Marzahn
M3 - Haus der Begegnung Berlin-Marzahn

Lichtblick zwischen Plattenbauten

Lichtblick zwischen Plattenbauten
Das Marzahner Haus der Begegnung setzt sich für eine stabile und aufgeschlossene Nachbarschaft ein. Zur Foto-Galerie
Graue Plattenbau-Tristesse, gewalttätige Jugendguppen und soziale Armut - Marzahn hat keinen guten Ruf. Dass der Bezirk auch anders kann, beweist das Haus der Begegnung an der Mehrower Allee. In und um das Vereinshaus des M3 zeigt der "Problem-Bezirk" ein nachbarschaftliches und kreatives Gesicht. Die Eröffnungsfeier des umgestalteten Hauses bot eine gute Gelegenheit, die umfassende Arbeit des Vereins kennenzulernen.

Großer Andrang im Marzahner Haus der Begegnung: Am vergangenen Freitag wurde bei strahlendem Frühlingswetter mit umfangreichem Programm und Feuerwerk das ausgebaute Vereinsgebäude eingeweiht. Eine große Küche und neu gestaltete Betreuerräume geben dem Haus nun die Gelegenheit, seine vielfältigen Angebote für Jugendliche und Erwachsene aus dem Kiez noch weiter auszubauen.

Einweihungs-Trubel

Auch der grenzüberschreitenden Initiative der Einrichtung steht durch den Umbau mehr Platz zur Verfügung. „Für die von uns organisierten Internationalen Begegnungen stellt der Ausbau des M3 einen großen Gewinn dar“, erzählt Meike, eine Mitarbeiterin des Hauses. Die sogenannten IB’s sind ein Schwerpunkt des sozialen Engagements im ehemaligen Jugendclub „Muchte“. Seit dem Jahr 2000 wird ein- bis zweimal im Monat eine Jugendgruppe aus dem Ausland im Haus untergebracht und verpflegt. „Wir haben zum Beispiel Gäste aus den USA, Israel, Russland, Tschechien oder Frankreich“, berichtet Meike. Gemeinsam mit Marzahner Jugendlichen lernen sie während ihres Aufenthaltes den Bezirk und die Hauptstadt kennen. Zahlreiche internationale Freundschaften sind auf diese Weise schon entstanden.

Vorbildliches Kiez-Projekt

Doch nicht nur diese internationale Orientierung macht das Marzahner Haus der Begegnung zu einem einzigartigen Kiez-Projekt. Die ganze Nachbarschaft soll von den Angeboten des Hauses angesprochen werden. So geht man etwa vielfältige Kooperationen mit den umliegenden Kitas und Schulen ein. „Wir organisieren innerhalb aber auch außerhalb unseres Hauses Kampfkunst-, Akrobatik- oder auch Anti-Gewalt-Kurse für Kinder und Jugendliche“, so Meike. In einem Kurs für gesunde Ernährung wird darüber hinaus mit viel Spaß und in Gemeinschaftsarbeit die Freude an vollwertiger Küche vermittelt.

Nicht nur die Kurse gehören zu den Angeboten des M3. Junge Marzahner können sich hier zum Beispiel im Wii-Raum vergnügen, Sport treiben oder am Box-Sack angestaute Agressionen rauslassen, während das Rentner-Wohnzimmer alle älteren Menschen aus der Nachbarschaft dazu einlädt, bei Lesungen, Bingorunden oder Tangoabenden gemeinsam ins Gespräch zu kommen und aktiv zu werden.

Seniorenzimmer

Mit einem Kiez-Mobil versucht das M3 darüber hinaus, auch entlegene Ecken des „Problem-Bezirks“ zu erreichen. „Wir wollen mit verschiedenen Freizeitangeboten, Spielen und Festen die grünen Flächen im Bezirk beleben und Menschen aus ganz Marzahn zusammenbringen“, erzählt Meike. Die junge Frau ist schon während ihrer Schulzeit auf der Bruno-Bettelheim-Grundschule auf die Angebote des Hauses der Begegnung aufmerksam geworden und hat sich früh für die Arbeit des Vereins engagiert. Heute ist sie eine von rund 20 PeerHelpern, die die Angebote im M3 begleiten.

PeerHelper im Einsatz

In einer einjährigen Ausbildung erlernen die ehrenamtlichen Helfer zwischen 15 und 20 Jahren alle Fähigkeiten, die für soziales Engagement und Konfliktbeilegung notwendig sind. Die Durchführung von Jugendprojekten steht dabei ebenso auf dem Stundenplan der Jugendlichen wie Teamwork oder der kompetente Umgang mit menschenfeindlichen Orientierungen.

„Jugendliche aus allen Milieus lernen, als Peers miteinander zu arbeiten und sich gemeinsam für den sozialen Bereich zu engagieren – egal ob Skin, Punk oder Nerd, die PeerHelper halten zusammen“, so Meike. Ein zusätzlicher Beweis für das erfolgreiche Konzept: Auf den Einsatz der Helfer kann das M3  weiterhin zählen. „Nach der abgeschlossenen Ausbildung zum Jugendgruppenbetreuer bleiben die meisten Teilnehmer dem M3 treu.“ Auch die 18-Jährige Meike setzt sich neben ihrer Ausbildung zur Erzieherin weiter für die Arbeit des Vereins ein.

Schwerpunkt Jugendarbeit

Besonders am Herzen liegt der jungen Frau die Jugendarbeit im Haus der Begegnung. „In unserem Bezirk sind die Jugendlichen besonders von sozialem Abstieg und dem Abrutschen in die Kriminalität gefährdet“, berichtet Meike. Mit Workshops wollen sich die Gleichaltrigen PeerHelper speziell an diese Gruppe wenden und sie zum Mitmachen motivieren. „Eine trockene Unterrichtsstunde würden die Jugendlichen wohl kaum besuchen – mit Graffiti- oder Box-Kursen können wir sie dagegen viel leichter erreichen und ganz nebenbei in Methodik und Didaktik des sozialen Zusammenlebens einführen“, erklärt Meike.

Buntes Publikum

Diese umfassende Ausrichtung des M3 sei im Marzahner Bereich einzigartig und würde vom Bezirk mit einem Lokalen Aktionsplan (LAP) finanziell unterstützt. Dennoch sei man auf Spendengelder angewiesen, um die Arbeit des Vereins weiter ausbauen zu können. So wolle man beispielsweise versuchen, die Angebote in den kommenden Jahren auch nach Hellersdorf auszudehnen. Mit der Eröffnung des umgestalteten M3 ist schon heute ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem vielfältigeren Marzahn getan.

Foto Galerie

M3 - Haus der Begegnung Marzahn, Mehrower Allee 3, 12687 Berlin

M3 - Haus der Begegnung Marzahn

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