Wohnungen in Pankow

Modernisiert, aber nicht unbezahlbar

Modernisiert, aber nicht unbezahlbar
Immanuelkirchstraße in Prenzlauer Berg: Die Gentrifizierung schreitet voran.
Im Bezirk Pankow werden Häuser saniert und modernisiert. Neu daran ist, dass die anschließenden Mietsteigerungen moderat ausfallen sollen. Dies hat der Bezirk mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag vereinbart.

„Wir wollen eine Stadt der bezahlbaren Mieten“ – so steht es im Koalitionsvertrag von SPD und CDU für die Stadt Berlin. In Pankow wird die Vereinbarung jedoch von einem Grünen-Politiker umgesetzt. Anfang des Jahres hat Stadtentwicklungsstadtrat Jens-Holger Kirchner mit der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und der Mieterberatung schriftlich vereinbart, dass die Mieten für einige aktuelle Modernisierungsprojekte im Bezirk nach Abschluss weniger steigen sollen als möglich. „Das ist kein allgemeines Geschwafel, sondern konkret auf Sanierungsvorhaben in diesem Jahr bezogen“, sagt Kirchner mit einer Spitze gegen die Regierungskoalition, deren Vorhaben ihm zu „abstrakt“ sind.

Für fünf Sanierungsprojekte mit insgesamt acht Miethäusern haben der Bezirk, die landeseigene Gewobag und die Mieterberatung eine Vereinbarung zum sozialverträglichen Ablauf unterschrieben – laut Kirchner die erste ihrer Art. Betroffen sind rund 150 Mieter. Ihre Wohnungen werden in diesem Jahr saniert und die Gewobag wird dafür nicht die volle Modernisierungsumlage in Anspruch nehmen. Statt der möglichen 7,72 Euro pro Quadratmeter werden nur 5,93 Euro fällig.

Ein Modell für die Zukunft?

Als Gegenleistung können die Mieter während der Sanierung in öffentliche Wohnungen umziehen, so dass die Gewobag schneller und kostengünstiger sanieren kann. „Das ist eine klassische Win-win-Situation“, sagt Kirchner. Zusätzlich einigte man sich darauf, dass bei Neuvermietungen die Miete um höchstens 20 Prozent steigen darf – laut Kirchner die Hälfte dessen, was rechtlich möglich wäre. Die Wohnungen in den sanierten Gebäuden sollen zu je einem Drittel an Hartz-IV-Empfänger, Mieter mit Wohnberechtigungsschein sowie Gutverdiener vergeben werden. „Die Wohnungsbaugesellschaft nimmt ihre soziale Verantwortung wahr und hilft, Verdrängung zu verhindern“, lobt Kirchner die Gewobag und deren Aufsichtsrat.

Für den Stadtrat hat der Vertrag mit der Gewobag, Berlins zweitgrößter Wohnungsbaugesellschaft, Vorbildfunktion. Die Howoge habe er bereits kontaktiert, „die prüft das schon“. Die Gesobau will er als Nächstes ansprechen. Laut Kirchner könnten ähnliche Vereinbarungen auch in anderen Bezirken getroffen werden. Den sogenannten Milieuschutz, mit dem unter anderem im Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg Luxussanierungen ausgeschlossen werden sollen, hält Kirchner für ungeeignet, zumindest in der jetzigen Ausgestaltung.

„Der Milieuschutz muss dringend überarbeitet werden“, sagt er und erklärt, dass momentan auch energetische Sanierungen und der Einbau von Fahrstühlen mit dem Ziel der Barrierefreiheit durch den Milieuschutz verhindert würden.


Quelle: Der Tagesspiegel

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