Guggenheim-Lab

Absage beschäftigt den Senat

Die Brache bleibt. Das „Guggenheim Lab“ sollte auf dem leerstehenden Grundstück an der Schlesischen Ecke Cuvrystraße entstehen. Jetzt sucht die Stiftung bereits zum dritten Mal nach einem Standort.Simulation: promo
Die Brache bleibt. Das „Guggenheim Lab“ sollte auf dem leerstehenden Grundstück an der Schlesischen Ecke Cuvrystraße entstehen. Jetzt sucht die Stiftung bereits zum dritten Mal nach einem Standort.Simulation: promo
Mit dem stark kritisierten Guggenheim-Lab wird sich am heutigen Donerstag das Abgeordnetenhaus beschäftigen. Dabei will sich die Opposition gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, das Projekt sei von linken Randalierern verhindert worden.

Die Opposition verteidigt im Berliner Abgeordnetenhaus die Proteste gegen das von der Guggenheim-Stiftung geplante Ideen-Lab. Nach dem durch Sicherheitsbedenken begründeten Rückzug des Projektes aus Kreuzberg, waren aus Regierungskreisen scharfe Vorwürfe gegen Kreuzberger „Chaoten“ erhoben worden. Innensenator Frank Henkel bezeichnete Gegner des Projektes als „Standortrisiko für Berlin“.

Grüne, Linke und Piraten verwahren sich gegen diese Angriffe. „Genauso wie nicht jeder Investor in Friedrichshain-Kreuzberg ein ‚Gentrifizierer‘ ist, ist nicht jeder Kritiker eines Bauvorhabens ein gewaltbereiter‚ linker Chaot“, so Oliver Höfinghoff, Sprecher der Piratenpartei.

Ex-Senatorin Katrin Lompscher, Vertreterin der Linkspartei, verteidigte die Kritik am Projekt als „Ausdruck realer Befürchtungen“. Vorhaben wie das durch die Guggenheim-Stiftung geplante Ideen-Lab seien „klassische Katalysatoren“, die die Verteuerung der Bezirke beschleunigten. Die Proteste der Bürger müssten deshalb ernst genommen und nicht als Chaotentum verurteilt werden.

Keine Gewalt sondern berechtigter Protest

Grünen-Politiker Dirk Behrendt erstaunt, „mit welcher Naivität Guggenheim an das Projekt gegangen ist“. Keiner der Organisatoren scheint „ausreichend auf die Diskussionsfreudigkeit der Kreuzberger vorbereitet“ gewesen zu sein.

Gegen den offenen Vorwurf, die Stiftung habe sich vor Gewaltandrohungen zurückgezogen, verwehrten sich alle drei Oppositionspolitiker. Ein Vertreter der Initiative „BMW – Nee!“ kritisierte ebenfalls, dass „jeder Versuch des Widerstands gegen die soziale Spaltung der Stadt als ‘Gewalt‘ denunziert wird“.

Auch für den Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) ist die Kritik an der für den Sommer geplanten Kreativwerkstatt zu Unrecht als Bedrohung wahrgenommen worden. Er vermutet, dass „bei den Veranstaltern noch irgendetwas anderes mitgespielt haben muss“.

Vorgeschobene Gründe

Plötzliche Richtungswechsel der Guggenheim-Vertreter scheinen aus anderen Bezirken bereits bekannt zu sein. So hat der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) bis heute keine Begründung dafür erhalten, wieso sich die Organisatoren im letzten Jahr unvermittelt von den ausgereiften Plänen, das Ideen-Lab am Pfefferberg zu organisieren, zurückgezogen haben. Er hat den Standort nun erneut als Veranstaltungsfläche angeboten – bisher aber keine Reaktion aus New York erhalten.

Gemäßigtere Töne schlug am Mittwoch nun auch Innensenator Henkel an. Legitime Kritik und die Bedrohung von Investoren müsse unterschieden werden. Gegenüber dem Tagesspiegel äußerte er Verständnis: „Ich kann verstehen, dass nicht wenige Menschen besorgt sind über das, was man mit Schlagwort Gentrifizierung verbindet. Aber das darf nicht zu Einschüchterung und Abschottung führen.“ Man müsse „sich stärker auf die Mentalität besinnen, die Berlin zu einer starken und liberalen Marke gemacht hat“. Ein falscher Weg sei es dagegen „alles wegzuprotestieren, was neu und anders ist“.

Proteste werden fortgesetzt

Die linkspolitische Szene Kreuzbergs sieht sich nach der Absage des Guggenheim-Lab in ihrem Protest gegen finanzkräftige Investoren bestärkt. „Das Lab ist weg vom Spreeufer – der Protest geht weiter“, ließ die Initiative „BMW- Nee!“ verkünden. Auch andere Großprojekte an der Spree, wie sie etwa von Daimler-Benz oder Coca-Cola geplant werden, könnten nun wieder verstärkt „in den Fokus der Kritik geraten“. Ähnliche Befürchtungen hegt neben der Industrie- und Handelskammer auch der Kreuzberger CDU-Abgeordnete Kurt Wansner: „Ich sehe die Gefahr, dass weitere Ansiedlungen vertrieben werden.“

Am heutigen Donnerstag wird das Thema im Abgeordnetenhaus diskutiert. In einer Fragestunde soll mehr über die Gründe für die Absage der Guggenheim-Gesellschaft in Erfahrung gebracht werden. CDU-Politiker Robbin Juhnke erwartet dabei „von Klaus Wowereit ein klares Bekenntnis, dass so etwas in Berlin nicht sein kann.“


Quelle: Der Tagesspiegel

Deutsche Guggenheim, Unter den Linden 13-15, 10117 Berlin

Telefon 2020930

Webseite öffnen


Täglich von 10:00 bis 20:00 Uhr

Unter den Linden: das Museum Deutsche Guggenheim Berlin

Unter den Linden: das Museum Deutsche Guggenheim Berlin

Weitere Artikel zum Thema

Kultur + Events
Top 5: Kiezchöre in Berlin
Singen macht glücklich, gemeinsam singen noch viel mehr. Besuch doch mal einen dieser coolen Kiezchöre […]
Kultur + Events | Party
Wo Berlin am Mittwoch feiern geht
Bergfest! Am Mittwoch ist die halbe Woche schon geschafft und die freien Tage sind nah. […]