Guggenheim-Lab in Kreuzberg

Guggenheim gibt linken Protesten nach

Die Brache bleibt. Das „Guggenheim Lab“ sollte auf dem leerstehenden Grundstück an der Schlesischen Ecke Cuvrystraße entstehen. Jetzt sucht die Stiftung bereits zum dritten Mal nach einem Standort.Simulation: promo
Die Brache bleibt. Das „Guggenheim Lab“ sollte auf dem leerstehenden Grundstück an der Schlesischen Ecke Cuvrystraße entstehen. Jetzt sucht die Stiftung bereits zum dritten Mal nach einem Standort.Simulation: promo
Die New Yorker Guggenheim-Stiftung sagt ihre für den Sommer geplante Ideenschmiede am Spreeufer ab. Nach den Protesten von Anwohnern und Drohungen durch die autonome Szene scheint die Sicherheit der Veranstaltung nicht mehr gewährleistet werden zu können. Innensenator Frank Henkel spricht von einem großen Verlust für die Stadt.

Berliner Linksextremisten ist es augenscheinlich gelungen, das „BMW Guggenheim Lab“ in Kreuzberg zu verhindern. Eine offizielle Stellungnahme der international agierenden Guggenheim-Stiftung liegt bisher noch nicht vor, doch Informationen des Tagesspiegel zufolge, will die New Yorker Organisation ihr Projekt in Berlin absagen. Ursache für diesen Rückzug sind zahlreiche Drohungen, die aus der linken Szene gegen das Ideen-Lab ausgesprochen wurden. Damit scheitert die Idee, im Sommer am Kreuzberger Spreeufer eine urbane Kommunikationsplattform für Kreative zu schaffen. Hier sollten „Lösungsvorschläge für die Zukunft von Metropolen“ erarbeitet und Berlin als einer von neun Standorten in sechs Jahren einbezogen werden.

Keine Sicherheitsgewähr

Ohne ständigen Wachschutz, so ließ das Landeskriminalamt vergangene Woche erklären, seien Sachbeschädigungen und die Störung von Veranstaltungen anzunehmen. Damit würde die linksextreme Szene ihrer Wut über das Lab Ausdruck verleihen. „Für den Kiez bedeutet das geplante Lab eine weitere Aufwertung und eine Beschleunigung der ohnehin schon rasanten Mietsteigerungs- und Verdrängungsspirale. BMW hofft auf einen fetten Image-Zugewinn, und der Grundstückseigentümer natürlich auf eine schöne Wertsteigerung seines Grundstückes, auf dem in nicht so ferner Zukunft Luxuswohnungen entstehen sollen.“, so heißt es in einer Stellungnahme der Gegner.

Aus zwei Gründen erklärt der Staatsschutz die temporäre Einrichtung der Guggenheim-Stiftung zum potentiellen Ziel von Anschlägen. Das zweistöckige Gebäude wird durch die Autonomen zu einem Sinnbild für die „Gentrifizierung“, die langfristige Verdrängung der Mieter durch steigende Mieten. Außerdem steht der Vorwurf im Raum, dass die im Zweiten Weltkrieg durch den BMW-Konzern eingesetzten Zwangsarbeiter bisher nur ungenügend entschädigt wurden.

Bedauern aus der Politik

Für Innensenator Frank Henkel (CDU) ist der Rückzug der New-Yorker Stiftung ein „Verlust für Berlin“ und die Begründung der Absage müsse „beunruhigend“ für alle Verantwortlichen sein: „Diese Chaoten sind ein Standortrisiko für Berlin“. Kreuzbergs Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) schließt sich dem Bedauern an. Auch für ihn wäre das Lab ein Gewinn für die Stadt gewesen, nicht zuletzt weil kritische Meinungen zur Stadtentwicklung dort einen Raum gefunden hätten. Schulz spricht in diesem Zusammenhang von einem „Einknicken“ vor Gewalttätern, dies sei „falsch“.

Ende dieser Woche sollte die Bebauung des Grundstücks direkt an der Spree beginnen. Die Fläche steht seit Jahren im Fokus linker Aktivisten und wurde bereits im Juni 2010, innerhalb der Aktion „Media-Spree entern“, besetzt. Die Verlegung an diesen Standort wurde erst im Januar dieses Jahres verkündet, ursprünglich waren der Pfefferberg oder die Kastanienallee im Gespräch. Kreuzberg jedoch stellte für die Veranstalter schließlich die beste Basis für Kreativität und innovative Veranstaltungen dar.

Doch die Pläne haben sich zerschlagen. Nun wird Berlin vom 24. Mai bis zum 29. Juli nicht zur zweiten Station der weltumspannenden Reise des BMW Guggenheim Lab. Berichten zufolge sei Guggenheim gerade als jüdische Stiftung hoch sensibel gegenüber Anschlagsdrohungen aus dem rechten aber auch dem linken Lager. Diese Vorsicht soll die Entscheidung beeinflusst haben. Doch auch in New York hatte es bereits Proteste gegen die erste Station des Lab gegeben.

Rückzug mit ungewissen Folgen

Mit der Entscheidung gibt erstmals ein renommiertes Projekt den Angriffen aus dem autonomen Lager nach. Viele andere versuchen durchzuhalten. So muss sich etwa die O2-World seit ihrer Eröffnung im Jahr 2008 mit Sachbeschädigungen durch das linke Milieu auseinandersetzen. Der  Daimler-Konzern, der gleich nebenan eine neue Vertriebszentrale in Friedrichshain plant, lässt sich vom Landeskriminalamt beraten. Proteste wurden 2007 auch gegen die Eröffnung einer Kreuzberger Filiale der Restaurantkette McDonald’s laut und das „Carloft“ in der Reichenberger Straße wird seit jeher mit Steinen und Brandsätzen angegriffen.

Das letzte Kapitel um das Spreegrundstück ist mit dem Rückzug des Guggenheim-Lab noch nicht geschrieben. Der Besitzer des Areals, das Münchener Unternehmen „Ritter – Finest Real Estate“, möchte dort neben Wohnungen auch Büros und Geschäftsräume einrichten. Für Gentrifizierungsgegner nicht mehr als ein „Kommerz-Scheiss-Luxus-Projekt“. Für sie soll das Gelände an der Cuvrystraße weiter für alle offenstehen.
 


Quelle: Der Tagesspiegel

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Unter den Linden: das Museum Deutsche Guggenheim Berlin

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