Zürich-Grundschule: Jürgen Jaster geht

Abschied vom Schulleiter: "Dieser Mann ist unbeschreiblich"

Abschied vom Schulleiter:
Neuköllns Schulstadträtin Karin Korte (SPD) überreicht Jürgen Jaster einen wohlverdienten Präsentkorb zum Abschied. Zur Foto-Galerie
Sie werden ihn alle vermissen: Mit Jürgen Jaster geht der Leiter einer der beliebtesten Grundschulen Neuköllns in den Ruhestand. Einen rührenden Abschied bereiteten ihm nicht nur die Schüler – auch die Nachbarn vom Motorradclub waren dabei.

29 Jahre an einer Schule, davon 21 als deren Leiter – kein Wunder, dass Jürgen Jaster seine offizielle Verabschiedung in den Ruhestand am Donnerstag nahe ging. Kein Wunder vor allem auch deswegen, weil an der Zürich-Grundschule am Nordrand von Britz alle aufrichtig den Eindruck machten, ihren Direktor am liebsten noch lange behalten zu wollen. „Wertschätzend“, „zugewandt“, „ein Mann mit offenem Ohr, der sich für jeden Zeit nimmt“ – das waren Einschätzungen, die man an diesem Tag von verschiedener Seite und nicht nur in den Redebeiträgen hörte.

All diese Eigenschaften sind wichtig für einen Schulleiter, aber ob sie selbstverständlich sind? Zumal es auch an der Zürich-Grundschule Probleme gibt, die manchmal herausfordernd gewesen sein dürften. Im Einzugsgebiet an der Grenze zu Neukölln, direkt am Britzer Tunnel der Stadtautobahn, leben viele sozial schwächere Familien. Ein Großteil der Schüler hat Migrationshintergrund.

Fordernde Zeiten

Jürgen Jaster übernahm die Leitung 1997 zunächst kommissarisch, als seine Vorgängerin dienstunfähig wurde. Damals befand sich der Autobahntunnel gerade im Bau, im folgenden Jahrzehnt war die Schule selber dran: Hof und Turnhalle wurden saniert, ein Erweiterungsbau errichtet. Vor ein paar Jahren bekamen alle Klassenzimmer Whiteboards statt Tafeln. Rechtzeitig zum 125-jährigen Jubiläum 2013 war die älteste Bildungseinrichtung des Bezirks fertig modernisiert und hatte sich intern und extern einen guten Ruf erarbeitet. Heute stehen die Eltern Schlange, um ihre Kinder an der Zürich-Grundschule anzumelden.

Bei Jasters Abschied wurde eines deutlich: Der Schulleiter hat die Aufgaben und Ereignisse nicht nur von seinem Schreibtisch aus delegiert und gemanagt. Er war fast überall hautnah dabei. „Zur Einweihung des Sportplatzes ist er im Trainingsanzug gekommen“, wusste die neue Schulstadträtin Karin Korte (SPD) zu berichten. Sie bedauerte ansonsten, nicht länger mit Jaster zusammengearbeitet zu haben und richtete die Grüße der ehemaligen Bezirksbürgermeisterin und neuen Familienministerin Franziska Giffey aus, die den Termin ursprünglich hatte wahrnehmen wollen.

Auch der 44er Motorradclub schickte Vertreter zum Abschied des Schulleiters. ©QIEZ

Lockerer Abschied

Nach einem kleinen Schulfest am Vormittag, das in eine Abschiedsfeier mit Eltern und Schülern mündete, fand am Donnerstagnachmittag der etwas formellere Teil statt. Besonders förmlich wurde es aber nicht. Eine Drei-Mann-Band sowie Schülerinnen und Schüler sorgten für musikalische Auflockerung. Ein Film mit Schülerstimmen zu Jasters Ausscheiden sorgte für rührende und lustige Momente. Mehrere Kinder erzählten, wie der Schulleiter ihnen auch in nicht alltäglichen Situationen geholfen habe. Andere fanden, er sei „ein ganz netter Mann“ oder einfach „unbeschreiblich“.

Neben Reden von Schulangehörigen gab es auch Gratulanten, die dem Außenstehenden zunächst ungewöhnlich vorkamen. Mehrere Männer in Rockerkluft übergaben Jürgen Jaster eine Trophäe zum Abschied. Später klärte der scheidende Schulleiter QIEZ auf: Vor einigen Jahren hatte der benachbarte Motorradclub, die 44er, Probleme mit dem Bezirksamt und sollte seine Räumlichkeiten verlieren. Jaster und der damalige Bürgermeister Heinz Buschkowsky vermittelten – der Club konnte bleiben. Seither stehen Schule und Motorradfahrer in Kontakt, kümmern sich die 44er schon mal um die Security bei Schulfesten.

Vielleicht ist es diese Offenheit für andere, die Jaster zu so einem beliebten Schulleiter gemacht hat. Wer kann schon von sich behaupten, was der künftige Ruheständler noch zu QIEZ sagte: „Ich bin jeden Tag gerne zur Schule gekommen.“ Das vielleicht Schönste an seinem Abschied verkündete Jürgen Jaster in einer Rede: „Ich fühle mich immer noch fit, so dass ich mit Elan den neuen Lebensabschnitt angehen kann.“

Foto Galerie

Zürich-Grundschule, Wederstraße 49, 12347 Berlin

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