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Homeoffice-Betrug aufdecken – Detektive helfen dabei

Im Home-Office muss der Arbeitgeber darauf vertrauen, dass seine Mitarbeiter ihre Arbeit machen und sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen.
Im Home-Office muss der Arbeitgeber darauf vertrauen, dass seine Mitarbeiter ihre Arbeit machen und sich nicht mit anderen Dingen beschäftigen.
Immer mehr Angestellte nutzen die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Das hat für die Arbeitgeber zur Folge, dass sie weniger Möglichkeiten haben, die Arbeitszeit zu kontrollieren. Durch vermehrte Berichte über Beschäftigte, die im Homeoffice kaum erreichbar sind oder sich während der Arbeitszeit noch etwas hinzuverdienen, sind viele Arbeitgeber beunruhigt.

Immer mehr Arbeitgeber wollen wissen, ob ihre Mitarbeiter die gewonnene Freiheit nutzen, um sich anderweitig zu beschäftigen oder gar für die Konkurrenz zu arbeiten. Doch die rechtlichen Hürden für die Überprüfung sind hoch.  

Arbeitszeitbetrug – kein Kavaliersdelikt 

Wenn Mitarbeiter im Homeoffice eigenmächtig ihre Arbeitszeit reduzieren – merkt ja eh keiner –, begehen sie eine erhebliche Pflichtverletzung. Nach § 626 Absatz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) ist das ein wichtiger Grund, der sogar beim ersten Mal eine außerordentliche, fristlose Kündigung rechtfertigt. Arbeitsrechtlich ist das Arbeitszeitbetrug zulasten des Unternehmers. Dabei geht es nicht um ein paar Minuten, die ein Mitarbeiter versehentlich zu wenig arbeitet. Hier geht es um bewussten Arbeitszeitbetrug. Dazu gibt es bereits mehrere Urteile des Bundesarbeitsgerichts.

Befinden sich die Mitarbeiter im Büro, kann der Chef jederzeit die Anwesenheit kontrollieren. Arbeitszeitbetrug ist schwierig.

Macht der Mitarbeitende während der Arbeitszeit einen zweistündigen Einkaufsbummel oder hat er einen Zweitjob bei einem anderen Unternehmen, geht das zu weit. Passiert das in einer Großstadt wie Berlin, lässt sich das nur schwer beweisen. Hier kann ein Detektiv Berlin helfen. Doch nach deutschem Recht ist die Beauftragung eines Detektivs nur ausnahmsweise zulässigIn § 26 Absatz 1 BDSG (Bundesdatenschutzgesetz) ist ein solcher Einsatz nur erlaubt, wenn ein konkreter Anfangsverdacht besteht. Das kann der Fall sein, wenn der Mitarbeitende fast nie erreichbar ist und dies nicht erklären kann und wenn noch andere Probleme hinzukommen, wie eine stark reduzierte Produktivität.  

Homeoffice-Betrug – die Beweislast liegt beim Arbeitgeber 

Wenn der Arbeitgeber tatsächlich eine fristlose Kündigung ausspricht aufgrund eines Arbeitszeitbetrugs, muss er in einem etwaigen Kündigungsschutzprozess nachweisen, dass der Mitarbeiter ihn tatsächlich betrogen hat und im Zweifelsfall sogar Beweise vorlegen. Er muss unter Umständen Zeugen benennen, Fotos oder andere Beweismittel vorlegen, die eine Pflichtverletzung des Arbeitnehmers beweisen. Hat der Arbeitnehmer beispielsweise seine Arbeitszeit von 8 bis 13 Uhr eingetragen und jemand sieht ihn dann bei einer Shoppingtour, kann der Beobachter ein Zeuge für den Arbeitgeber sein. Dabei kann es sich auch um einen Detektiv handeln, der seine Beobachtungen vor Gericht schildert. 

Schlechte Erreichbarkeit oder die Tatsache, dass der Mitarbeiter regelmäßig während der Arbeitszeit beim Bäcker war, reichen dafür nicht aus. Der Mitarbeiter kann seine Pausen im Homeoffice frei einteilen. Allerdings darf der Arbeitgeber feste Zeiten vorgeben, wann der Mitarbeiter auf jeden Fall erreichbar sein muss. Auch darf er tägliche Abstimmungsmeetings anordnen. 

