Art belohnt. Auf dem Programm standen die 5., 6. und 7. Symphonie von Jean Sibelius (1865 bis 1957), der einst sagte: „Ich glaube wohl an die ethische Wirkung eines Kunstwerks, doch darf sich der Künstler ihrer nie bewusst sein.“ Ob die Wirkung des Konzerts am Samstag tatsächlich ethischer Natur war, kann ich nur schwer beurteilen. Aber auf eine tiefe Weise berührend waren die kunstvoll vertonten Kompositionen des finnischen Meisters allemal.

Gottes geöffnetes Tor

Den Beginn machten Rattle und die Philharmoniker mit der Symphonie Nr. 5, die zwar nur eine halbe Stunde dauert, an der Sibelius allerdings geschlagene fünf Jahre arbeitete, um sie zu perfektionieren. „Ich sitze noch fest, ich kann aber bereits den Berg erkennen, den ich sicher besteigen werde … Gott öffnet sein Tor für einen Augenblick, und sein Orchester spielt Symph. V.“, schrieb der Musiker 1914 in einem Brief. Die Gipfelbesteigung ist ihm gut gelungen – unterschiedlichste Stimmungsfacetten kommen beispielsweise durch Pizzicatos der Streicher (Saiten werden mit der Hand gezupft, nicht mit dem Bogen gestrichen), kühne Harmonien und starke Dissonanzen auf.

Die Berliner Philharmoniker schafften es am Samstagabend in eindrucksvollem Zusammenspiel und gewaltiger Fülle eben diese Facetten zum Vorschein zu bringen. Die Holzbläser kreierten – auch durch die 6. und 7. Symphonie hindurch – immer wieder eine liebliche und warmherzige Stimmung. Geradezu heroisch wirkten hingegen die Allegros (schnelles Tempo beim Spielen). Ganz besonders gut glückte dem Orchester das Finale der 5. Symphonie, bei dem die einleitende Passage der Streicher durch ein Hörner-Thema mit Holzbläser-Kontrapunkt abgelöst wird. In jenem Moment glaubte man als Zuhörer beinahe, die Rufe der 16 vorbeiziehenden Schwäne zu vernehmen, deren Anmut und Schönheit Sibelius seinerzeit zu dem berühmten Finalthema inspirierten.

 

„Das war seit Langem eines der besten Konzerte, das ich gehört habe – mit ganz viel Gänsehauteffekt und am Ende hatte ich sogar ein kleines Tränchen im Auge. Das passiert mir sonst eher selten!“

Philharmonie und Kammermusiksaal, Matthäikirchpl. 8, 10785 Berlin

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