• Donnerstag, 03. September 2015
  • von Marcel Gäding

QIEZ-Kooperation: Bezirks-Journal

Die DDR lebt - in Hellersdorf

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  • Interessengemeinschaft Modellbau Hellersdorf
    Authentisch? DDR-Bürger stehen Schlange - vor einem Modellbahngeschäft. Foto: Bezirks-Journal - ©Marcel Gäding
  • Interessengemeinschaft Modellbau Hellersdorf
    Drei der sechs Mitglieder der IG Modellbahn beim Inspizieren ihrer Anlage am Kastanienboulevard. Foto: Bezirks-Journal - ©Marcel Gäding
  • Interessengemeinschaft Modellbau Hellersdorf
    Die Modellbahner haben zahlreiche Details liebevoll in ihre DDR-Welt der 70er und 80er Jahre eingebaut. Foto: Bezirks-Journal - ©Marcel Gäding

Hellersdorf-Ost - Am Kastanienboulevard haben sich Modellbauer eingerichtet. Sechs Männer pflegen in einer früheren Apotheke ihre Anlage, die das Leben im Osten zwischen 1970 und 1989 dokumentiert.

Das Flackern der Lampe auf dem Miniaturbahnhof ist kein Fehler in der Anlage. Man habe es mit Absicht so eingestellt, sagt Holger Voigt von der Interessengemeinschaft Modellbahn Hellersdorf. Flackernde Lampen gab es auf den Bahnhöfen der DDR schließlich zu hauf. Und weil alles hier auf der dreimal zehn Meter großen Anlage an das Leben im Osten zwischen 1970 und 1989 erinnern soll, spielt dieses Detail eine wichtige Rolle.

Um es vorwegzunehmen: Es bleibt nicht bei diesem Detail, über das der außenstehende Betrachter schmunzelt. Die sechs Männer der IG haben auch noch andere schöne Kleinigkeiten eingebaut: Etwa die Menschenschlange vor dem Modellbahnladen oder die Teppich klopfende Frau, einen dampfenden Gartengrill und eine Szenerie auf dem Kirchhof, auf dem gerade eine Beerdigung stattfindet. Diese kleine DDR ist zwischen den Gleisen entstanden, auf denen Dampfloks fahren oder Dieselloks, der Berlin-Moskau-Express oder die dunkelgrünen Doppelstockzüge der Deutschen Reichsbahn. Die Bahnhöfe sehen so marode aus wie man sie aus der DDR kannte. Auf den Bahnsteigen stehen die Zeitungskioske der Deutschen Post, während am Bahnhofsvorplatz die orange-weißen Ikarusbusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVB) Fahrgäste einsammeln. Der Betrachter stößt auf glückliche Menschen auf dem Balkon ihrer Plattenbauwohnung, auf vergnügungssüchtige DDR-Bürger auf dem Weg zur Abendveranstaltung in der Klubgaststätte und auf die Kunden der Konsum-Kaufhalle.

Ein echter Lokführer im Team

Holger Voigt und seine Mitstreiter fanden sich 2006 zusammen. Damals hatten sie einen anderen Modellbahnclub verlassen und sich entschieden, ihr eigenes Projekt auf die Beine zu stellen. Groß war der Wunsch, eine Anlage zu bauen, die das Leben in der DDR nachbildet. Modellbahnexperten sprechen von der Epoche 4, also der Zeit zwischen 1970 und der Wende 1989. "Damals waren noch Dampfloks im Einsatz", erinnert sich Voigt. Die letzte mit Kohle befeuerte Lokomotive wurde 1988 aus dem Dienst der Deutschen Reichsbahn entlassen. Voigt weiß das genau, schließlich hat er auch mal auf der Dampflok gearbeitet. Im Prinzip ist der Hellersdorfer Familienvater bereits jede der hier auf der Anlage stehende Miniaturausgabe der DDR-Loks in "natura" gefahren.

Kaufhalle (c) Gäding Kaufhalle (c) Gäding
Dass vor einem Jahr die Boulevard-Apotheke auf dem Kastanienboulevard an der Stollberger Straße schließen musste, war das große Glück für Holger Voigt und seine Mitstreiter. Für wenig Geld mieteten sie jenen Gewerberaum: An der Stelle des einstigen Verkaufsraums fand eine von drei Anlagen ihren Platz. Sie besteht aus 16 Segmenten, die bei Bedarf auseinander gebaut und bei Ausstellungen wieder aufgebaut werden können. Die alten Apothekerschränke sind perfekt, um dort Kleinteile zu lagern – schön sortiert, Fach für Fach. Mittlerweile sind große Teile der Anlage digitalisiert. Noch arbeiten die Hobbyeisenbahner daran, dass auch die Züge automatisch fahren. Derzeit müssen die Züge per PC händisch gesteuert werden, um es nicht zu einem Unfall kommen zu lassen.

An fünf Wochenenden im Jahr öffnen die Hellersdorfer Modellbahnfreunde ihren Laden, um Eisenbahnfans und Nostalgiker gleichermaßen zu empfangen. Immerhin kommen an einem solchen Wochenende um die 200 eisenbahnbegeisterte Besucher nach Hellersdorf. Jedes Mal bedeuten derartige Veranstaltungen aber, dass die Anlage gründlich gereinigt werden muss. Das geschieht unter anderem mit Hilfe eines Staubsaugers, kleiner Schwämme und viel Geduld.

Das nächste Wochenende der offenen Türen findet am 19./20. September von 10 bis 18 Uhr statt. Weitere Termine: 2./ 4. Advent 2015. Der Eintritt kostet 3, ermäßigt 1 Euro. Ort: Stollberger Straße 49, 12627 Berlin. Weitere Infos gibt es auf der Webseite der Interessengemeinschaft.

Dieser Artikel erschien zuerst im Bezirks-Journal, der Lokalzeitung für Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf.

Adresse

Stollberger Straße 49
12627 Berlin

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Quelle: Bezirks-Journal
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