Homeoffice und unzulässige Überwachung 

Lassen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter ohne Anlass überwachen, ist das eine erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte des Mitarbeiters. Selbst wenn sich am Ende Beweise finden lassen für einen Arbeitszeitbetrug, sind diese Beweise bei Gericht wertlos. Auch dazu gibt es bereits verschiedene Gerichtsurteile des Bundesarbeitsgerichts, beispielsweise das Urteil AZR 597/16 vom 29.6.2017. Für den Arbeitgeber kann die anlasslos durchgeführte Überwachung ein empfindliches Bußgeld zur Folge haben. 

Eine anlasslose Überwachung der Mitarbeiter ist ein schwerer Verstoß. Sie stellt eine erhebliche Verletzung der Persönlichkeitsrechte dar.

Arbeitszeitbetrug und Konkurrenztätigkeit 

Wer in einem laufenden Arbeitsverhältnis seinen Arbeitgeber betrügt, indem er mehr Stunden aufschreibt, als er tatsächlich arbeitet oder indem er bei der Konkurrenz tätig wird, gibt dem Arbeitgeber einen wichtigen Grund für den Einsatz eines Detektivs bzw. für eine Kündigung. Damit ist nämlich nicht der einmalige Arbeitszeitbetrug von wenigen Minuten gemeint. Doch jedes Mehr gefährdet das Arbeitsverhältnis 

Mitarbeiter, die eine Acht-Stunden-Schicht leisten müssen, schulden dem Arbeitgeber diese acht Stunden. Dabei spielt es keine Rolle, von wo aus sie arbeiten, ob im Büro oder im Homeoffice. Schließlich kürzt der Arbeitgeber auch nicht das Geld, weil der Mitarbeitende im Homeoffice arbeitet. 

Welche Folgen hat eine fristlose Kündigung? 

Die außerordentliche fristlose Kündigung zählt zu den schärfsten Mitteln im Arbeitsrecht. Spricht der Arbeitgeber eine fristlose Kündigung aus, endet das Arbeitsverhältnis mit Ablauf des Tages, an dem die Kündigung den Mitarbeiter erreicht hat. Dabei gilt der Rechtsbegriff des Zugangs. Die Kündigung muss in den sogenannten Machtbereich des Mitarbeitenden gelangen, sodass dieser unter gewöhnlichen Umständen Kenntnis davon nehmen kann. Als Machtbereich gilt beispielsweise der eigene Briefkasten. Ist die Kündigung im Briefkasten eingegangendarf der Arbeitgeber annehmen, dass der Mitarbeiter theoretisch Kenntnis davon erlangt. Die Kündigung gilt auch dann als zugegangen, wenn der Betroffene sie noch nicht gelesen hat. Ausschlaggebend ist, dass es unter gewöhnlichen Umständen möglich gewesen wäre. 

Die Wirkungen sind immens. Ab dem Folgetag ist die Kündigung wirksam und der Mitarbeitende erhält kein Gehalt mehr. Eine Aufhebung der Kündigung ist nur möglich, wenn der Betroffene innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage erhebt und das Arbeitsgericht die Kündigung für unwirksam erklärt (§§ 4 bis 7 Kündigungsschutzgesetz). Ein solches Verfahren kann sich allerdings über mehrere Monate hinziehen. In dieser Zeit kann es schwierig werden, Arbeitslosengeld zu bekommen. Denn in derartigen Fällen verhängt die Agentur für Arbeit regelmäßig eine Sperrzeit von zwölf Wochen, in der es kein Geld gibt. Grund dafür ist das Verschulden des Betroffenen, der durch sein versicherungswidriges Verhalten den Anlass gegeben hat, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis gelöst hat. 

Strenge Voraussetzungen für eine fristlose Kündigung 

Da die Folgen für den Arbeitnehmer so gravierend sind, sind auch die Anforderungen an die fristlose Kündigung sehr streng. Es muss laut Gesetz ein wichtiger Grund vorliegen. Zudem muss der Arbeitgeber die Interessen abwägen und dabei mehrere Punkte berücksichtigen:  

  • Beschäftigungsdauer 
  • soziales Umfeld 
  • Gewicht der Pflichtverletzung. 

Außerdem ist die fristlose Kündigung innerhalb von zwei Wochen nach Kenntnisnahme der Fehlleistung auszusprechen. Darüber hinaus gibt es auch formale Aspekte, wie das Schriftformerfordernis. Gibt es einen Betriebsrat, so ist dieser laut § 102 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) zuvor zu beteiligen. 

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