Berliner Portrait

Unser Hausmeister: Der Herr der Schlüssel

Unser Hausmeister: Der Herr der Schlüssel
Die Aufgaben eines Hausmeisters sind vielseitig.
Die Haustür kaputt, den Schlüssel verloren oder gleich eine Rattenplage: die erste Anlaufstelle bei solchen Problemen ist meist der Hausmeister. Sein Job ist gefragter denn je, aber wie sieht eigentlich sein Alltag aus? Wir haben bei uns im Haus nachgefragt.

„Berliner Wohnungsgenossenschaften stellen wieder mehr Hausmeister ein“ – so lautete die Nachricht in den Zeitungen. Anscheinend wünschen sich Mieter wieder mehr persönliche Ansprache und direkte Hilfe im Haus. Das können wir sofort verstehen, denn ohne unseren Hausmeister, Ronald Füssel, geht hier eigentlich nichts. Aber wie sieht eigentlich sein Alltag aus? Da mussten wir doch gleich mal nachfragen.

Das ist gar nicht so einfach, denn Ronald ist der gefragteste und auch der bekannteste Mann im Gebäude. Ständig klingelt sein Handy während des Gesprächs und auch unseren Interview-Termin hatte er wegen dringender Arbeiten einige Male verschieben müssen. Gut, dass Ronald nicht weit weg wohnt – im Haus nebenan, direkt im Güntzelkiez. Wie bei vielen Hausmeisterstellen ist das auch die Bedingung für den Job, um bei Problemen schnell zur Stelle zu sein. So steht Ronald zum Beispiel täglich zwischen 5:45 und 22 Uhr abends für uns bereit – ein ganz schön langer Arbeitstag.

Der Hausmeister am Strand.

So sieht unser Hausmeister aus, wenn er mal nicht arbeitet.

Hausmeister sind Tausendsassa

Dabei ist kein Tag wie der andere, obwohl es natürlich gewisse Routineaufgaben gibt; zum Beispiel frühmorgens die Alarmanlagen zu entsichern, die Türen aufzuschließen oder die Rollos hochzuziehen. Die Aufgaben unterscheiden sich dabei aber auch je nach Einsatzort: Im Mietshaus fallen andere Arbeiten an als in einem Bürogebäude. Vom Reparieren, Glühbirnen wechseln, Bilder aufhängen, Gärtnern bis hin zum Trösten ist alles dabei – als Hausmeister muss man viele Talente haben.

„Die Arbeit wird nie langweilig“, so Ronald. „Einmal musste ich sogar einer Angestellten ihren kaputten Schuh kleben.“ Der Kontakt mit den Angestellten und Mietern ist es aber auch, den der 55-Jährige an seinem Job am liebsten mag. Das einzige, was manchmal nervt, seien Leute, die denken, sie wären etwas Besseres und auf ihn herabschauen. „Denen zeig‘ ick gleich mal, dass ick nüscht uff Abruf erledige. Schließlich unterstehe ick nur der Hausverwaltung und nich‘ den Mietern persönlich“, berlinert unser Hausmeister selbstbewusst.

Geheimnishüter und Tröster

Nach einem Job als Hausmeister hat der gelernte Zimmermann lange gesucht. Davor arbeitete er viele Jahre lang in körperlich anstrengenden Berufen – als Kohleschaufler, Selbstständiger im Bereich Verkauf, Vertrieb und Montage von vorgefertigen Bauteilen und schließlich ganze elf Jahre in einer Tischlerei: „Den Job hält man aber nicht bis zur Rente aus, deswegen hab ich mir eine körperlich etwas entspanntere Arbeit gesucht“, sagt Ronald, der seit drei Jahren das Gebäude betreut und alle seine Geheimnisse kennt. „Man kriegt als Hausmeister auch sehr viel mit im Haus. Viele Leute fragen mich auch mal nach meiner Meinung in zwischenmenschlichen Bereichen.“

Zum Abschluss nimmt Ronald uns noch mit auf einen Rundgang durch seine Arbeitsbereiche: in die Tiefgarage, in der nicht nur Autos von Angestellten stehen, sondern auch Oldtimer parken und in den Keller, der wie ein Gewirr aus Katakomben anmutet. Schlüssel um Schlüssel zieht Ronald aus seiner Tasche und zeigt uns verborgene Schätze wie Adressbücher aus dem Jahr 1927 und wunderschöne alte Schreibmaschinen. Er betreut, bewacht und kümmert sich um alles, was das Gebäude ausmacht; auch das, was wir anderen schon längst vergessen haben. Irgendwie wäre ein Haus ohne Hausmeister also wie ein Körper ohne Seele. Und weil wir schon mal bei ihm sind: „Ach Ronald, könntest du vielleicht bei uns in der Redaktion die neuen Bilder aufhängen…?“ Klar kann er. Was täten wir nur ohne unseren tollen Hausmeister.

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