Basteln mit Retrocharme

Laute Beats statt warmer Luft

Neues Leben für alte Heizlüfter: Bernhard Zarneckow ist Designer. Er baut Flohmarkt-Funde zu eigenwilligen Klangkörpern um. Die Idee dazu kam ihm durch ein Missverständnis.

Alles begann mit einem Missverständnis. Auf einem Indoor-Flohmarkt in Wedding stolperte Bernhard Zarneckow eher zufällig über seinen ersten Heizlüfter. Den rundlichen Warmluftspender mit rostigem Gitter aus den 60er Jahren hielt er zunächst für einen Lautsprecher. Auch der Besitzer konnte nicht sagen, was genau er dort eigentlich verkaufen wollte. Doch die Formsprache gefiel dem Design-Studenten und so kaufte er das Teil. Aus seinem ersten Verdacht machte er dann ein Gestaltungskonzept: Im November 2012 funktionierte er den ersten Heizlüfter zu einem Klangkörper um. Die Heizstäbe und Ventilatoren im Innenleben ersetzte er einfach durch eine Lautsprecher-Konstruktion.

An das Gerät kann man I-Phone, MP3-Player und Co. anschließen.

Zarneckows Modelle, die er unter dem Label Urmurks verkauft, sind echte Unikate: Die Heizlüfter aus verschiedenen Jahrzehnten variieren nicht nur in der Form, sondern auch in Farbe und Klang. „Jedes Stück soll seinen eigenen Charakter haben“, sagt der 32-jährige. Deswegen hat der Designer jedem Klanggeber einen Namen verpasst und – passend zum Charakter – mit Attributen versehen. Der quietschrote „Red Rebel“ ist eines der ersten Stücke. Das quadratische Gehäuse mit den abgerundeten Kanten und die silberne Gitterverkleidung im Stil der 50er Jahre machen ihn zur passenden Musikstation für Rockabillys. „Frech und vibrierend“ findet sein Designer ihn. Im Vergleich zum babyblauen Modell „Blue Velvet“ – das „melodisch und fesch“ daher kommt – soll der „Red Rebel“ mehr Tanzmusik-tauglichen Wumms haben. Ob man sich lieber die elegante, dralle, aber launische „Diva“ ins Wohnzimmer stellt oder zu Musik aus dem giftgrünen „Recorder“ „horny und funky“ durch die Gegend tanzt, ist sicherlich auch eine Charakterfrage.

Wie aus Heizlüftern Lautsprecher werden

Heizlüfter-Nachschub bekommt Zarneckow aus Wohnungsauflösungen und von Flohmärkten. Aber nicht jedes Stück ist zur Wiederverwertung geeignet. Verbeulte und verrostete Dachbodenfunde kommen nicht infrage. Was Form und Beschaffenheit seiner Objekte angeht, ist der Designer vom Zufall abhängig. Nicht schlimm, findet Zarneckow. „Ich sehe das als Herausforderung. Es ergeben sich daraus Dinge, die ich vorher nicht erwartet hätte.“ Die unterschiedlichen Trends der Jahrzehnte spiegeln sich auch in den Klangkörpern wider: Organische farblich verspielte Objekte aus den 60er und 70er Jahren gehören ebenso zum Inventar wie kühl-metallische Modelle aus den Jahrzehnten zuvor. „Mein ältestes Stück stammt aus den 30ern“, berichtet der Designer stolz.

Man kann die liebevoll gebastelten Einzelstücke als anachronistisch bezeichnen; in Zeiten, in denen die Technik von heute Morgen schon wieder veraltet ist. Oder wie Zarneckow andere Worte dafür finden. „Die Objekte sind mehr als 50 Jahre alt. Sie sind ein Sinnbild für etwas, das bleibt“, sinniert er. Beständigkeit, Individualität – das kommt sicher nie aus der Mode.

Die Urmurks-Klanggeber gibt es im „Temporären Laden“ in der Transvaalstraße 13 in Wedding, Montag bis Freitag 16.30-19 Uhr. Sie kosten zwischen 90 und 200 Euro. Weitere Informationen gibt es hier.

 

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Quelle: Der Tagesspiegel

Urmurks, Transvaalstraße 13, 13351 Berlin

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Montag bis Freitag 16:30 bis 19:00 Uhr

So sieht das aus, wenn Bernhard Zarneckow einen Heizlüfter zerlegt, aus dem er dann einen Klangkörper baut.

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