Hatch Stickermuseum in Mitte

Ja, wo kleben die denn?

Urban-Art mal anders: Das Hatch Stickermuseum präsentiert die ganze Welt der großen und kleinen Klebebilder.
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Im einzigen Berliner Stickermuseum können sich die Besucher von der Vielfalt der Klebe-Kunst überraschen lassen.

Es gibt Menschen, die lässt eine in jungen Jahren gefasste Leidenschaft nie mehr los. Einer von ihnen ist Oliver Baudach. „Mit 13 Jahren habe ich begonnen Sticker zu sammeln“, berichtet der in Barcelona geborene Gründer des Hatch Stickermuseums. Die Liebe zu den klebenden Objekten begleitet ihn seitdem durch sein Leben und nach seiner Ankunft in Berlin 2000 entstand die Idee zur Gründung eines eigenen Museums.

Stickervater Baudach

„Als ich in der Hauptstadt angekommen bin, habe ich erkannt, wie groß der Streetart-Anteil in der Sticker-Kultur und wie groß das Interesse vieler Künstler und Sammler an den Klebebildchen ist“, so Baudach. Hatte er sich vorher vor allem mit kommerziellen Stickern aus der Skateboard- und Bekleidungsszene umgeben, so wuchs bei ihm nun das Interesse für den künstlerischen Charakter der Aufkleber.

Nach diesem Prinzip sind auch seine Ausstellungsräume in der Brunnenstraße gegliedert. Im großen Zimmer kann man Sticker aus dem Bereich der Streetart entdecken, nebenan gibt’s kommerzielle Werbeprokukte zu bestaunen. Dabei orientiert sich Baudach an dem ursprünglichen Charakter seiner Stücke. „Wenn man durch die Ausstellung geht, soll man sich fühlen, als würde man eine Straße entlanglaufen“, erklärt Baudach.

Straßenkunst aus der ganzen Welt

Und so ringen kleine Sticker und großformatige Klebebilder neben- und durcheinander um die Aufmerksamkeit der Besucher. Die Werke besonders bekannter oder engagierter Künstler werden dazwischen in einzelnen Rahmen präsentiert. Zu sehen sind in der Ausstellung Kunstwerke aus allen Kontinenten. Aus Thailand, Russland, Bulgarien oder Mexiko schicken Streetartisten ihre entworfenen Klebebilder zu Baudach. „Vor allem in Sao Paulo sind die Künstler sehr aktiv“, sagt der Sammler, der über die kostenlosen Zusendungen aus allen Teilen der Welt dankbar ist.

Internationale Straßenkunst

Zwar sorge die globale Vernetzung der unterschiedlichen Künstler und das mittlerweile interkulturelle Wesen der Straßenkultur dafür, dass sich das Design der Klebebilder teilweise nur noch marginal nach Ländern unterscheidet. Doch wer genau hinschaut, kann auch politische Anklänge oder besondere nationale Leidenschaften aus den Stickern ablesen. „In Frankreich wird viel Schablonenkunst praktiziert und aus den Staaten kommt besonders viel Graffiti-Kunst bei mir an“, so Baudach, der einige Jahre bei seiner pfälzischen Mutter lebte. Nun hat er die ganze Welt unter einem Dach versammelt.

Für seine Leidenschaft und die Sticker-Spenden von Künstlern und Sammlern reichte sein 2008 im Friedrichshain eingerichteter Ausstellungsraum bald nicht mehr aus. Nach einer kleinen Pause bezog er im April 2011 die neuen, größeren Räumlichkeiten in der Brunnenstraße. „Mein Steuerberater ist zufrieden“, schmunzelt Baudach. Denn er war zwar schon in Friedrichshain Anlaufstelle für Kreative und Künster, doch in Mitte macht sich die größere Kaufkraft schon bemerkbar. „Hier sind die Möglichkeiten für mein Museum größer und es kommen finanzstärkere Kunden“, so Baudach.

Info-Base

Kunst statt Kommerz

Obwohl er bestimmte Sticker zum Kauf anbietet und auch einen eigenen kleinen Onlinevertrieb betreibt, will der Stickerliebhaber sein Museum weitestgehend frei von kommerziellen Gedanken ausrichten. „Die Sticker sind ein Teil der Straßenkultur und das sollen sie bleiben“, betont Baudach. Deshalb nimmt er für sein Museum keinen Eintritt – auch wenn die zum Unterhalt notwendigen Gelder so noch schleppender in die Kassen fließen.

Morbides mal farbenfroh

Doch darauf legt Baudach viel weniger wert als auf die Tatsache, dass die monatlich rund 500 Besucher bei ihm einen Eindruck von der Vielfalt der Sticker-Kultur erhalten. „Es ist schwierig, den Wert der einzelnen Objekte festzumachen“, erzählt Baudach. „Sticker werden noch immer nicht als Kunst anerkannt und auch wenn limitierte Klebebilder schonmal für bis zu 200 Euro gehandelt werden können, ist das Bewusstsein über der Bedeutung dieser Street-Art Kultur noch immer unterentwickelt.“

Dass die Geschichte der Klebebilder beispielsweise bereits in den 20er und 30er Jahren als Werbemedium begann und der „künstlerische Touch“ gegen Ende der 70er von den Skateboard-Decks ausging, wissen nur die Wenigsten. Und auch, dass die Graffiti-Szene individuell und fantasievoll gestaltete Klebebilder als Alternative zu langwierigen und strafbaren Tags für sich entdeckte, ist weitgehend unbekannt.

Oliver Baudach kann seinen Besuchern viel von diesen Entwicklungen berichten. Es ist dem alternativen Museum zu wünschen, dass künftig noch mehr interessierte Besucher – und nicht nur die Teilnehmer von alternativen Berlin-Führungen – den Weg in den dritten Hinterhof der Brunnenstraße 196 finden.

Foto Galerie

Hatch Stickermuseum, Brunnenstraße 196, 10119 Berlin

Telefon 030 89562252

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Mittwoch bis Samstag 12:00 bis 18:00 Uhr

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