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Erfolgs-Show zurück im Chamäleon

Höhenflüge in der Wunderkammer

Höhenflüge in der Wunderkammer
Unglaubliche Anstrengung federleicht verpackt: Die Show "Wunderkammer" ist unter der Regie von Yaron Lifschitz entstanden und zurück in Berlin. Zur Foto-Galerie
Spandauer Vorstadt - Licht aus, Manege frei und der Mund klappt auf! Im Chamäleon-Theater beeindruckt gerade die australische Zirkus-Kompanie C!RCA. Wir kennen sie schon aus "BerlinBEYOND" oder dem letzten Gastspiel mit ihrer "Wunderkammer". Jetzt stehen neue Künstler auf der Bühne und haben durch ihr Können auch die Show verändert. Überhaupt gibt es im Chamäleon so einige Neuigkeiten zu entdecken.

Schon im Jahr 2011 lud das Chamäleon in seine „Wunderkammer“. Die ist ein Ort des Staunens, in der die australische Akrobatik-Gruppe Circa, mit einem Hauch rot-schwarzer Spitze bekleidet, durch die Luft wirbelt, aufeinander klettert, mit kleinen und großen Reifen hantiert und das Publikum mit reichlich Charme und einer tollen Musikauswahl zum Schmunzeln bringt.

Wenig erotisch, dafür stark

Das Chamäleon verspricht dem Publikum auf seiner Homepage mit der Show eine Mischung aus „Neuem Zirkus, Artistik und Burlesque“. Alle die nun denken, man ließe sich auf einen Abend ein, in dem sich glitzernde Damen zwischen Federn räkeln, die müssen wir enttäuschen. Das tut der Faszination der Show keinen Abbruch, es macht sie nur ehrlicher.

Im Chamäleon wird mit Spitze, nackter Haut und High Heels gespielt. Doch trotz der Nacktheit, Berührungen und Striptease hat die Vorstellung für uns wenig mit Erotik zu tun. Stattdessen unterstreicht das plakative Fehlen von Kleidung eher die blanke Wahrheit des Zirkushandwerks. Im hellen Licht und ohne allzu pompöse Kostüme bleibt kaum ein Schweißtropfen, kaum ein angestrengter Blick oder ein Zittern der definierten Muskelpartien verborgen. Umso schöner, dass zwischen modern abstrakten und ganz klassischen Zirkuselementen oft auch ein ehrliches Lächeln in den Gesichtern der Ensemblemitglieder aufblitzt.

Hier wird geturnt, gescherzt, gesungen und an der Stange in die Tiefe gestürzt. Ein bisschen fühlen wir uns dabei in den ganz alten Zirkus zurückversetzt. In die Zeit, die wir von vergilbten Schwarzweiß-Aufnahmen aus den 20er und 30er Jahren kennen. Als es nicht rasant, verrückt, stark und aufregend genug sein konnte. Die typische Vorstellung mit dem starken Muskelpaket, der Schlangenfrau und der schönen Artistin wird hier in die Gegenwart katapultiert.

Das frühe 20. Jahrhundert erkennt man in der neuen Spielzeit des Chamäleons insgesamt mehr denn je. Das Theater hat einen Umbau hinter sich und wer genauer hinschaut, wird viele Reminiszenzen an die Geschichte der Hackeschen Höfen entdecken.

Hoch oben auf dem Balkone: das neue Chamäleon

Chamäleon Theatersaal (c)Kevin Kosmalla
Immerhin gibt es den Jugendstil-Ballsaal seit 1906. Das neue Eichenparkett im Zuschauerraum wurde aufwendig restauriert, die neuen floralen Fliesen in der Damentoilette mit der originalen Gussform hergestellt, kleine „Farbflecken“ an den Wänden entpuppen sich als klitzkleine Schautafeln, die über alle Wandfarben aufklären, die das Chamäleon schon geschmückt haben. Und erst die Balkone! Es gab sie schon immer, auch wenn sie als Abstellkammern lange Zeit sich selbst überlassen waren. Nun wurden sie aufpoliert und mit einer Lüftung und bequemen Sitzen versehen, die einen perfekten Blick auf die Bühne versprechen. Für etwa zehn Euro Unterschied zum regulären Kartenpreis schaut sich der Neue Zirkus dort mit Sicherheit besser als auf den aneinandergedrängten Holzstühlen auf dem Parkett.

Mehr Infos zu „Wunderkammer“ findest du auf der Homepage zur Show.

Foto Galerie

Chamäleon Theater, Rosenthaler Straße 40, 10178 Berlin

Chamäleon Theater

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