Literarische Neuerscheinung

Wiener Straße: Herr Lehmann und die Arsch Art

Wiener Straße: Herr Lehmann und die Arsch Art
Chaotisch, verrückt und sorglos: So präsentiert Sven Regener das Kreuzberg der 80er Jahre in seinem neuen Buch "Wiener Straße".
Willkommen zurück im Herr Lehmann-Universum! Im neuesten Buch "Wiener Straße" von Sven Regener geht es rund – und zwar in feinster Berliner Mundart. Derb und doch irgendwie herzlich kommt es diesmal zum Zwist mit der fiesen "Arsch Art Galerie".

Herr Lehmann-Fans kennen sie schon, die üblichen Verdächtigen der Wiener Straße: Da ist Erwin Kächele, der Besitzer der Kreuzberger Kneipe Café Einfall, in der der Barkeeper Karl Schmidt arbeitet – ein stiller Kerl mit großem Herz und noch größerem Traum, ein richtiger Künstler zu sein. Von ihm handelt übrigens auch Regeners Buch Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt, dessen Verfilmung derzeit in den Kinos läuft.

Übertroffen wird Karl in seinen Künstlerambitionen nur vom exzentrischen, leicht verrückten H.R. Ledigt und seinen Absurditäten – beide bezeichnen sich nicht ohne Grund als Extremkünstler. Im neuen Buch Wiener Straße taucht auch Erwins nervige Nichte Chrissi auf, die mit Herrn Lehmann, H. R. Ledigt und Karl Schmidt in die Wohnung über dem Café Einfall zieht. Schauplatz des Buches Wiener Straße ist ebenjene Wiener Straße im Jahr 1980 im kreativen, chaotischen Kreuzberg des geteilten Berlins, das vor Punks, Hausbesetzern und Künstlern nur so wimmelte.

Über Irrungen und Wirrungen im Berlin der 80er Jahre

Nachdem sich Chrissi und Herr Lehmann beim außen-hart-innen-weich-Erwin im Café Einfall einen Job erbettelt haben, wird es allerdings immer schräger: von verbranntem Kuchen, der zum Kunstwerk erklärt und schließlich von Japanern verzehrt wird, und Erwins Schwangerschaftsbauch bis hin zu einem entflammten Kontaktbereichsleiter der Polizei und seiner Suche nach einem gestohlenen Straßenbaum. Die Krönung ist die ewige Fehde zwischen der Café Einfall-Gang und der Arsch Art Galerie – angeführt von P. Immel und seinem Lakaien Kacki – die bei einer Kunstvernissage zu eskalieren droht.

Wer das neue Herr Lehmann-Buch lesen will, sollte sich in diesem sehr speziellen Kosmos schon ein bisschen auskennen, denn der Autor Sven Regener veröffentlicht seine Bücher nicht chronologisch nach der Entwicklung der Geschichte im Buch: Während das erste Buch Herr Lehmann bereits kurz vor dem Mauerfall in Berlin Kreuzberg spielt, ist der danach veröffentlichte Roman Neue Vahr Süd die Vorgeschichte von Herrn Lehmann, als er noch seinen Wehrdienst in Bremen absolviert und ihn niemand Herr Lehmann nennt. Das dritte Buch Der kleine Bruder spielt zeitlich hingegen genau zwischen Herr Lehmann und Neue Vahr Süd. Herr Lehmann zieht darin nach Berlin, um seinen großen Bruder zu suchen und bleibt schließlich selbst in der Hauptstadt hängen.

Fazit

Herr Lehmann hat sich über die Jahre nicht nur in der Literatur- sondern auch in der Filmszene zu einer Berliner Kultfigur entwickelt. Der spezielle Schreibstil von Sven Regener, übrigens Gründer der Band Element of Crime, der seine Figuren ständig zwischen Hochdeutsch und waschechtem Berlinerisch wechseln lässt, mag nicht für alle etwas sein. Wir aber haben uns verliebt in die ruppigen und etwas schrägen Charaktere und finden, dass auch das neue Buch Wiener Straße wieder einmal richtig gut gelungen ist.

Eine gute Nachricht für alle Fans: Sven Regener hat in einem Interview verraten, dass Wiener Straße nicht sein letztes Werk zum Herr Lehmann-Kosmos sein wird. Eine Überraschung, denn Herr Lehmann galt davor lange Zeit als abgeschlossene Trilogie. Aber Regener ist wohl genauso unberechenbar wie seine Charaktere – und das ist auch gut so, Kerle!

Das Buch Wiener Straße von Sven Regener ist am 7. September im Galiani Verlag erschienen und kostet 22 Euro. ISBN: 978-3-462-31749-7

Galiani Verlag, Friedrichstraße 119, 10117 Berlin

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