Brennpunkt-Grundschulen

Neues Jahr, weniger Förderstunden

Schulen mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund bekommen dieses Schuljahr weniger Förderstunden, weniger Freiraum.
Schulen mit hohem Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund bekommen dieses Schuljahr weniger Förderstunden, weniger Freiraum.
Wenn am Montag das neue Schuljahr beginnt, dann nicht mit einem Lächeln auf dem Gesicht der Grundschullehrer in Brennpunkt-Bezirken. Schon wieder gibt es Kürzungen - diesmal bei den Förderstunden. Die Lehrergewerkschaft ist bestürzt, die Grünen fordern, dass der Senat die Kürzung zurücknimmt.

Am Montag geht die Schule wieder los, aber mit noch weniger Lehrern als Berlin sowieso schon hat. Grundschulen mit hoher Migrationsquote sind die Leittragenden. Knapp fünfzig Stellen fallen weg, die für Förderstunden eingesetzt wurden, gab die Bildungsverwaltung an, nachdem die Lehrergewerkschaft GEW das Problem vergangenen Donnerstag ansprach. Als „absurde Kürzung“ bezeichneten dies die Grünen.

An Schulen in sozialen Brennpunkten haben oft  zwei von fünf Schülern einen Migrationshintergrund. Mit dieser Voraussetzung bekamen Klassen den Zuschuss für alle Förderstunden, auch wenn die Klassenstärke 24 Kinder unterschritt. Sind es nur zwei Schüler weniger, wird eine Stunde abgezogen, bei 21 Schülern ist es noch eine Stunde weniger.

Unverständnis bei den Lehrenden

Der Grundschulverband ist aufgebracht. Die Vorsitzende Inge Hirschmann sagt: „Wer individuelle Förderung will, muss individuelle Förderstunden bereitstellen“. Die Schulleiterin der Heinrich-Zille-Grundschule in Kreuzberg versteht auch nicht, warum Personal abgezogen werde, wenn die Probleme in den Grundschulen sozial schwacher Bezirke weiter anhielten.

„Die Kürzung ist ein Skandal“, lässt die Schulleiterin der Weddinger Erika-Mann-Grundschule, Karin Babbe, verlauten. Die SPD habe doch die Förderstunde als „kompensatorischen Ansatz“ bezweckt. Daher mache es für sie keinen Sinn, dass Sandra Scheeres, die SPD-Senatorin, diese Entscheidung getroffen habe.

Enttäuschte Erwartungen

Das Erstaunen ist unter anderem deswegen überall groß, weil die Koalition den Vorsatz hatte, weitere Kürzungen zu vermeiden. Immerhin erreicht Berlin bei vergleichsarbeiten nie eine besonders gute Platzierung und die Schulanfangsphase birgt einige Problem. Somit gingen die Schulen nicht von dem Abbau aus, sondern erwarteten eher, nachdem die Sekundarschule reformiert sei, kämen auch sie an die Reihe. „Man braucht für gute Qualität genug Leute“, weiß Babba, deren Schule oft Auszeichnungen erhielt – trotz der Lage im Brennpunkt.

Bei der Bildungsverwaltung ist die Verblüffung über den Lehrer-Ärger groß. Die kritisierte Zuteilung der Stunden sei längst bekannt, behauptete Sprecherin Beate Stoffers. Der Landesschulbeirat habe schon im Frühling davon gewusst, sagt sie.

Grüne fordern Rückzug der Kürzung

Mit dieser Schilderung kann die GEW nicht konform gehen. Das gesamte Prozedere sei „nicht lauter“, meint die Vorsitzende Sigrid Baumgardt. Für sie scheint die Änderung ein Systemwechsel zu sein: Bisher bekamen ganze Klassen die Stunden zugeteilt, nun geht es nach der Zahl der Kinder, wie es oft in den Oberschulen der Fall ist.

In der Vergangenheit konnten durch die Förderstunden Theater- oder Leseprojekte mit geringer Schülerzahl realisiert werden. Im Allgemeinen steigerten die Stunden die Flexibilität. Özcan Mutlu von den Grünen merkte an, dass Mitte als Brennpunktbezirk 546 weniger Lehrstunden zur Verfügung haben wird. Seine Fraktion besteht beim Senat darauf, „die Kürzung sofort zurückzunehmen und die Grundschulen endlich besser auszustatten“.


Quelle: Der Tagesspiegel

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, Bernhard-Weiß-Straße 6, 10178 Berlin

Telefon 030 902275050

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