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Warum es so nervt, als Single auf Hochzeiten zu gehen: Unsere Singlekolumne #48

Warum es so nervt, als Single auf Hochzeiten zu gehen: Unsere Singlekolumne #48
Mascha muss sich allein durchschlagen. Doch sie sagt sich: Scheiß drauf!
Mascha muss sich mal wieder allein durchbeißen. Auch auf den anstehenden Hochzeiten und Ostern bei der Familie. Doch ihr reicht es jetzt mit dem blöden Opferstatus ...
Dieses Jahr wird es hart. Ich bin jetzt schon auf zwei Hochzeiten eingeladen – und es könnten noch mehr werden. Die erste steht bereits vor der Tür. Mit vielen alten Freundinnen, wirklich guten Freundinnen, die alle ihren Partner mitbringen werden. Und ich habe beschlossen: Dieses Jahr werde ich mir keine Freundin (getarnt als meine lesbische Partnerin) mitnehmen. Ich will es aushalten. Und ich will es verdammt nochmal genießen.
Und das passt ganz gut zu meinem Wut-Klischee-Text aus meiner letzten Kolumne: Wieso sind manche Vorstellungen und Ideen so verdammt festgefahren? Auch in mir? Wieso habe ich mich schon auf so vielen Hochzeiten und Geburtstagen und Familienfesten und in Restaurants so blöd gefühlt – nur, weil ich mein Gesicht nicht auf die breite Brust einen Mannes sinken und mich nicht an einer anderen Hand festhalten konnte? Das ist doch Mist!

Warum ist eigentlich in jeder Einladung von einer Begleitung die Rede?

Aber es wird einem ja auch nicht leicht gemacht. In jeder Hochzeitseinladung ist von einer Begleitung die Rede. Tischkärtchen werden ja wahnsinnig gerne für Paare ausgestellt. Auf der Hochzeit meines Cousins war es auch schon so. Überall putzige Couple-Tischkarten. Und daneben: „Mascha“. Ein Name, ganz verwaist auf dem kleinen Schild – und so saß ich dann da, neben all den Paaren, darunter auch meine Familie, und kam mir irgendwie blöd vor. Es war noch nicht mal eine böse Absicht, aber es gab einfach fast nur Paare. Man hätte noch nicht mal die – natürlich mindestens genauso bescheuerte – Idee haben können, einen Single-Tisch auszurufen. Ähnlich wie ein Kindertisch, die werden ja auch gerne an abseitige Plätze verbannt, um „unter sich“ zu bleiben.
Dabei ist doch eigentlich nichts dabei. Man ist ja selten alleine auf solchen Festen, man ist da doch meist unter Freunden und Familie. Warum muss man es überhaupt thematisieren, warum denke ICH drüber nach, dass jetzt eben nur mein Name auf der Tischkarte steht und nicht noch ein zweiter? Oder in der Einladung?

Mitleid? Bloß nicht!

Und selbst auf den eigentlich Hochzeiten, Partys oder einfach Ess- und Trinkgelagen mit Freunden hat es sich durchgesetzt, dass man das Thema Singles irgendwie thematisiert. Teilweise wird man wie ein rohes Ei behandelt. „Willst du denn trotzdem jemanden mitbringen“ oder „ist das okay, heute sind fast nur Paare da, ich hoffe, das nervt dich nicht…“. Und leider kann ich nicht behaupten, dass mich das immer kalt ließe. Dabei kann ich mit eigentlich allen Paaren, mit denen ich befreundet bin, durchaus Spaß haben, selbst, wenn sie sich ab und zu mal einen Kuss geben. Und trotzdem: Es sind nicht nur die anderen, ich selbst denke ständig darüber nach. Fehlt mir was, muss mir nix fehlen, hat man jetzt Mitleid mit mir, muss ich jetzt ein Einzelzimmer nehmen, und, noch altmodischer, fühlt sich jetzt jemand genötigt, mit mir zu tanzen? Das macht man auf Hochzeiten ja leider manchmal noch so.
Blöd. Vor allem blöd, dass ich selbst immer wieder in diese trauriges-Single-Girl-Rolle reinrutsche. Die voll arm dran ist, weil niemand „ah, da seid ihr ja“ ruft, wenn ich einer Einladung folge. Da bin eben nur ich. Und ich kann auch keine Karten oder Gästebuch-Einträge mit „Mascha + xy“ unterschreiben. Dafür male ich gerne fette Elefanten und Penisse und kein Partner kann sich darüber beschweren, wie peinlich das sei. Und, das muss man ja nun auch mal festhalten, ich bin eigentlich der perfekte Gast. Weil ich eben keinen zweiten Esser und Säufer mitbringe, den die Gastgeber vielleicht noch nicht mal kennen, oder, das ist ja auch der Klassiker des mitgebrachten Partners, vielleicht auch gar nicht mögen. Und der kippt sich dann trotzdem den teuren Schampus rein und kotzt womöglich noch der Braut auf die Schleppe. Oder so.
Insofern: Bedankt euch mal lieber, ihr Gastgeber dieser Welt, dass coole Single-Ladies wie ich nicht nur euren Partys und Hochzeiten eine ordentliche Prise Pfeffer und Flirtbereitschaft mitgeben, sondern euch sogar bares Geld sparen! Und malt statt eines zweiten Namens doch einfach ein großes Herz neben meinen Namen auf die Tischkarte. Oder einen Penis. Auch ok.
So denn,
auf die Triebe!

Eure Mascha

 

Mascha heißt in Wirklichkeit vielleicht anders...

 

Ich bin Mascha (33) und seit rund zwei Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

KitKatClub, Köpenicker Straße 76, 10179 Berlin

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