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Wenn die Hochzeit zur Pärchen-Party mutiert – Unsere Singlekolumne #52

Wenn die Hochzeit zur Pärchen-Party mutiert – Unsere Singlekolumne #52
Ganz viel Liebe - die bekam Single Mascha auf ihrer letzten Hochzeit zu spüren.
Auf den Junggesellinnenabschied folgt... genau, eine Hochzeit. Und während Single Mascha bei Ersterem in Sachen Reihenhaus-Romantik an ihre Grenzen stieß, muss sie jetzt auch noch mit einem Emo-Overkill fertig werden.

Ich habe jetzt ja schon mehrmals über Hochzeiten geschrieben. Und, wie ich finde, die Dramen eines Singles zu diesem Thema ziemlich drastisch beschrieben… Aber um meinen state of mind trotzdem nochmal klarzumachen: Ich bin gar nicht anti. Hochzeiten sind eine feine Sache. Sollte mich mal ein Mann fragen, ob ich ihn heiraten will, würde mir sofort literweise Wasser in die Augen schießen (idealerweise weil ich hart in love bin und dann „logo!“ schreien würde!). Und ja, ich habe mir auch schon ganz oft vorgestellt, wie das Ganze dann ablaufen würde: Alle Freunde wären da, es gäbe viel Umarmen, wieder Weinen, Tanzen, Trinken, natürlich alles mega entspannt und fernab höllischer Hochzeitsspiele á la „wie gut kennt sich das Brautpaar-Quiz“ oder „haha, wir haben die Braut entführt“. Das wird schön! Wenn es mal passieren sollte.

Tolle Hochzeit – mit hartem Single-Schwund

Und genauso schön war die Hochzeit meiner lieben Freundin. Auf dem Land, ungefähr 80 Leute, super Location, nix zu meckern. Aber da war dieser eine Umstand, der sich schon auf dem Junggesellinnenabschied vor ein paar Wochen angedeutet hatte – und der sich von der Hochzeit vor zwei Jahren unterschied. Der war so präsent, dass ich ihn bei aller Harmonie nicht übersehen konnte: die unglaubliche Anzahl an Paaren und Kleinkindern, die erst die Kirche (brüll, heul) und dann die Hochzeitsscheune bevölkerten. Das war eine neue und heftige Erfahrung für mich. Werden ab einem gewissen Alter vielleicht nur noch Paare eingeladen, weil man das Brautpaar dadurch mit seiner Andersartigkeit nicht aus der Bahn wirft? Und Kinder sind so eine Art Bonus, ein Garant, auf jeden Fall eingeladen zu werden? Weil Kind und Hochzeit irgendwie zusammengehören? Man hört doch immer, wie viele Singles es gibt, vor allem in Großstädten, und von denen, die einen Partner haben, sollen doch angeblich auch eine stattliche Menge kinderlos bleiben. Wo waren die denn bei der Hochzeit? Bekommen Personen mit diesen Attributen einfach per se keine Hochzeitseinladungen mehr? Oder bekommen sie welche, verbrennen die aber sofort rituell, bevor sie sich die Decke über den Kopf ziehen – weil sie mit den Kids-Couples in dieser geballten Masse nicht konfrontiert werden wollen?

Die Single-Frage: Keine Einladung oder kein Bock?

Macht für mich beides irgendwie Sinn. Nur habe ich ja auch eine Einladung bekommen. Und dazu noch zwei, drei  andere Personen, die sich mit viel Sekt in eine unbefangene Stimmung zu bringen versuchten. Also ich sage mal so, man ist es ja gewohnt, mit Paaren unterwegs zu sein. Die haben sich ja oft im Griff, können auch mal ohne den Partner mit jemandem sprechen und ab und an sogar was anderes erzählen als vom Krabbelfortschritt ihres Wonneproppens. Aber hey, es waren einfach so viele… und dann waren die auch noch fast alle so verdammt gut drauf, hatten so verdammt süße Kleinkinder – 88 % waren zwischen 0 und 3 Jahre alt, süüüüß – und regten sich einfach gar nicht auf, wenn sie schrieen und kotzten und an der Brust vom Mama hängen wollten. Und selbst als mehrere Paare oder zumindest ein Teil von beiden, gegen 21 Uhr die Party zwecks Nachwuchs-ins-Bett-bringen verlassen mussten, wirkten sie happy und entspannt. Glücklich gar?

Hochzeitsgäste: Alle Paare waren sooo happy …

Logo, wenn man genauer hinhört, öffnen sich die dunklen Löcher der Alltagsprobleme, man weiß, dass es hinter verschlossenen Türen oft brodelt die Leute müde sind, dass sie eigentlich viel mehr feiern wollen und viel mehr Sex und überhaupt… aber trotzdem. Irgendwie waren die alle so angekommen. So: Familie. Und dann gab es ja noch das Brautpaar, das sich auf wirklich ganz bezaubernde Weise seine Liebe erklärte, wie sehr der andere doch genau der Richtige sei, wie sehr man in dieser Beziehung man selbst sein könne. Dazu euphorische Liebesbekundungen seitens der Eltern und Schwiegereltern, die AUCH unfassbar froh seien, dass die von Beziehungsdramen gepeinigte Tochter nun ENDLICH den passenden Typen abbekommen hätte. (Das haben sie nicht ganz so formuliert, aber die Botschaft war identisch!)

Rührende Hochzeitsreden – totaler Overkill

Das alles war, ich kann es nur immer wieder betonen, SCHÖN. Irgendwann wusste ich nur nicht mehr, wohin mit der Freude für die anderen. Dem Feiern der Liebe. All den Gesprächen über das Paar und Love im Allgemeinen. Da war einfach kein Raum mehr. Offenbar kann man… kann ich, nur in einem begrenzten Maße die eigene Leere mit der Freude für die anderen füllen. Vor allem, wenn in einem so üppigen Maße darüber gesprochen wird wie auf dieser Feier. Vielleicht keine allzu große Überraschung, aber an diesen zwei Tagen Hochzeitstaumel habe ich es geradezu körperlich gespürt. Damit muss ich erstmal fertig werden und mich fragen: Bin ich für diese Art von Feier, diese Art der Familie, dieses Leben auch vorgesehen? Finde ich da jemals noch den Anschluss, wo doch so viele andere aus ähnlichen Jahrgängen schon 20 Schritte weiter sind? Da komme ich ja fast außer Atem, wenn ich da aufholen muss. Vor allem bei dieser Kindersache.

Single auf einer Hochzeit? Nicht unterkriegen lassen!

Aber ich habe mich für einen tröstenden Gedanken entschieden: Ja, es waren sicher ganz viele Singles und Kinderlose eingeladen, die aber einfach keinen Bock hatten, sich dem Liebestaumel zu stellen. Und die sitzen jetzt eben daheim, trinken Sekt und sagen sich genau wie ich: Our time will come. Ist nur noch nicht so klar, wann und in welcher Form. Aber schön, das können wir auch! Und aktuell vor allem noch ganz selbstbestimmt. Prost!

Ich bin Mascha (33) und seit rund zwei Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

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