Staatsballett

Dornröschen im Tarifstreik

Dornröschen im Tarifstreik
Ein bisschen wie in dem Märchen: Einer wird nicht eingeladen und am Ende ist für alle Ruhe angesagt. Dabei hätten Viele die böse Fee (Foto) gern in Aktion erlebt. Zur Foto-Galerie
Charlottenburg - Am Karfreitag streikten die Tänzer des Staatsballetts Berlin. Sie forderten einen Hausvertrag der Arbeitnehmergewerkschaft Verdi mit ihrem Arbeitgeber, der Stiftung Oper in Berlin und dem Deutschen Bühnenverein. Die Abendvorstellung von "Dornröschen" musste darum ausfallen. Viele Ticketbesitzer wurden davon überrascht.

Die Vorstellung „Dornröschen“ in der Deutschen Oper am Karfreitag ist ausverkauft. Doch kurz vor Vorstellungbeginn sind die Garderoben leer, die Tänzer stehen vor der Tür und das Foyer füllt sich mit so enttäuschten wie entrüsteten Menschen. Überall werden Flyer der Gewerkschaft Verdi verteilt. Dazu der Satz: „Die Vorstellung fällt heute aus.“

Ausfüllen der Erstattungsformulare im Foyer
Der Grund dafür, dass die Saaltüren geschlossen bleiben, ist ein Streik von den Tänzern des Staatsballetts. Schon zum dritten Mal in diesem Jahr verweigern sie ihren Auftritt und fordern so einen Haustarifvertrag zwischen Verdi und der Stiftung Oper in Berlin. Bisher sperrt sich der Arbeitgeber gegen Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft. In solchen will Verdi unter anderem eine nachvollziehbare Gagenstaffelung, angemessene Arbeitszeiten oder ein Mitspracherecht der Künstler an Ruhezeiten und Pausen erstreiten.

Über 80 Prozent der Tänzerinnen und Tänzer des Staatsballetts sind zwar bei ihnen organisiert, die gültigen Künstlerverträge sind aber von anderen Gewerkschaften ausgehandelt worden und nicht auf die Spezifika des Staatsballetts abgestimmt, so Verdi. De facto hat die Arbeitnehmervertretung bei der Stiftung Oper in Berlin entsprechend nichts zu sagen. In dem Arbeitsaustand vor der Oper geht es also noch nicht um bessere Arbeitsbedingungen für die Tänzer, sondern darum, Verdi an den Verhandlungstisch zu holen.

Das Erlebnis ist verloren, das Geld nicht

Davon wissen die Ballettfreunde im Foyer an diesem Freitagabend nichts. Enttäuscht und ernüchtert stehen sie in Schlangen vor den Kassen, um zu erfahren, wie es für sie nun weitergeht. Nachgeholt wird die Vorstellung natürlich nicht. Karten für einen anderen Termin zu bekommen dürfte schwierig werden, da die Inszenierung nur noch an sechs Spieltagen zu sehen ist. Immerhin werden an alle Betroffenen umgehend Zettel ausgeteilt, auf denen man die Erstattung des Ticketpreises per Überweisung oder in Form eines Gutscheins veranlassen kann.

Wut und Enttäuschung ist dennoch überall zu spüren. „Wir haben eine halbe Stunde vor Einlassbeginn unsere Karten an der Kasse abgeholt, da hat man uns nichts von dem Streik erzählt. Jetzt haben wir umsonst gewartet“, erzählt eine Dame. Eine andere habe gehört, dass verantwortliche Mitarbeiter des Balletts selbst erst während der direkten Vorbereitungen auf die Vorstellung von Verdi über den Streik informiert wurden.

Foto Galerie

Deutsche Oper Berlin, Bismarckstr. 35, 10627 Berlin

Deutsche Oper Berlin

Markanter Kasten an der Ost-West-Achse. Die Deutsche Oper an der Bismarckstraße in Berlin-Charlottenburg.

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