Zwei Spiele, zwei Niederlagen

Ein Kraft-Akt

Thomas Kraft sieht den Ball vor lauter Spielern nicht - Schalkes Szalai köpft ein.
Thomas Kraft sieht den Ball vor lauter Spielern nicht - Schalkes Szalai köpft ein.
Zwei Spiele, zwei Niederlagen. Zwei Niederlagen, die man vor der Saison wohl so eingeplant hatte, gegen die Champions League-Teilnehmer Bayern München und Gelsenkirchen darf man als Aufsteiger verlieren. Und doch könnten die Niederlagen kaum unterschiedlicher sein. Während man beim Triplesieger der letzten Saison sein vielleicht bisher bestes Spiel der Saison zeigte und ein Punktgewinn in der Festung Allianz-Arena, selbst nach Aussagen der Gegner, nicht unverdient gewesen wäre, war man gegen die Knappen teilweise überfordert und konnte nicht zum bisher so begeisternden Spiel finden.

Insgesamt war der Auftritt gegen die Ruhrpottler nicht generell schlecht, jedoch offenbarte das Team mit fortschreitender Spieldauer Schwächen, die man in den letzten Wochen kaum an den Tag legte. Einfache Pässe über wenige Meter wurden schlampig gespielt, in der Defensive wirkte man in Teilen fahrig und unkonzentriert und die Offensive lief sich ein ums andere Mal in der gut gestaffelten Verteidigung fest, ohne mal den schnörkellosen Abschluss zu suchen.

Doch die beiden Niederlagen haben auch etwas gemein. Beide basierten am Ende auf eklatanten Fehlern von Torhüter Thomas Kraft. Dass es noch nie die größte Stärke des 25-jährigen war, Flanken in den Strafraum sicher zu entschärfen, ist kein Geheimnis. Das war auch einer der Gründe für sein Scheitern in München. Doch man hatte, auch wenn man bei gewissen Aktionen immer ein wenig Bauchschmerzen hatte, das Gefühl, in den letzten zwei Jahren hätte er sich in dem Bereich weiter entwickelt. Nun die Rückschläge.

Bereits sieben Tore (von 14) kassierte die Hertha nach Standards des Gegners. Bei vielen dieser Gegentore sah Kraft entweder nicht gut aus, oder war direkt schuld. Wie sagt man so gern (jaja, drei Euro ins Phrasenschwein), wenn er raus kommt, muss er ihn haben. Ein Satz, der letzte Woche in München beim 1:1 zutreffend war und gegen Schalke noch viel mehr.

Torwart ohne Fortune

Werfen wir einen Blick zurück. Die 26. Minute. Schalke hat gerade eine Drangphase, hatte zwei hochkarätige Chancen, die Kraft, mit seiner Stärke auf der Linie, stark entschärfen konnte. Eckball von der rechten Seite, hereingebracht von HSV-Leihgabe Aogo, in der Mitte steigt Szalai am höchsten und köpft den Ball in die Mitte des Tors. Eine Stelle, wo man den Torwart erwarten würde. Doch dieser eilte, unkoordiniert und ohne Chance auf Erfolg, in Richtung Kopfballgeschehen, flog gefühlte drei Meter vorbei und somit zappelte das Runde im Netz.

Eine Aktion, die nicht nur unnötig schien, sondern das komplette Team, das bis zu diesem Zeitpunkt noch recht gut in der Partie war, komplett aus dem Tritt brachte. Was mich im Nachhinein am Meisten verwundert war die Wut, die Kraft nach dem Gegentor an den Tag legte. Er war nicht wütend auf sich, sondern auf seine Mitspieler, die den Kopfball nicht verhinderten. Dabei hätte er den Ball gehabt, wäre er nur auf der Linie geblieben.

Eine Szene, die einen sehr an die Woche zuvor erinnerte, als er sich einen kapitalen Fehlgriff gegen Mandzukic leistete. Nach diesem Spiel, in dem Kraft auch beim 2:1 für die Bayern nicht besonders glücklich aussah, nahm ich ihn noch in Schutz. War es doch bei dem Team, wo er seine bisher größte sportliche Niederlage einstecken musste. Die Ausbootung als neue Torwarthoffnung nach nur zwölf Ligaspielen. Er war an diesem Tag sicherlich ein wenig übermotiviert, das blockiert und führt zu Fehlern.

Zusammenhang mit Wechsel des Torwarttrainers?

Doch die Fehler häufen sich in dieser Saison. Ob es einen Zusammenhang mit dem Wechsel auf der Torwart-Trainerposition gibt, das ist für einen Außenstehenden nur schwer zu beurteilen. Bundesliga ist etwas anderes als zweite Liga, das bekommt auch Kraft zu spüren. Die Gegner bekommen mehr Standards vor dem Tor und auch mehr Möglichkeiten zum Flanken. Jedoch lässt sich der Zusammenhang zwischen dem Wechsel von Fiedler zu Golz und der Entwicklung bei Kraft nicht wegdiskutieren.

Ich vertrete zwar die Auffassung, dass ein Torwarttrainer auf diesem Level nur noch sehr bedingt Einfluss auf die Leistungen eines Keepers nehmen kann. Hier kommt es vor allem auf das Talent des Torhüters an. Jedoch kann man durch gezieltes Trainieren von bestimmten Situationen sicherlich Verbesserungen, vor allem bei Schwächen, erreichen. Eine Verbesserung bei der Strafraumbeherrschung ist bei Kraft jedoch nicht zu erkennen, eher das Gegenteil ist der Fall.

Generell halte ich Thomas Kraft für einen hervorragenden Torwart. Er ist in Teilen Weltklasse auf der Linie, gilt als Leader im Team und strahlt in den meisten Situationen eine grandiose Ruhe aus. Doch diese Schwächen bei hohen Bällen in den Strafraum kosten Punkte, daran muss dringend gearbeitet werden. Ein Kraft-Akt, der dringend angegangen werden muss.

In diesem Sinne
René ‚Mueggi‘ Jünemann
2. Vorsitzender Berliner Jungs OFC


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Ein Kraft-Akt, Olympische Straße, 14052 Berlin

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